Nach der Ausstellung im Kunstmuseum Olten im Jahr 2003, mit der das den Kunstmuseen Olten und Solothurn zugesprochene Legat aus einer umfangreichen Otto-Morach-Privatsammlung gewürdigt wurde, will diese vom privaten Sammler Christoph Pflugshaupt initiierte Ausstellung den Solothurner Maler und sein reiches Œuvre der Öffentlichkeit lebendig erhalten.

Denn der gebürtige Hubersdorfer Otto Morach (1887–1973) gehört, auch wenn er sich international nicht durchsetzen konnte, mit zu den bedeutendsten Vertretern der Schweizer Malerei seiner Zeit.

Wie sieht nun ein Kunstfreund und privater Sammler von expressionistischer Kunst seinen Morach, den er zudem mit einer aufwendig gestalteten Monografie ehrt?

Eine wohltemperierte Werkschau

Es ist eine wohltemperierte Werkschau geworden. Die Auswahl hat der Hägendörfer Christoph Pflugshaupt im demokratischen Zusammenspiel mit der Fotografin Katharina Rippstein, dem Grafiker Josef Rippstein, dem Künstler Kurt Hediger, mit Otto Morachs Neffen Hans Stüdeli getroffen, die alle auch am Bildband mitgewirkt haben.

Jeder durfte eine bestimmte Anzahl Werke seiner Wahl nennen. Jene Bilder, die am meisten Stimmen erhielten, wurden gewählt. Rund 55 Werke aus allen Schaffensperioden sind so zusammengekommen, die mit Bedacht chronologisch gehängt durch Morachs Schaffen führen, ohne ein Schwergewicht auf die kunsthistorisch als wichtig angesehene Periode von 1914 bis 1918 zu legen.

Zu sehen ist sein frühestes Werk «Wald» von 1906, das er an die Solothurner Weihnachtsausstellung eingereicht hatte, bis zu einem der letzten Werke von 1965.

Frühwerk bis 1920

Vor allem im Frühwerk bis 1920 zeigt sich, wie sich Morach aus seiner Pariser Zeit heraus unter dem Einfluss der damaligen Avantgarde mit aktuellen Strömungen wie Cézanne, Delaunay mit seinem Orphismus oder Chagall auseinandersetzt, die nachhaltig seinen Malstil prägen.

Da finden sich klassische Stillleben à la Cézanne, ein Blick auf Paris, ein frühes Selbstporträt oder bis heute wirkungsvolle expressionistische Szenen.

Die Auseinandersetzung mit den Stilelementen des Expressionismus, Kubismus und Futurismus verweben sich bei Morach bald zu einem eigenen Kubofuturismus:

Krieg, Tod, Kristallin-Urbanes

Industrielandschaften in ihrer Düsternis, Krieg, Tod, Kristallin-Urbanes, die harte Welt der «Asphaltarbeiter», architektonisch-naturartige Kompositionen, die typischen Viadukte, Ruinen oder als kompositorisches Ereignis aus Licht, Farbe, Form, dynamisch gesteigerte Bildgefüge. Dazwischen überrascht der augenfällige Einfluss von Robert Delaunay oder von Henri Rousseau.

Das weniger bekannte Spätwerk entwickelt sich ab 1924/25. Hier gestaltet sich die Bildfindung in sich gekehrter, kompositorisch und formalistisch strenger, aber nicht weniger spannungsvoll.

Die französische Malerei seiner Zeit spiegelt sich wider, man liest surreale Bildmomente, die Bildideen der Neuen Sachlichkeit, aber auch frühere Stilelemente.

Grafischer und metaphorischer

Stilisierter scheinen die Inhalte nun, grafischer und metaphorischer. Menschentleert und von einer erstarrten Bewegungslosigkeit sind die architektonischen Landschaften aus Form, Fläche und Licht. Entrückt, bedrückend in der kalten Symbolik bis hin zur Tristesse verbrannter Natur.

Felsige und architektonische Formationen verwachsen zur erratischen Monumentalität, dann wieder trifft man auf farbig stilisierte Impressionen, die er in den letzten Arbeiten zu teils abstrahierten, fein kolorierten Aufsichten kartografisch reduziert, sogar Rosa neben Türkis setzt.

Bis 23. Sept. Jeweils Mi/Do, 16 –19 Uhr, Sa/So, 14 – 18 Uhr. Es erscheint eine umfangreich illustrierte Monografie zum Leben und Wirken von Otto Morach. www.schloesschen-biberist.ch