Vor zehn Jahren, als das sogenannte «Chorsterben» zumeist durch Überalterung der singenden Gemeinschaften deutliche Lücken in die Vereinslandschaft riss, hatte eine Gruppe um den Riedholzer Peter Bigler den Mut, einen neuen Gesangverein zu gründen.

Der «Amici del Canto» benannte Chor, wurde zum Auffangbecken zahlreicher, heimatlos gewordener, Sängerinnen und Sänger. Bis heute hat er seinen Bestand von weit über 50 Mitgliedern bewahrt und bleibt wegen seines Programms auch attraktiv für jüngere Mitsingende.

An den beiden Jubiläumskonzerten in Solothurn und Luterbach war ein interessanter 12-teiliger Querschnitt durch heutiges Chorrepertoire zu hören, das sich von Operettenmelodien, über Mundart- und Seemannslieder - diese im Satz von Otto Groll - bis zum rassigen «Good night, ladies» und zu einem Spiritual spannte.

Die «Good News» in mitreissender Arrangierung von Wolfgang Kelber liessen glücklich im swingenden Rhythmus so manchen Fuss der Zuhörenden mitwippen. Und ehrlicherweise: Am liebsten hätten sie selber mitgesungen.

Als Leistungsausweise chorischer Tätigkeit werden von Musikfreunden die beliebten beiden Verdi-Kompositionen «Chor der Kreuzfahrer» und «Chor der Gefangenen» aus den Opern «Lombarden» und «Nabucco» betrachtet.

Zum wirkungsvollen Konzertabschluss waren sie ergänzt mit dem «Chor der Priester» aus Mozarts «Zauberflöte». Mit viel Atem und weiter Phrasierung gelang den 45 beteiligten «Amici» ein berührender Vortrag.

«Wir haben uns lange und intensiv auf dieses Konzert vorbereitet», betonte später Dirigent Peter Rufer, der mit den Riedhölzern bei zwei Kantonalgesangsfesten Bestnoten erzielte und mit ihnen weitere Konzerte erarbeitete.

«Wir danken dir für Feingefühl und Hartnäckigkeit, womit du uns als Chorleiter durch alle Jahre begleitet hast», würdigte Chormitglied Lisa Leibundgut den aus «Berufung» handelnden Musikpädagogen Rufer.

Virtuoses Feuer

Seit sieben Jahren verleiht die an Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnete Pianistin Anastasiya Lozova den «Amici»-Auftritten mit ihrer Klavierbegleitung eine klangvolle Basis. Auch diesmal gelang ihr Part regelrecht betörend.

Virtuoses Feuer entfaltete sie im eingefügten Konzertteil, in dem sie die drei Eigenkompositionen «Principium», «Snow Ballad» und «Chant des Tristesse», ein Impromptu von Franz Schubert sowie «Claire de Lune» von Claude Debussy spielte. Lozovas Kompositionsstil ähnelt demjenigen der Impressionisten, die ihre Empfindungen wie Malerei in Musik umsetzten. Reicher Beifall belohnte dieses ausserordentliche Geburtstagsgeschenk, für das ihr in der reformierten Kirche Luterbach kein Flügel, sondern ein Klavier zur Verfügung stand.

Ein kleiner Nachteil des Konzertlokals sei nicht verschwiegen: nicht die verglichen mit dem Solothurner Konzertsaal gedämpfte Akustik, sondern ein Lichtstreifen der südlichen, sonnenbeschienenen Fensterfront störte deutlich. Trotz teilweiser Abschattung der Fenster erlebte das in der hinteren Hälfte der Kirche sitzende Publikum den zuvorderst aufgestellten Chor wenig deutlich erkennbar und nur mit farblich matten Gesichtern.