Mäuse, die Elefanten helfen, und Pinguine, die mit Schlangen befreundet sind – gibt es alles nicht. Zumindest in der uns bekannten Welt nicht. «Im Theater ist alles möglich», sagt Simone Wyss.

Die Theaterpädagogin erarbeitet diese Woche mit Zuchwiler Primarschülerinnen und -schülern ein Theaterstück, das am Freitagabend aufgeführt wird. Unterstützt wird sie von Carlo Orsenigo, Theaterpädagoge in Ausbildung, und Kunststudentin Aline Stalder, die sich um die Kostüme kümmert.

Die Theaterwoche, ein Angebot der Schulen Zuchwil, sei ein Experiment, so Wyss, wird sie doch dieses Jahr zum ersten Mal organisiert. Ein Experiment, das auf einpositives Echo stösst. Die 15 Kinder, alle zwischen sieben und zehn Jahren, wirken in den Proben hoch motiviert.

Ganzheitliche Theaterkunst

Im Schulhaus Unterfeld erhalten die Kinder einen umfassenden Einblick in die Welt des Theaters. Neben dem Rollenspiel finden Gesang, Tanz und Gedichte Eingang in Proben und Aufführung. Diese Ganzheitlichkeit sieht Wyss als grossen Vorteil der Theaterkunst. So könne man viele Fähigkeiten und entsprechend viele Menschen einbeziehen. Quasi als alternative Lernmethode dient das Theaterspiel, wenn die Kinder sich Text und Einsatz merken müssen. «Und sie müssen lernen, sich auch einmal zurückzunehmen.» Womit auch die soziale Komponente nicht fehlt. Für die sichtlich begeisterten Jungschauspieler passiert das alles freilich unter der Hand – so, wie es nach Wyss auch sein soll: «Ziel ist es, dass die Kinder Spass haben.»

Und welche Rollen haben sich die Kinder ausgesucht? «Ich spiele einen Orang-Utan», sagt die neunjährige Nia. Der sei ein lustiges Tier. Weshalb er sich seine Rolle ausgesucht hat, weiss Csaba selbst nicht genau. In einem Schultheater habe er aber schon einmal eine Schlange gespielt. Da ist das Krokodil, das er nun gewählt hat, bewegungstechnisch nicht weit entfernt. Die Bewegungen sind es denn auch, die neben den Geräuschen der Tiere einstudiert werden müssen.

So trompetet es auf einmal, als eine Herde Elefanten über die Bühne trampelt, sich etwas zu fressen sucht und aus einem Wasserloch trinkt. Wie rennt ein Elefant überhaupt? Nia macht es vor: er rennt nicht wie wir Menschen, er geht nur etwas schneller. In der Turnhalle sind derweil die Wassertiere am Trainieren. Das Krokodil legt sich auf die Lauer. Ein Delfin schwimmt. «Delfine springen manchmal aus dem Wasser», gibt Wyss zu bedenken. Das wird gleich ausprobiert – und drei Delfine springen in hohem Bogen in die Luft.

Zwei Stockwerke höher geht es ruhiger zu und her. Konzentriert werden Kostüme gebastelt. Adrian ist ein Eichhörnchen und hat auf einem Bild gesehen, dass dessen Augen wie Zitronen aussehen. Die werden nun gezeichnet, ausgeschnitten und am Kostüm befestigt.

Ungeahnte Freundschaften

Eine Geschichte wollten die Leitenden nicht vorgeben, stattdessen entsteht das Theater im Verlauf der Woche zusammen mit den Kindern. «Wir wussten nicht, wie viele teilnehmen würden, daher wollten wir mit der Geschichte offen bleiben.» Diese Vorgehensweise sei aufwendiger aber kein Nachteil, da verstärkt auf die Wünsche und Fähigkeiten der Kinder eingegangen werden könne. Auf den Reiz an der Arbeit mit Kindern angesprochen, gerät Simone Wyss ins Schwärmen. Spontaneität, Spielfreude und das Leben im Moment seien starke Qualitäten der Kinder. «Sie sind sofort im Spiel drin und haben wahnsinnig viel Fantasie.»

Durch diese Fantasie entstehen ungeahnte Bande. «Können die Tiere auch Freunde sein?», fragt Wyss die Kinder. «Ja!», lautet die einstimmige Antwort. Und so wird der Pinguin zum Freund der Schlange.

Die Aufführung des Kindertheaters findet diesen Freitag um 17 Uhr im Schulhaus Unterfeld, Zuchwil, statt.