Aeschi

Zivildienstler verrichten im Chlepfibeerimoos aufwendige Handarbeit

Die Pflanzenvielfalt im Chlepfibeerimoos beim Burgäschisee erstaunt auch Fachleute. Derzeit arbeitet eine Gruppe von Zivildienstleistenden im Hochmoor und reissen unerwünschte Pflanzen aus.

Im Chlepfibeerimoos wird gearbeitet. Eine Gruppe von sieben Zivildienstleistenden unter der Leitung von Landschaftsgärtner Lukas Gressly kämmt Zentimeter um Zentimeter des rund sieben Hektaren grossen Hochmoores beim Burgäschisee durch. Dabei werden unerwünschte Pflanzen ausgerissen. Vor allem junge Erlen, aber auch Faulbäumchen landen in grossen Säcken und werden später am Waldrand aufgehäuft.

Gressly und Jonas Lüthy (wissenschaftlicher Mitarbeiter im Amt für Raumplanung) besprechen gemeinsam vor Ort die Arbeiten, die ausgeführt werden. Dabei bücken sie sich selbst immer wieder und reissen automatisch auch gleich Bäumchen aus, die hier nicht wachsen sollten. «Ich kann einfach nicht anders», lacht Lüthy, der sich freut über die Pflanzenvielfalt im Chlepfibeerimoos.

Seltene Pflanzen spriessen wieder

«Es ist enorm, in welch kurzer Zeit hier wieder verschiedene spezielle und seltene Pflanzen gewachsen sind.» Verschiedene Seggen, Pfeifengras, Sumpf-Helmkraut, Sumpf-Haarstrang, Wollgras und Blutweiderich sind zu finden. Daneben aber auch Rosmarinheide, Sonnentau, Wassernabel, Alpen-Haarbinse und weisse Schnabelbinse. Dazu natürlich das «Chlepfibeeri», das dem Hochmoor seinen Namen gibt und eigentlich Moosbeere heisst.

Quer über einen der vielen kleinen Tümpel hat eine Zebraspinne ihr Netz gespannt, ein paar Meter weiter weg ist es eine Listspinne. Auch verschiedene Amphibien und seltene Libellenarten sind nun wieder im Chlepfibeerimoos zu
finden.

Im Winter 2011/2012 wurde das Chlepfibeerimoos mit viel Aufwand und dank Hilfe von Spezialmaschinen entwaldet.

Im Zweiten Weltkrieg war der Seespiegel des Burgäschisees während der «Anbauschlacht» gesenkt worden. Dabei wurde das Hochmoor beinahe trocken gelegt. «Früher wurde das Moor regelmässig gemäht und das Gras von den Landwirten genutzt. Die Bäume wurden zu Brennholz verarbeitet.»

Seit den 50er-Jahren wurde das Gebiet aber mehr oder weniger sich selbst überlassen. Dementsprechend sah es aus: komplett verwaldet, verbuscht und verschilft.

Bald schon Ursachen angehen?

Ganz anders jetzt. Im Hochmoor wachsen wieder die für das Gebiet typischen Pflanzen, überall sind kleine Tümpel zu sehen. Damit die Moorlandschaft bleibt und die Pflanzen weiterhin gedeihen, braucht es jährlich eine gewisse Pflege. «Damit bekämpfen wir allerdings nur die Symptome. Wir müssten die eigentliche Ursache angehen. Das Projekt dazu ist in Arbeit, aber noch nicht spruchreif», erklärt Jonas Lüthy. Das Problem liege im gestörten Nährstoff- und Wasserhaushalt.

Das Chlepfibeerimoos gehört Pro Natura. Weil es ein Objekt von nationaler Bedeutung ist, ist der Kanton verpflichtet, es zu erhalten. Bisher hat er dies im Alleingang gemacht, wobei mit dem Kanton Bern sehr gute Kontakte bestehen. Neuerdings vergibt die Abteilung Natur und Landschaft die Arbeiten auch an Landwirte. «Diese arbeiten sehr effizient, können aber vom Aufwand her nicht alles machen.» Sie übernehmen nun das Mähen und Abräumen im Winter. Gerade das Durchkämmen und Ausreissen der kleinen Bäumchen sei enorm zeitaufwendig.

In naturnetz.ch hat der Kanton nun aber einen Partner gefunden, der diese aufwendige Handarbeit gerne übernimmt. Zivildienstleistende arbeiten hier einen Teil ihrer Diensttage ab. 15 000 Franken kosten die 2014 vorgesehenen Einsätze rund um den Burgäschisee, darunter der nun laufende zweiwöchige Einsatz. Die Mittel stammen aus dem kantonalen Heimatschutzfonds. «Mit der Zeit sollte der Aufwand geringer werden», erklärt Lüthy.

Lohnt sich der Aufwand? Für Jonas Lüthy ist die Antwort klar: «Ja. Das ist unser Naturerbe. Wir wollen die Solothurner Pflanzen- und Tierwelt mit ihren charakteristischen Arten für kommende Generationen erhalten. Das ist auch unser gesetzlicher Auftrag. Das Hochmoor ist einzigartig und hier haben ganz spezielle Pflanzenarten überlebt, die sonst vor allem in der Arktis oder in den Alpen wachsen.»

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