Nein, leicht gemacht hat sich Walter Pfluger den Entscheid nicht. Der 64-jährige Patron der Maschinenfabrik Agathon AG in Bellach verkauft per Ende Jahr sein Unternehmen, welches er in dritter Generation führt. Ein Unternehmen, welches seit der Gründung 1918 in den Händen der Familie Pfluger und mit über 200 Arbeitsplätzen einer der wichtigsten industriellen Arbeitgeber in der Region Solothurn ist. «Schon seit zwei Jahren habe ich mich mit der Nachfolgeregelung intensiv auseinandergesetzt», erzählt Pfluger ruhig und gelassen am grossen Konferenztisch in seinem Büro sitzend.

Externe Berater brauchte Pfluger nur für finanzielle und rechtliche Abklärungen. Die Pläne für die betriebliche Zukunft der Unternehmung hat er sich – sozusagen im stillen Kämmerlein – selbst erarbeitet. «Ich habe mir als Eckpunkte Ziele gesetzt und die Wege dorthin aufgezeichnet», berichtet er. Hauptziel sei es, die Firma am Standort Bellach und damit auch die Arbeitsplätze zu erhalten. Allein schon durch diese Zielsetzung war ein Verkauf an einen reinen Finanzinvestor kein Thema. «Damit wäre das Risiko verbunden gewesen, dass das Unternehmen auseinandergerissen wird, einzelne Bereiche weiterverkauft oder gar geschlossen werden», begründet Walter Pfluger seinen Entscheid, das Unternehmen als «Familienbetrieb» weiterleben zu lassen. Und ein Börsengang? Dazu wäre er nicht der richtige Mann gewesen. Die Entscheidungsfreiheit werde mit einer Publikumsöffnung zu stark eingeschränkt. 

Die neuen Eigentümer habe er gezielt ausgesucht. Als neuer CEO wird Michael Merkle im ersten Quartal 2015 die Leitung übernehmen. Als heutiger Geschäftsführer der Bystronic Laser AG in Niederönz, Herstellerin von CNC-gesteuerten Laser- und Wasserstrahlschneidmaschinen, verfüge er über langjährige Erfahrung im internationalen Maschinenbau. Mitinhaber wird Stephan Scholze. Als Leiter Forschung und Entwicklung sitzt er bereits seit drei Jahren in der Geschäftsleitung der Agathon AG. «Diese Abteilung ist für das Unternehmen von entscheidender Bedeutung, und Stephan Scholze und sein Team haben bislang sehr gut gearbeitet», sagt der Unternehmer. Die Chemie zwischen den beiden neuen Inhabern stimme. Pfluger verkauft als Alleininhaber sämtliche Aktien an das neue Management, wobei Merkle die Aktienmehrheit halten wird.

«Nicht das wichtigste Kriterium»

Eine Nachfolgelösung innerhalb der Familie Pfluger wäre zwar schön und rein theoretisch auch möglich gewesen. «Aber die Weiterführung in vierter Familiengeneration darf in einem solchen Fall nicht das wichtigste Kriterium sein», meint der Vater von drei erwachsenen Kindern. Wenn das klare Bekenntnis seitens der Kinder fehle, dann fehle das Wichtigste – das Herzblut. «Die Kinder in eine ungewollte Position zu drängen, bringt nichts.» Wie erwähnt sei das oberste Ziel, die Unternehmung in eine weiterhin erfolgreiche Zukunft zu führen und die Arbeitsplätze zu erhalten. Um das zu erreichen, will Walter Pfluger auch als «Aussenstehender» mithelfen. «Ich bleibe für die nächsten Jahre Verwaltungsratspräsident.» Das sei auch ein Signal nach aussen und stehe für Kontinuität. Er werde sich zwar aus dem Tagesgeschäft raushalten, aber strategisch will er seine Erfahrungen und sein Wissen weiterhin einbringen. «Mein Büro und meinen Parkplatz werde ich allerdings räumen», sagt er lachend.

Lässig, aber stilvoll gekleidet – mit dunklem Sakko, weissem Hemd, Jeans und braunen, rahmengenähten Lederschuhen – wirkt Walter Pfluger jugendlich und entspannt. Letzteres deshalb, weil er überzeugt ist, die beste Nachfolgelösung getroffen zu haben. Sowohl das Kader wie die Mitarbeitenden hätten jedenfalls positiv reagiert. «Ich konnte ihnen vermitteln, dass die Familien- und Unternehmertradition weitergeführt wird.» Das bedeute aber nicht, dass alles beim Alten bleiben werde. Das Geschäft – auch mit grossen teuren Maschinenanlagen – sei nämlich kurzfristig und schwierig planbar geworden. Er spricht die Absicht der kommenden Firmenleitung an, mit neuen Fertigungsmethoden, wie etwa der «Lean-Production» mit kürzeren Produktions- und Reaktionszeiten, gekoppelt mit innovativen Produkten, den Herausforderungen zu begegnen. «Es braucht immer Veränderungen, um gut zu bleiben.»

Zeitpunkt für Nachfolge

Genau dazu benötige es Mut – und frisches Blut. Er sei jetzt 64-jährig. «Es besteht die Gefahr, den richtigen Zeitpunkt für die Nachfolge zu verpassen und dass anstelle des Willens zur Veränderung die Bewahrung des Erreichten tritt.» Damit begründet Pfluger auch, warum er für den Wechsel nicht noch vier Jahre zuwarten wollte, wenn dannzumal das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen feiern wird. «Das wäre zwar reizvoll, aber nicht im Interesse des Ganzen gewesen.»

Er sei glücklich mit dem eingeschlagenen Weg, und er werde sich lösen können. Erleichterung ist beim Patron denn auch spürbar. «Die Beanspruchung meiner Person über Jahrzehnte war hoch und noch höher die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden.» Wenn er in einigen Jahren am markanten Glas- und Stahlbau in Bellach vorbeifahren wird, in welchem sich die Firma erfolgreich weiterentwickelte, dann wird er sich sagen. «Ich habe einen guten Job gemacht.»