Kriegstetten
Wohnen im Alter: Geplantes Zusatzgeschäft des «Sternen» ist einen Schritt weiter

Die Stimmberechtigten genehmigten den Kredit zur Planung eines Angebots für das Wohnen im Alter. Der «Sternen» möchte damit ein Zusatzgeschäft aufbauen. Die Änderung der Gemeindeordnung wurde dagegen abgelehnt.

Urs Byland
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Rund um das Zimmermann-Areal soll weiter geplant werden.

Rund um das Zimmermann-Areal soll weiter geplant werden.

Urs Byland

Das Wohl der Gemeinde steht beim neuen Gemeindepräsidenten von Kriegstetten an erster Stelle. Das zeigt sein Wirken an der von 74 Stimmberechtigten besuchten Gemeindeversammlung. Mit seinen politischen Feinden verfährt er dabei eher unzimperlich.

Sportlich hat der nach wie vor dreiköpfige Gemeinderat unter Manfred Küngs Leitung die Problematik rund ums Wohnen im Alter angepackt und aufgegleist. Beigezogen wurde eine professionelle Beratung aus dem Konglomerat Bracher & Partner, von der man weiss, dass diese mit Land in der Reservezone ebenfalls eigene Interessen in Kriegstetten verfolgt.

Weil dies allenthalben bekannt ist, habe man sich trotzdem für die Firma entschieden, so Küng, verfüge diese doch über detaillierte Kenntnisse der Situation in Kriegstetten. Innerhalb von sechs Wochen hat die neu konstituierte Arbeitsgruppe um Präsident Walter Kilchenmann und Berater Marco Heri eine Bestandesaufnahme durchgeführt, den Bedarf abgeklärt, die Möglichkeiten ausgelotet und eine Empfehlung ausgearbeitet. Bis 2017 könnte ein Angebot mit zirka 50 Wohnungen auf den Arealen GB 65 und 81 (Hauptstrasse 52 und «Sternen») entstehen. «Voraussetzung ist Einigkeit im Dorf für dieses Projekt», so Marco Heri.

Ursprüngliche Idee aufgenommen

«Wir wollen auch im Alter, zwar noch nicht pflegebedürftig, aber doch schon etwas eingeschränkt, in Kriegstetten leben können. Das war seinerzeit der Gedanke, als wir GB 65 erworben haben», erinnert Küng die Versammelten an die ursprüngliche Idee. Ein Abriss des Gebäudes sei möglich, «aber da hat der Kanton ein Wort mitzureden».

Dabei geht es um die parallele Ausrichtung des maroden Bauernhofes zur Kirche. «Wir haben ein wertvolles Dorfbild, das erhalten bleiben soll.» Deshalb soll ein Gestaltungsplan, ausgearbeitet in einem Konkurrenzverfahren, den für Dorf und Kanton richtigen Weg weisen.

Wiederum ein Eklat: Friedensrichter nicht wiedergewählt

Ein Couvert und einen Blumenstrauss erhielten mehrere Funktionärinnen und Funktionäre, für ihr zum Teil langjähriges Engagement für die Gemeinde. Verabschiedet wurde auch der bisherige Friedensrichter Theo Portmann. Dieser blieb am Ende der Ehrung vorne stehen und ergriff das Wort. «Ich habe nicht demissioniert», seine überraschende Aussage. Der Gemeinderat habe ihn nicht mehr wiedergewählt. «Eigentlich ist in der DGO festgeschrieben, wie dies korrekt ablaufen müsste, aber ich habe auf eine Beschwerde verzichtet. Ich leide deswegen nicht existenzielle Not.» Er empfehle dem Gemeinderat, Gesetz und Reglemente seriös anzuwenden, «und nicht einfach aus der Hüfte zu schiessen». Der Gemeindepräsident kommentierte dies nicht und entliess alle mit den besten Wünschen. Nach der Versammlung erklärte Küng: «Die CVP, und Theo Portmann ist im Vorstand der CVP, erklärte, dass eine Zusammenarbeit mit dem Gemeindepräsidenten unmöglich ist. Sie hat sich deshalb aus dem Gemeinderat zurückgezogen. Ich bin Stellvertreter des Friedensrichters. Der Gemeinderat wollte Portmann deshalb dieser Unbill nicht länger aussetzen.» (uby)

Küng spannte den Bogen noch weiter. «Es ist nicht selbstverständlich, dass wir in Kriegstetten drei Restaurants haben, wie das Beispiel ‹Kreuz› gezeigt hat. Es ist bekannt, dass Hotels mit alter Bausubstanz Schwierigkeiten haben, diese Bausubstanz mit dem Erlös aus dem Betrieb zu erhalten.»

Der traditionsreiche «Sternen» überlege sich deshalb ein Zusatzgeschäft mit einem Angebot für das Wohnen im Alter. Die an der Versammlung beantragten 100 000 Franken für die weitere Planung reichen bis zur Ausschreibung eines Gestaltungsplanes und ermöglichen die Erarbeitung eines Dossiers, mit dem Investoren für das 10 bis 15 Mio. Franken kostende Projekt gefunden werden könnten. Die Versammlung folgte den Ausführungen und stimmte für den Kredit.

Auch die weiteren Investitionskredite für das Zentrum für Sonderpädagogik Kriegstetten (20 200 Franken), den baulichen Unterhalt Schulanlagen (106 000 Franken), die Heizung Turnhalle (50 000 Franken) und die Sanierung Sigriststrasse (285 000 Franken) wurde gutgeheissen. Geschoben wurde derweil der Kredit von 109 500 Franken für die Sanierung der Strassenbeleuchtung. Das Budget 2014 erfuhr einige Änderungen und wurde grossmehrheitlich angenommen.

Der Antrag aus der Versammlungsmitte auf Erhöhung des Steuerfusses von 105 auf 110 Prozent wurde knapp abgelehnt. Besorgt zeigte man sich über das Minus im Budget der laufenden Rechnung von über 600 000 Franken, das zwar noch etwas verbessert wurde. Manfred Küng wies darauf hin, dass in der Verwaltung eine grosse Aufräumaktion das Personal übermässig belaste.

Systematische Fehler in der Vergangenheit hätten zu grossen Ausständen beim Steuereinzug und beim Wasserrechnungseinzug geführt. «Da haben sich über Jahre hinweg Probleme angehäuft. Wahrlich kein Ruhmesblatt», so Küng. Weil deshalb die Berechenbarkeit der wahren finanziellen Verhältnisse sehr neblig sei, mache es keinen Sinn, jetzt die Steuern zu erhöhen. «In einem Jahr kennen wir die wahren Verhältnisse.» Bis dann müsse man notfalls auf das Eigenkapital von 1,8 Mio. Franken zurückgreifen.

Präsident bleibt Inventurbeamter

Eins auf die Nase bekam der Gemeindepräsident bei den angestrebten Änderungen der Gemeindeordnung sowie der Dienst- und Gehaltsordnung. Sein Antrag, seine Arbeit bei Todesfällen ein Inventar zu erstellen, an eine vom Gemeinderat gewählte Person weitergeben zu können, wurde abgelehnt.

Auch die Wiedereinführung des Quartiermeisters überzeugte nicht und wurde zurückgewiesen. Dafür wurde die Rechnungsprüfungskommission abgeschafft. Die Rechnung soll künftig extern geprüft werden. Und die Bau- und Werkkommission wurde von 6 auf 5 Mitglieder verkleinert.