Aareinseli
Wird die Genehmigung der neuen Inseli-Fähre vom Kanton hinausgezögert?

Nächste Woche hätte die neue Inseli-Fähre in der Schweiz eintreffen sollen. Weil die Genehmigung für den Bau der neuen Fährestrecke vom Festland zum Aareinseli noch nicht erteilt wurde, müssen Anteners jedoch länger auf die neue Fähre warten.

Sven Altermatt
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Die Genehmigung für die neue Fährenstrecke ist noch nicht erteilt.

Die Genehmigung für die neue Fährenstrecke ist noch nicht erteilt.

Oliver Menge

Eigentlich, dachte sich Vreni Antener, laufe in diesem Sommer alles nach Plan. Die neue Aarefähre ist beinahe fertig gebaut, nächste Woche hätte das Boot aus einer holländischen Werft in der Schweiz eintreffen sollen. Eigentlich. Denn die Genehmigung für den Bau der neuen Fährenstrecke vom Festland zum Aareinseli von Vreni und Simon Antener ist noch nicht erteilt. «Der Amtsschimmel wiehert wieder», meint Vreni Antener dazu. Für die Bäuerin ist das völlig unverständlich: «Schliesslich hat niemand etwas gegen die neue Fähre.»

Einsprachen gibt es keine, bestätigt auch Thomas Leimer. Der Selzacher Bauverwalter weiss, warum die Genehmigung trotzdem noch nicht ausgestellt werden konnte: Das Aareinseli und die dazugehörige Anlegestelle auf dem Festland liegen ausserhalb der Bauzone. «Die Baukommission kann die Bewilligung erst freigeben, wenn der Kanton sein Einverständnis gegeben hat», erklärt Leimer. Konkret heisst das: Das kantonale Amt für Raumplanung muss eine «wasserrechtliche Ausnahmebewilligung» erteilen. So will es das Gesetz. Man habe sich beim Kanton gegen sie verschworen, frotzelt Vreni Antener. «Allmählich könnte man meinen, der Kanton zögert die Genehmigung absichtlich hinaus.» Diesen Vorwurf will sich Robert Grütter, Leiter Baugesuche im Amt für Raumplanung, nicht gefallen lassen: «Ich bedaure es, dass man uns die Schuld in die Schuhe schiebt.»

«Alles andere als verzögernd»

Grütter schildert die Sicht des Kantons – diese passt nicht ganz zur Antener-Version. Demnach hat die Familie im Frühling zuerst nur in Lüsslingen-Nennigkofen ein Baugesuch eingereicht. Mit diesem ist allerdings nur die Anlegestelle auf dem Nennigkofer Festland abgedeckt. Das Aareinseli gehört zum Gemeindegebiet von Selzach.

Der Aufforderung, auch in Selzach ein Gesuch einzureichen, seien Anteners gemäss Grütter erst mit Verzögerung nachgekommen. In Selzach musste das Gesuch dann den üblichen Instanzenweg durchlaufen. Schliesslich landete das Dossier vergangene Woche erneut auf dem Tisch des Amts für Raumplanung. Man habe sich diesem sofort angenommen, sagt Grütter. «Unser Vorgehen ist alles andere als verzögernd.»

Inhaltlich gesehen sei an Anteners Baugesuch denn auch nichts auszusetzen. Grütter erklärt: «Es fehlt nur noch die Genehmigung des Rechtsdienstes.» Diese soll noch diese Woche vorliegen. Warum sehen sich Simon und Vreni Antener vom Kanton ins Offside gedrängt? Vielleicht liegt eine mögliche Erklärung darin, dass ihr Vertrauen in den Staat erschüttert ist, seit sie am 27. Dezember 2013 dicke Post von der Kantonspolizei erhalten haben. «Ab sofort», hiess es im Schreiben, sei der Transport von Passagieren mit der Fähre untersagt. Und spätestens am 31. Januar müssten auch Materialtransporte eingestellt werden.

In den Händen des Kantons

In Leserbriefspalten und auf Facebook schlug Vreni und Simon Antener eine beispiellose Welle der Solidarität entgegen. Viele konnten das Durchgreifen der Behörden nicht verstehen. Andere stellten sich die Frage: Was wäre, wenn mit dem angejahrten Boot tatsächlich einmal etwas schiefläuft? Dann die spektakuläre Wende: Der geheimnisvolle Orden der Odd Fellows spendete 80 000 Franken. Damit und dank weiteren Spenden konnte die Familie in Holland eine neue Fähre bestellen.

Dass der Entscheid zur Fähre und damit das Schicksal ihres Betriebs nun erneut in den Händen des Kantons liegt, stimmt Vreni Antener nicht gerade milde. Sie hofft, dass die Fährenstrecke im Juli gebaut werden kann. «Dann haben wir doch noch etwas von diesem Sommer.»

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