Basel / Solothurn
Wird das Schwarzbubenland künftig zum Kanton Basel statt Solothurn gehören?

Im Zuge der Fusionsdiskussion zwischen Basel-Stadt und Baselland stellt man sich auch im Schwarzbubenland Fragen der Zugehörigkeit und Identität. Denn viele Schwarzbuben fühlen sich eher der Region Basel als Solothurn zugehörig.

Thomas Brunnschweiler
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Wohin gehört das Schwarzbubenland? Im Zentrum von Dornach, dem Bezirkshauptort von Dorneck.

Wohin gehört das Schwarzbubenland? Im Zentrum von Dornach, dem Bezirkshauptort von Dorneck.

Nicole Nars-Zimmer

Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Schwarzbuben – vor allem jene in Dornach, auf dem Dorneckberg und im Leimental – eher zur Region Basel gehörig fühlen als zu Solothurn, das sowohl geografisch wie bewusstseinsmässig weit weg liegt. Diese Situation ist eines der Beispiele, bei denen die historisch gewachsenen Strukturen nicht mit den funktionalen Räumen übereinstimmen.

Derzeit kein Wechsel in Sicht ...

Der aus Hochwald stammende und in Dornach lebende Rechtsanwalt Daniel Urech kann sich neue Kantonsgrenzen auch für das Schwarzbubenland vorstellen. Der Dornacher Gemeinderat (Freie Wähler) und Kantonsrat für die Grünen reichte im September 2012 eine Interpellation zu den Perspektiven des Schwarzbubenlands ein, dies angesichts der Fusionsbemühungen zwischen den Basler Halbkantonen.

In der Antwort des Regierungsrats wird darauf hingewiesen, dass «die Schwarzbuben ihr eigenes, selbstbewusstes Zugehörigkeitsgefühl zum Kanton Solothurn» besitzen und der Kanton darauf bedacht sei, diese Region nicht zu vernachlässigen. Dezidiert heisst es danach: «Seine Zugehörigkeit zum Kanton Solothurn steht für uns ausser Frage.»

Trotz dieser apodiktischen Aussage lässt die Solothurner Regierung mit dem Fahrplan der möglichen Wiedervereinigung der Basler Halbkantone Spielraum für einen möglichen Wechsel von solothurnischen Gemeinden zu einem fusionierten Kanton.

«Dies wäre», so heisst es, «frühestens nach 2025/26 der Fall.» Dennoch gilt für den Regierungsrat von Solothurn: «Ein direktes ‹Mitmachen› der Gemeinden des Schwarzbubenlands bei der Fusion der beiden Kantone BL und BS ist aufgrund deren Zugehörigkeit zum Kanton Solothurn ausgeschlossen.»

... aber kein Denkverbot

Für Daniel Urech wäre ein Kantonswechsel aktuell nur zu einem fusionierten und neu strukturierten Kanton Basel sinnvoll, weil heute die Gemeindeautonomie im Kanton Solothurn wesentlich höher sei als im Kanton Baselland.

Andererseits funktioniere die interkantonale Zusammenarbeit grundsätzlich gut, vor allem bei Bildung, Verkehr und Kultur. «In diesen Bereichen ist es für uns Schwarzbuben elementar, dass die Kantonsgrenzen keine Rolle spielen.» Urech sieht die Frage pragmatisch. «Ich habe nicht vor, eine Jura-Diskussion anzureissen», erklärt er, «wir werden nicht unterdrückt, aber wir müssen immer wieder auf unsere spezielle Situation hinweisen.»

Rund die Hälfte der Schwarzbuben-Vertreter unterschrieb seine Interpellation. Einzig die SVP warf Urech «Eidbruch» vor. «Ich weiss aus unzähligen Begegnungen, dass für viele Menschen hier der Kanton Solothurn ein Abstraktum ist», sagt Urech. Politische Strukturen drohten dysfunktional zu werden, wenn sie nicht mit den alltäglichen Lebensräumen übereinstimmen.

Die Frage nach einem Kantonswechsel dürfe man daher durchaus stellen. Wenn jedoch die Fusion von Baselland und Basel-Stadt nicht zustande komme, so Urech, sei wohl die Schwarzbubenland-Frage für eine gewisse Zeit vom Tisch.