Fachhochschule
Wird Abteilung Wirtschaft von Olten nach Brugg-Windisch verlegt?

Werden Teile der – lukrativen – Abteilung Wirtschaft von Olten nach Brugg-Windisch verlegt? Diese Frage stellte sich der Oltner Kantonsrat Rolf Sommer. Hinter den Kulissen wird offenbar über eine Optimierung der Auslastung nachgedacht.

Ueli Wild
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Zu bescheiden geplant? Der Campus-Neubau platzt praktisch aus allen Nähten, wenn er eröffnet wird.

Zu bescheiden geplant? Der Campus-Neubau platzt praktisch aus allen Nähten, wenn er eröffnet wird.

Was tut sich hinter den Kulissen der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW)? Werden Teile der – lukrativen – Abteilung Wirtschaft von Olten nach Brugg-Windisch verlegt? Diese Frage stellte sich der Oltner Kantonsrat Rolf Sommer (SVP), nachdem er von FHNW-internen Gutachten Wind bekommen hatte, die nicht ohne Brisanz sind.

Darin geht es um das Raumkonzept der FHNW, insbesondere um die in den nächsten Jahren verfügbaren räumlichen Kapazitäten und um deren Auslastung. Die Berichte sind geheim; auch Rolf Sommer – immerhin Mitglied der Interparlamentarischen Kommission (IPK), des Organs der gemeinsamen Oberaufsicht der vier Kantonsparlamente über die FHNW – hat die Papiere nicht zu Gesicht bekommen.

Seine Quellen seien aber «absolut sicher», sagt Sommer. Und die hätten versichert, dass der neue Campus Brugg-Windisch über weit grössere Raumreserven verfüge als jener in Olten. Es werde deshalb darüber diskutiert, ob ein Teil der Hochschule Wirtschaft in den Aargau verlagert werden solle. Zur Erinnerung: Olten ist der FHNW-Primärstandort im Bereich Wirtschaft. Brugg-Windisch ist neben Basel einer der Sekundärstandorte.

Weitgehend unter Verschluss

Wie klein der Kreis der Eingeweihten im Fall der Raumkonzept-Berichte der FHNW ist, zeigten Anfragen in Aarau und Solothurn: Weder Klaus Fischers Departementssekretär Adriano Vella, noch Simona Strub-Larcher vom Kommunikationsdienst des Aargauer Departements für Bildung, Kultur und Sport hatten von den fraglichen Raumgutachten und entsprechenden Diskussionen gehört.

Nach Rücksprache mit den zuständigen Stellen im Departement Hürzeler stellte Strub-Larcher dann kategorisch fest: «Es gibt keine Raumreserven in Brugg-Windisch.» Im Campus-Neubau würden exakt die vertraglich abgemachten Kapazitäten geschaffen. Ein Vergleich der Zahlen zeigt, dass das stimmt.

Im Staatsvertrag sind die Hauptnutzflächen für die Vertragskantone nämlich genau vorgeschrieben. Auch Solothurn hält sich beim Campus-Neubau an diese Vorgaben. Nur, und das bestätigt Adriano Vella: In Olten wurde «sehr genau» geplant. Heisst: Nach der starken Steigerung der Studierendenzahlen in den letzten Jahren ist das Haus praktisch voll, wenn der Neubau eröffnet wird.

Eugen Blümli

Einer der offenbar wenigen im Solothurner Departement für Bildung und Kultur (DBK), die wissen, worum es hier geht, ist Eugen Blümli, Leiter der Abteilung Hochschulen. Er bestätigt, dass Abklärungen betreffend das Raumkonzept getroffen wurden.

So dramatisch, wie Rolf Sommer es sehe, sei das Ganze aber nicht. Blümli betont, dass es derzeit keine konkreten Pläne für eine Verlagerung eines Teils der Abteilung Wirtschaft von Olten nach Brugg-Windisch gebe.

Früher oder später sei «eine Entscheidung in diese Richtung» schon möglich, aber es gehe dann nicht darum, Olten etwas wegzunehmen, das Angebot in Olten zu gefährden. Dort wo es sinnvoll sei und das Finanzielle stimme, sei gegen Parallelität auch nichts einzuwenden.

Blümli erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass in Brugg-Windisch für diesen Herbst ein Kurs in Wirtschaftsinformatik – zusätzlich zum Angebot in Olten – geplant war. Mangels Anmeldungen komme dieser nun aber wohl nicht zustande.

Olten top, Brugg-Windisch floppt

Überhaupt, lässt Blümli durchblicken, entwickle sich Brugg-Windisch nicht wunschgemäss. (Dort gibts zwar offenbar keine «Raumreserven», aber es hat noch Platz für künftige Wirtschafts- Studierende...) Vielleicht, so Blümli, komme es zu einer Trendwende, wenn der neue Campus eröffnet werde.

«Und die Befürchtungen werden sich gar nicht bewahrheiten.» – Olten dagegen sei ein gefragter «Top-Standort», sagt Blümli. Die Zunahme der Studierenden liege hier deutlich über den Erwartungen. Nur sei in Olten eben räumlich «sehr vorsichtig» geplant worden. Sprich: Der Expansionsspielraum ist nun beschränkt. «Da», räumt Blümli ein, «zieht Olten im Moment den Kürzeren.» Fest stehe daher bereits, dass mit dem Bezug des Neubaus nicht alle alten Standorte aufgegeben würden.