Lommiswil
«Wir würden eine gute und sichere Bahnverbindung verlieren»

Lommiswil zählt auf die Linie Solothurn–Moutier. Doch was passiert, wenn der Weissensteintunnel schliesst? Für Gemeindepräsidentin Erika Pfeiffer ist klar: Die Einwohner müssten grössere zeitliche Reserven einplanen.

Urs Byland
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Lommiswils Gemeindepräsidentin Erika Pfeiffer: «Ohne die Solothurn-Moutier-Bahn müssten wir grössere zeitliche Reserven einplanen».

Lommiswils Gemeindepräsidentin Erika Pfeiffer: «Ohne die Solothurn-Moutier-Bahn müssten wir grössere zeitliche Reserven einplanen».

hsj/bar

Gemeindepräsidentin Erika Pfeiffer, wie wichtig ist die Solothurn-Moutier-Bahn für Lommiswil?

Erika Pfeiffer: Die Verbindung nach Solothurn in sechs Minuten ist eine gute und sichere Verbindung. Für uns stimmen auch die Anschlüsse für längere Reisen nach Bern oder Zürich. In Moutier haben wir zusätzliche Anschlüsse nach Genf und Basel. Ohne die Solothurn-Moutier-Bahn müssten wir grössere zeitliche Reserven einplanen. Kommt hinzu, dass unsere Verbindungsleitung für die Wasserversorgung von Gänsbrunnen durch den Tunnel führt, das wäre ein weiteres Problem.

Die Wasserleitung?

Diese ist schon lange ein Thema, weil wir immer wieder mit der drohenden Sanierung des Tunnels konfrontiert wurden. Wir haben deshalb auch Geld zurückgelegt, denn bei einer Tunnelsanierung steht eine Erhöhung oder Vertiefung zur Diskussion, und die Leitung muss neu gelegt werden.

Sie wurden öfters über eine mögliche Sanierung informiert?

Wir wurden über die Frequenzen orientiert und über die möglichen Kosten. Was uns überraschte waren die Kosten, aber diese Abklärungen laufen nun auf Bundesebene. Im Frühling vor einem Jahr kostete die Sanierung 30, im Sommer 70, im Herbst 100 und jetzt 170 Millionen Franken.

Welche Verbindungen im öffentlichen Verkehr existieren heute in Lommiswil?

Nach Grenchen haben wir zusätzlich eine Busverbindung. Der Gemeinderat fordert seit Jahren eine Busverbindung zur Schule Bellach. Grundsätzlich sollte ein Schulweg mit öffentlichem Verkehr erschlossen sein. Vor nicht ganz zehn Jahren hiess es beim Kanton, wir müssten uns gedulden. Wenn der Bellacher Bahnhof verschoben sein wird, würden wir einen Bus nach Bellach bekommen. In den Legislaturzielen ist die Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr das wichtigste Thema. Der Kanton hat aber kein Geld in der Planung für eine Busanschliessung nach Bellach und Solothurn. Natürlich könnten wir das selber bestellen und finanzieren. Wir müssten drei Jahre vorfinanzieren, im Jahr würde der Bus 470 000 Franken kosten, minus die Einnahmen. Zum Vergleich: Ein Steuerpunkt bringt 30 000 Franken.

Was bedeutet eine Schliessung des Tunnels, aber eine Weiterführung der Linie bis Oberdorf?

Aus Sicht des Kantons müsste man im Zusammenhang mit einer Tunnelschliessung mit berücksichtigen, dass die Gondelbahn zusätzliche Frequenzen bringt. Ein weiteres Thema sind die verstopften Strassen in der Stadt, wenn der Individualverkehr in Lommiswil anwachsen würde. Bei einer Tunnelschliessung würden die Kosten der Linie unwesentlich tiefer. Die Pendler werden aber nicht mehr, ausser wir hätten den Halbstundentakt, der mit dem Argument, die Jurasüdfusslinie sei überlastet, nicht realisiert wurde.

Haben Sie politisch in der Gemeinde etwas unternommen oder haben Sie dies noch vor?

Der Gemeinderat hat sich dazu geäussert, dass er die Thaler Gemeinden unterstützen will. Das ist nachvollziehbar, wären sie doch ohne Bahn von der Umwelt abgeschnitten. Ansonsten sind wir im Moment in einer abwartenden Haltung.

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