Kebag

«Wir sind vernünftig bei der Abfalltrennung. Aber wir übertreiben es nicht»

Kebag-Direktor Markus Juchli

Kebag-Direktor Markus Juchli

Die drittgrösste Schweizer Kehrichtverbrennungsanlage der Schweiz verschlingt viel Geld im Unterhalt. Kebag-Direktor Markus Juchli erklärt, warum bis 2025 eine neue Anlage stehen soll.

Markus Juchli, wie konsequent trennen Sie daheim den Abfall?

Markus Juchli: Meine Frau schaut sehr genau darauf, dass wir den Abfall trennen.

Und wie sieht es bei der Bevölkerung in unserer Region aus?

Sie sind vernünftig und konsequent bei der Abfalltrennung. Anders sieht es im grenznahen Ausland aus. Dort versuchte man zum Beispiel mit verschiedenfarbigen Tonnen, Kunststoff oder weiteren Abfall zu trennen. Am Schluss waren diese Gruppen aber zu wenig rein, und man musste sie doch noch einmal trennen.

Aber «reinen» Abfall gibt es doch gar nicht?

Nein, deshalb ist eben das System in der Schweiz gut: Man sammelt separat, was sinnvoll ist, übertreibt es aber nicht damit. Wir trennen Glas, Aluminium, Papier und Karton, Metall, PET-Flaschen, Batterien und Elektroschrott. 95 Prozent des Glases werden vom restlichen Müll getrennt, bei Papier liegt die Quote bei über 90 Prozent. PET wird zu über 80 Prozent getrennt. Es funktioniert also.
Wäre es Ihnen nicht lieber, wenn noch mehr Abfall in die Kebag geliefert würde? Damit verdienen Sie schliesslich Geld.
Es ist nicht unser Auftrag, Geld zu verdienen, sondern den Abfall auf wirtschaftliche und umweltgerechte Art zu entsorgen. Natürlich ist die Wirtschaftlichkeit ein Faktor. Wir wollen unser Geschäft langfristig betreiben. Die Abfallentsorgung ist heute Marktkräften ausgesetzt. Anbieter schieben Müll in der Schweiz herum, damit dieser möglichst günstig verwertet werden kann. Da müssen auch wir konkurrenzfähig bleiben.

Was ist eigentlich «Ghüder»? Einfach Dreck oder doch ein wertvolles Gut?

Beim Abfall muss man unterscheiden zwischen privat und geschäftlich: Bei mir daheim ist Abfall etwas, das ich möglichst schnell loswerden will. Aber als Direktor der Kebag ist es viel mehr: Abfall wird zunehmend zum Wertstoff.

Sie wollen eine neue KVA bauen. Warum ist das nötig?

Alles hat mal ein Ende, auch die Lebensdauer einer KVA. Die Kebag ging 1976 in Betrieb. 2025, wenn die neue Anlage in Betrieb gehen soll, ist die alte 50-jährig. Wir sind heute an einem Punkt, an dem es nur mit Werterhalt, Sanieren und Flicken nicht mehr weitergeht. Wir haben ein Budget von 6 Millionen Franken für Unterhaltskosten. Dazu kommen weitere Massnahmen zur Werterhaltung. Allein in den letzten zehn Jahren haben wir 60 Millionen investiert, damit die Anlage im heutigen Rahmen betrieben werden kann und der Wert der Substanz erhalten bleibt. Damit müssen wir jetzt aufhören.
Sie wollen bis zum Neubau nicht mehr in die alte Anlage investieren?
Doch, aber wir werden die Investitionen zurückfahren. Damit gehen wir ein gewisses Risiko ein, dass halt mal etwas kaputt geht. Aber wir setzen jetzt auf den Neubau.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Nächstes Jahr wollen wir mit dem Vorprojekt anfangen. Bis 2017 haben wir die Kosten und die Technologie definiert. Im gleichen Jahr soll die Generalversammlung den Kredit sprechen. 2021 wollen wir mit dem Bau beginnen.

Wie viel wird der Neubau kosten, und wie wird er finanziert?

Aufgrund der Machbarkeitsstudie sind 400 bis 450 Millionen Franken für die Anlage vorgesehen. Dafür haben wir seit mehreren Jahren Rückstellungen gebildet. Den Rest werden wir fremd finanzieren. Das Aktienkapital sollte dafür nicht erhöht werden müssen.

Werden die Kehrichtsäcke teurer?

Nicht aufgrund des Neubaus. Aber wenn die Energiepreise weiterhin sinken, müssen wir das kompensieren und den Preis der Gebührensäcke 2016 anpassen. Statt 125 Franken pro Tonne würde der Preis dann bei 140 Franken pro Tonne liegen.

Der Platz im Emmenspitz ist beschränkt. Wo wird die neue Anlage gebaut?

Geplant ist derzeit, dass die neue KVA auf dem Kiesplatz neben der heutigen Anlage errichtet wird. Dort gibts es aber noch einen Konflikt mit dem Kiessammler in der Emme. Die Alpiq betreibt per Konzession einen Kiesfang im Fluss. Der Kies wird derzeit auf dem Platz eingelagert. Da müssen wir schauen, dass wir aneinander vorbeikommen. Die alte Anlage würde später zurückgebaut. Den freien Platz könnten wir weiternutzen, da im Zuge der Entwicklung neue Anlagen mit neuer Technologie dazukommen. Zum Beispiel eine Halle für verfeinerte Schlackenaufbereitung.

Soll die Kapazität erhöht werden?

Nein, die Kapazität wird nicht erhöht. Wir wollen auf der Jahreskapazität von 221 000 Tonnen bleiben. Neu gibt es nur noch drei statt vier Ofenlinien, die ein bisschen grösser werden. Die Wertstoffrückgewinnung wird weiter ausgebaut. Ziemlich sicher werden wir wohl auf den Trockenaustrag der Rückstände umsteigen. Das heisst, dass die heisse Schlacke nicht mehr nass gemacht wird. So können Metalle feiner und in grösserer Reinheit herausgesiebt werden.

Aufgezeichnet: Christof Ramser

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