Befragung
Wie steht es um den Wohlfühl-Faktor in Lommiswil?

Von langer Hand vorbereitet wollte der Gemeinderat der Lommiswiler Bevölkerung «sanft auf den Zahn fühlen». Womit könnte man die Dorfgemeinschaft verbessern, wo liegen ungenutzte Potenziale, wie könnte sich das Zusammenleben vertiefen?

Gundi Klemm
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Lommiswil von oben

Lommiswil von oben

youtube/daniro73

Um es gleich klar vorweg zu sagen: «üses Lommiswil» ist kein Problemort, in dem es erheblich rumort. Kindergarten, Primarschule, Kirche, Einkaufsmöglichkeit und Angebote an öffentlichem Verkehr (ÖV) sind vorhanden. Wenn man an der Schlussveranstaltung der Befragungswoche den Kurzfilm von Daniel Roesti auf sich wirken lässt, erkennt man den betörenden Reiz der Landschaft, in die das beschaulich wirkende Dorf eingebettet ist.

Was veranlasste also die Behörde, den Humankonzepte-Entwickler Simon Gerber und seine acht freiwillig Mitarbeitenden zu sich einzuladen? War es fehlender Austausch mit der Bevölkerung, war es vielleicht deren vermutete, sich abkapselnde Einfamilienhaus-Mentalität? Oder wollte man grundsätzlich nur gedanklich an einer Weiterentwicklung der Dorfgemeinschaft arbeiten und den «Wohlfühl-Faktor» herausfinden?

Befragung und Ergebnisse

Der Gemeinderat berief eine Projektgruppe, die einen Leitfaden zu Fragen und Themengruppen entwarf. Gerber und seine Mitarbeitenden führten darum mit unterschiedlichsten Personengruppen 22 Einzelgespräche, und sie organisierten zwei Diskussionsabende, an denen sich 45 Personen beteiligten.

Befragungsteam mit Sonnenblumen und steuernde örtliche Konzeptgruppe nach getaner Arbeit.

Befragungsteam mit Sonnenblumen und steuernde örtliche Konzeptgruppe nach getaner Arbeit.

Gundi Klemm

Die Ergebnisse dieser Befragung waren am Abschlussabend, der von über 40 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie vielen Kindern besucht wurde, in einem schlagwortartigen Stärke-Schwäche-Profil ergänzt mit visionären Aspekten an der Turnhallenwand abzulesen. «Der ÖV ist ein Katastrophe». «Die Steuern sind zu hoch», «Kein Mobilfunkempfang», «Wo sind Wohnungen zu tragbaren Mieten?», hiess es als Aufzählung von Nachteilen. Demgegenüber lautete die positive Feststellung: «Tolles Vereinsleben, prächtige Freizeitmöglichkeiten, wunderbare Lage und umgebende Natur», «Vielfältige soziale Kontakte». Unübersehbar als Vision haftete der Satz «Wir wollen unsere Eigenständigkeit erhalten» und «Auf grössere Bauvolumina verzichten».
In vier Zweiergruppen referierte das Befragungsteam unterhaltsam über die fünf behandelten Themenbereiche Dorfgemeinschaft, Jugendliche, Familien, Senioren und Ortspolitik.

Die Anliegen sind vielfältig

Allen gemeinsam war das Anliegen, dass Lommiswil eine Dorfmitte als anziehend gestalteten, generationenübergreifenden Treffpunkt brauche. Junge Leute, die sich ausserhalb der Vereinslandschaft bewegen, hätten gern eine Openair-Veranstaltung, einen Jugend-und Diskussionsraum und eine Online-Plattform.

Familien, für die das Dorf wegen seiner Lage, Ruhe und Sicherheit grundsätzlich attraktiv als Wohnort erscheint, sähen gern Fortschritte in der ausserschulischen Betreuung wie Mittagstisch und Tagesbetreuung. Die Schaffung von Lern- und Erlebnispfaden wäre auch nicht schlecht.

Die Bedürfnisse der Seniorenschaft sind davon abhängig, in welcher Phase des Lebensabends man sich befindet. Anfänglich ist in der Regel nur wenig Hilfe nötig. Doch auch Hochaltrige möchten gerne so lange wie möglich mit ambulanter Unterstützung zu Hause leben. Hürdenfreie, bezahlbare Alterswohnungen im Dorf und weiterhin viele Kontakte wären für diese Altersgruppe wichtig.

Beim Thema Ortspolitik gab es eine deutliche Gegnerschaft gegen eine Fusion. Bei der ebenso besprochenen Infrastruktur war der Wunsch nach mehr Läden, dem erwähnten Begegnungsplatz «mit Bachöffnung» und einer «Arbeitsgruppe, die alle Wünsche klärt» unüberhörbar. Damit spannte sich der Bogen zum erwünscht örtlichen, von der Gemeindeverwaltung geführten «Ressourcen-Pool», der die unterschiedlichsten Hilfen und Arbeitskräfte vermitteln könnte.

Gesprächsextrakt

Aus all diesen Anregungen hat das Befragungsteam mit der Projektgruppe 27 konkrete Vorschläge entwickelt, an deren Realisierung sich die Bevölkerung beteiligen soll. Nach den Herbstferien soll zu Nachfolgeprojekten eine Impulsveranstaltung stattfinden.

Gemeindepräsidentin Erika Pfeiffer zeigte sich sehr angetan von der in den Gesprächsextrakten erkennbaren Standortbestimmung sowie von der Mobilisierung der Bevölkerung. «Das verpflichtet uns.» Zumindest die älteren Anwesenden in der Turnhalle waren sich im Klaren darüber, was alles in Lommiswil längst vorhanden ist, und dass man Behörden und Verwaltung nicht mit übertriebenen Kommunikationsbegehren überlasten dürfe.