Jodlerfest
Wie schwingt man die Fahnen richtig - ein Selbstversuch

Eine Redaktorin dieser Zeitung bekam im Hinblick auf das Eidgenössische Jodlerfest in Derendingen eine Probelektion im Fahnenschwingen. Dabei zeigte sich, dass Kraft alleine beim Schwingen der Fahne nicht entscheidend ist.

Rahel Meier
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27 Jahre Übung zeigen sich bei diesem perfekten Wurf von Urs Bloch
13 Bilder
Kompliziert für Laien, ein Kinderspiel für den Profi
Auch auf dieser Höhe darf die Fahne den Boden nicht berühren
Fahnenschwingen
Für einen Moment eine perfekte Haltung von Hand und Fahne
Urs Bloch mit dem perfekten Bild der Fahne, bei Journalistin Rahel Meier gibts einige Verwicklungen
Wie geht das nun genau mit dem Drehen, ohne dass frau sich die Hand ausrenkt
Der erste scheue Versuch, die Fahne hochzuwerfen
Und nochmals volle Konzentration
Geht doch
Das Hochwerfen als solches ist gar nicht so schwierig
Das Fangen dann aber schon
Das Fangen dann aber schon (2)

27 Jahre Übung zeigen sich bei diesem perfekten Wurf von Urs Bloch

Hanspeter Bärtschi

Eine Fahne hoch zu werfen - das geht ja noch schnell mal. In welche Richtung sie fliegt, wo sie landet und wie sie wieder aufgefangen wird - das ist dann eine andere Sache. Ich habe es im Hinblick auf das Nordwestschweizerische Jodlerfest in Derendingen selbst ausprobiert. Und weiss jetzt: Kraft alleine nützt beim Fahnenschwingen nichts. Gefragt sind vor allem koordinatorische Fähigkeiten und Geschicklichkeit. Dazu kommt eine gewisse Grundkondition. Denn eine Darbietung dauert drei Minuten. In dieser Zeit wird die Fahne sowohl geschwungen, als auch geworfen.

Boden nicht berühren

Das Fahnentuch muss während des ganzen Vortrages immer schön offen präsentiert werden. Die Fahne soll regelmässig geschwungen werden und darf den Boden nicht berühren. Dabei gilt es, verschiedene Gruppen von Schwüngen und Würfen miteinander zu kombinieren. Alle Teile müssen zwingend rechts- und linkshändig ausgeführt werden. Die Fahnenschwinger stehen dazu in einem markierten Kreis, welcher aus dem Richtkreis (60 Zentimeter Durchmesser) und dem äusseren Richtkreis (150 cm) besteht.

An einem Wettkampf sind nur Schweizer Fahnen oder Kantonsfahnen zugelassen. Die Fahnen sind aus Seide oder Kunstseide gefertigt und 1,20 mal 1,20 Meter gross. Für die Fahnenstange bestehen keine Vorschriften. Als ideal wird eine Länge von 150 Zentimetern und ein Griffdurchmesser von 3 Zentimetern angesehen. Die Fahnenstange wiegt zwischen 500 und 700 Gramm, die Fahnenseide zirka 150 Gramm.

Schwingen nur in Tracht

Es sind fast ausschliesslich Männer, die sich in der Konkurrenz der Fahnenschwinger messen. Das liegt nicht daran, dass die Männer unter sich sein wollen, sondern an den Kleidervorschriften. Diese schreiben nämlich vor, dass in der Tracht geschwungen werden muss. Noch nicht allzu lange her wurden sie gelockert, sodass Frauen nun in Trachtenhosen mit Trachtenbluse mittun dürfen.

Die Probelektion erteilt Urs Bloch aus Biberist. Er schwingt seit 27 Jahren Fahnen, trainiert zwei Mal pro Woche und ist auch Kampfrichter und Obmann. Er erklärt geduldig und zeigt vor. Die Fahne wiegt erstaunlich wenig. Trotzdem erweist sich schon das ganz gewöhnliche Halten der Fahne für mich als eher schwierig. Während der Ristgriff (Handrücken zeigt nach oben, Daumen nach innen) prima funktioniert, macht der Kammgriff (Handinnenfläche ist zum Gesicht gedreht, Daumen zeigt nach aussen) Probleme.

Keine Verletzten

Die zweite, freie Hand sollte zudem immer elegant in der Hüfte eingestützt werden. Anfänger wie ich brauchen sie allerdings oft, um das verwickelte Tuch wieder zu entwirren. Immerhin wird während der Probelektion niemand verletzt. Allerdings setze ich mich einmal unverhofft auf den Allerwertesten.

Bis zum Ende der Lektion fliesst der Schweiss. Die Oberarme schmerzen von den ungewohnten Bewegungen. Nicht immer ist die Richtung ganz klar, in welche die Fahne sich bewegen soll. «Der Fahne einen kleinen Zwick geben und dann klappt das», meint Urs Bloch. Tönt logisch, ist aber nicht ganz so einfach. Vor allem nicht für jemanden, der Schwierigkeiten hat rechts und links zu unterscheiden. «Über den Kopf schwingen, fallen lassen und werfen», Urs Bloch gibt ein weiteres Kommando. Das geht besser: Für einen Fachmann sind Kopfwelle und der darauf folgende offene Überwurf knapp erkennbar.

Einzelvorträge und Duette

Die Eleganz lässt dabei allerdings noch sehr zu wünschen übrig. Konzentrierter Ausdruck, unmögliche Beinhaltung, viel zu viel Bewegung. Immer wieder der Griff auf den Boden, um die Fahne aufzuheben. Die Ausführung rechts und die Ausführung links sind alles andere als spiegelbildlich. Die Preisrichter hätten wohl bei jeder der insgesamt 34 Punkte, die an einem Wettkampf bewertet werden, Abzüge gemacht. Aber: Die Probelektion hat mir grossen Spass gemacht. Und: Einen Besuch in der Tennishalle in Derendingen kann ich nur empfehlen. Denn dort tragen die Fahnenschwinger am Freitagabend und am Samstag ihre Wettkämpfe aus. Neben Einzelvorträgen gibt es übrigens auch Duette.