Gerlafingen
Wie die Blues-Musik von Wale Liniger Lebensgefühl spiegelt

«Bluesprofessor» Wale Liniger versetzte das Publikum im Kulturkeller mit charakteristischen Gesangs- und Instrumentalstücken ins Staunen. Auf akustischen sowie elekrtischen Gitarren spielte Liniger meisterhaft.

Gundi Klemm
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Wale Liniger fühlt und lehrt den Blues.

Wale Liniger fühlt und lehrt den Blues.

GKU

Ganz gefällig bettete der wärmstes Berndeutsch sprechende Wale Liniger, der 1982 in die USA ausgewanderte Lehrer und jetzige Professor an der Columbia-Universität in South Carolina, seine Musikauswahl in ernsthafte bis launig-unterhaltsame Kommentare ein.

Er vermittelte seinem Publikum etwas von der melancholischen Grundstimmung, die diese zu Ende des 19. Jahrhunderts von schwarzen Wanderarbeitern entwickelte Musikform prägt. «Blues ist nicht laut, er ist ein innerer Aufschrei», denn es gebe hier nie ein Happy End. Er sei wie eine graue Masse ohne Gewicht und dennoch laste er schwer, definierte Liniger die Kunstform, die anfänglich in ihren Texten auf soziale Ungerechtigkeiten und Rassendiskriminierung aufmerksam machte. Heute schildert sie Gefühl, Bedingungen und Situationen im Leben, die in der Blues-typischen Harmonik und Melodik ihren Ausdruck finden.

«Ein Abend wie in News Orleans»

Liniger, der für seine Arbeit rund um den Blues 2006 mit dem Swiss Blues Award ausgezeichnet wurde, liebt das Geschichtenerzählen und kokettierte mit seinen ebenso älter werdenden Zuhörern über das Alter und allerlei beginnende gesundheitliche Einschränkungen, bei denen man sich eben mit Blues trösten könne.

«Richtig groovig spielen kann man erst mit 80.» Im Gepäck hatte er südstaatensprachliche Songs, die die mittlere und ältere Generation hierzulande musikalisch beeinflusst haben wie etwa das mit Mundharmonika begleitete «Corina» über «Use the Blues to make feel better» als Rezept zur Stimmungsaufhellung.

Liniger spielte meisterhaft

Sein Paradestück brachte Liniger als Zugabe, indem er mit der Mundharmonika und unglaublicher Atemleistung das Fahren einer Lokomotive nachahmte und dabei sogar Schweizer Volksmusik wie das von allen mitgesummte Guggisberglied streifte. Auf beiden Gitarren – dem akustischen Instrument aus Metall und der elektrisch verstärkten – spielte Liniger meisterhaft. «Es war ein Abend wie in New Orleans», freuten sich Zuhörende, die allesamt die rund zweistündige Darbietung genossen hatten.