Der jährlichen Pflicht gehorchend stellten sich die Musikvereine des Bezirksverbandes Solothurn-Lebern den beiden Experten Arno Müller und Matthias Leuthold. Den Vormittag des 91. Bezirksmusiktages dominierten die Expertisenkonzerte im Konzertsaal. Zu den Verbandsvereinen gesellten sich zwei Gastvereine. Die Musikgesellschaft Sarmenstorf liess ihr «Concerto d'Amore» bewerten. Und die Jugendmusik Solothurn (Leitung Patrick Kappeler) suchte für ihre beiden Wettstücke für das Schweizerische Jugendmusikfest in Zug ein fachliches Urteil.

Beeindruckender Tagesbeginn

Die Brass Band Solothurn unter der Direktion von Martin Bütikofer sorgte für einen beeindruckenden Tagesbeginn. Sie liess sich mit Denis Wrights Bearbeitung von Tschaikowskis «Ouvertüre Solennelle 1812» bewerten. Ebenfalls mit einem musikalischen Leckerbissen wartete die MG Lommiswil, eine weitere Brass Band, auf. Auf ihren Notenpulten lagen die Stimmen von Philip Harpers «Kingdom of Dragons». Damit konnten und wollten die gemeinsam als dritte Brass Band spielenden Rüttenen und Günsberg nicht konkurrieren. Allerdings erstaunt, was Claudia Flury aus dieser Kombination herausholte.

«The witch and the saint»

Interessant war der Vergleich zwischen den beiden Stadtmusiken. Hier gefiel Steven Reinekes «The witch and the saint» der Solothurner (Direktion Dimitri Vasylyev) um einiges besser als beim Kirchenkonzert. Die Grenchner (Direktion Rainer Ackermann) wählten mit «Puszta» von Jan van der Roost ebenfalls einen happigen Konzertvortrag. Einen gefälligen Auftritt zauberte auch die Musikgesellschaft Flumenthal auf die Bühne. Ihr Dirigent Bruno Trottmann beklagt zwar einen Mangel an Tubisten. Dafür verfügt er über einen hervorragenden Flötisten. Dessen Piccolo-Läufe wirkten auf Jacob de Haans «Ross Roy» wie Puderzucker auf Gebäck.

Mut wurde belohnt

Der von der Brass Band Solothurn musikalisch begleitete Festakt leitete das Nachmittagsprogramm ein. Nach der Übergabe der Bezirksstandarte vom letztjährigen Veranstalter Brass Band Lommiswil an die MG Langendorf marschierten die Veteranen durch die klatschenden Reihen ein. Ihre verdiente Ehrung erhielten sie durch Ueli Nussbaumer, den Präsidenten des Solothurner Blasmusikverbandes und Veteranenchef des Schweizerischen Blasmusikverbandes.

Was angesichts des Dauerregens noch beim Mittagessen kaum jemand erwartete, traf ein. Dennoch war der Entscheid die Parademusik auf der Strasse auszutragen etwas mutig. Der Mut wurde aber belohnt. Nicht nur die Parademusik, sondern auch der Gesamtchor konnten im Freien durchgeführt werden.

Abkehr vom Traditionellen

Die Parademusik wird traditionell vom durchführenden Verein eröffnet. Dabei unterstrich die Musikgesellschaft Langendorf ihre konsequente Abkehr vom Traditionellen und Festgefahrenen mit ihrer Musikwahl. Exakt ausgerichtete Formation und sauber gespielte Musik bereiten durchaus auch auf diese Art Freude. Im Gegensatz zum anderen Gastverein wagte sich die Jugendmusik Solothurn auch auf die Strasse. Dank Grösse und viel Perkussion verblassten ihre altersbedingten Defizite in Erfahrung und an Kondition etwas. Grösse mag helfen, ist aber keine Voraussetzung. Die Vorbeimärsche etwa der Musikgesellschaften Oberdorf oder Selzach zeigten es. Klar besser gegen die dämpfende Wirkung der Windungen in der Schulhausstrasse durchzusetzen vermochten sich die Brass Bands.

Feierlich und würdevoll

Dadurch vermochte Robert Browne Halls grossartiger Marsch «Death or Glory», den die Brass Band Solothurn wählte, das Publikum über die ganze Streckenlänge zu beeindrucken. Mit dem präzise gespielten Marsch «Triumph» von Hans Heusser schloss die MG Brass Band Lommiswil die Parade der zehn Vereine ab. Damit verabschiedete sich gleichzeitig auch Anton Helscher als Dirigent der Brass Band.

Mit dem Schlusswort des Präsidenten überreichte Ruedi Bögli das fiktive Zepter dem Festdirigenten Céderic Zahnd. Dieser führte mit «Crans Montana» sicher durch den ersten Gesamtchorvortrag. Mit «Weihung» schloss der 91. Musiktag Solothurn-Lebern so feierlich und würdevoll ab, wie sich das Präsident Ruedi Bögli gewünscht hatte.