Egerkingen
Wetten, dass die ehemalige Klinik Fridau zum Asylzentrum wird

Mangels Alternativen rückt die leerstehende, ehemalige Klinik in Egerkingen für den Kanton wieder in den Fokus.

Marco Zwahlen
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Noch steht die ehemalige psychiatrische Klinik Fridau leer.

Noch steht die ehemalige psychiatrische Klinik Fridau leer.

Oltner Tagblatt

Seit mehreren Monaten sucht der Kanton Asylunterkünfte – ohne Erfolg. Zwar meldeten sich Liegenschaftsbesitzer auf Inserate, doch von rund 60 Angeboten erwiesen sich viele Gebäude als zu klein oder als ungeeignet. Und dort, wo eine Liegenschaft in Frage kommt, wehren sich die Gemeindebehörden und die Bevölkerung mit Händen und Füssen.

Vehementer Widerstand in Gänsbrunnen

Anfang Jahr löste sich ein potenzielles Zentrum im Landgasthof Eisenhammer in Aedermannsdorf in Luft auf. In Gerlafingen hat die Bevölkerung im Sommer innert Kürze 5235 Unterschriften gegen ein Asylzentrum im «Gerlafingerhof» gesammelt. Diese werden nun dem Kanton übergeben. Und: Indem der Gemeinderat eine Planungszone über das Areal beschlossen hat, ist das Projekt blockiert und damit so gut wie gestorben. Auch in Gänsbrunnen ist der Widerstand vehement. Die Pläne für ein Asylzentrum im Gasthof St. Joseph wurden erst diesen Monat bekannt. Der Gemeinderat gibt dem Projekt keine Chance.

Die Ausgangslage wiederum ist die gleiche wie vor Jahresfrist. Der Kanton muss und will aufgrund der Zuweisungen des Bundes bis im Winter mit 120 zusätzlichen Asylplätzen das bestehende Mengengerüst auf ein Minimum von 330 Plätzen aufstocken. Mittlerweile braucht der Kanton gar noch mehr neue Plätze, denn ab nächsten Juni fehlen wieder welche, da der Kanton die Zivilschutzanlage beim Bürgerspital Solothurn nicht mehr als Asylunterkunft nutzen darf. Die Stadt hat den Vertrag gekündigt.

Was macht der Kanton nun? Es würde nicht überraschen, wenn die ehemalige Klinik Fridau in Egerkingen wieder in den Fokus rücken würde. Ja, man muss es dem Kanton sogar vorwerfen, wenn dem nicht so ist. Das Gebäude gehört ihm, steht leer, bietet genug Platz und hat die nötige Infrastruktur. Bereits letzten Dezember stand die Fridau als mögliche Asylunterkunft zur Diskussion, damals jedoch als eine vom Bund geführte Erstanlaufstelle.

Kein Käufer gefunden

Der Bund kam dann aber zum Schluss, dass sich die ehemalige Klinik doch nicht für diesen Zweck eigne (wir berichteten) Aber: Sowohl Marcel Chatelain, Chef Amt für soziale Sicherheit, wie Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli schlossen letzten Januar unter bestimmten Umständen nicht gänzlich aus, dass der Kanton die Nutzung der Klinik als kantonales Durchgangszentrum wieder ins Auge fasse. Einer dieser Umstände ist, dass der Kanton die Klinik nicht unmittelbar verkaufen kann. Und bis jetzt konnte trotz Bemühungen kein Käufer gefunden werden.

Die Fridau als Asylzentrum – auch hier ist Widerstand vorprogrammiert. Es ist aber davon auszugehen, dass der Kanton zu Zwangsmassnahmen greifen wird. Es bleibt ihm ja keine andere Wahl. Ausserdem nimmt Egerkingen nach eigenen Angaben mangels geeignetem Wohnraum keine Asylsuchenden auf, sondern platziert diese gegen Bezahlung in Welschenrohr.

Mit dem Szenario konfrontiert, sagt Asyldirektor Peter Gomm lediglich: «Zu Spekulationen äussere ich mich nicht.» Bis auf Weiteres ...

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