Es ist wie zu Hause beim Backen von Weihnachtsguetzli. Alles ist einfach zigfach grösser. Direkt vom Tankwagen wird das Mehl ins Silo gepumpt. Nach genauer Rezeptur mischen die «Teigmacher« die Zutaten und beladen die mit überdimensionierten Rührwerken ausgerüsteten Teigmaschinen. In Chargen von 200 bis 350 Kilogramm wird der Rohstoff verarbeitet und via Förderband der Walzstrasse zugeführt.

Dort wird der Teig von ursprünglich einer Dicke von einem Zentimeter auf zwei Millimeter gewalzt. Vollautomatisch werden die verschiedenen Formen ausgestochen, bevor sie in der 34 Meter langen Backstrasse während fünf Minuten bei rund 240 Grad gebacken werden. In mehreren, vollautomatisierten Arbeitsschritten, wird je nach Biscuitsorte flüssige Schokolade oder andere Zutaten zugeführt. Entweder mittels Roboter oder von Hand verpackt, ist die Ware bereit für den Abtransport.

4500 Tonnen pro Jahr

Wir befinden uns in der Produktion der Wernli AG in Trimbach. «Insgesamt produzieren wir jährlich 4500 Tonnen Fertigware. Das sind täglich rund 2,5 Millionen Biscuits oder etwa 650 Millionen Stück pro Jahr», erklärt Marianne Wüthrich Gross auf dem Rundgang. Sie ist seit 2008 Geschäftsleiterin der traditionsreichen Solothurner Biscuitherstellerin, welche im selben Jahr von der Innerschweizer Backwarengruppe Hug übernommen wurde (siehe Kasten). Die an der ETH ausgebildete 46-jährige Lebensmittelingenieurin ist im Element. Sie erklärt die komplizierten Herstellprozesse anschaulich und gleichwohl präzise und fundiert.

Nach jahrzehntealten Rezepturen

Seit 107 Jahren wird an der Baslerstrasse 139 in Trimbach gebacken. «Wir arbeiten teilweise immer noch auf Basis jahrzehntealter Rezepturen», erklärt Wüthrich. Als Beispiel nennt sie die Jura-Waffeln oder weitere Wernli-Klassiker wie Chocoly oder Choco Petit Beurre. Die Kombination von Biscuit und Schokolade sei heute das meistverkaufte Biscuit der Schweiz und Wernli sei hier die wichtigste Marke.

Doch ohne Produkteneuheiten geht es nicht, deshalb lanciert die Fabrik immer wieder neue Kreationen. «Denn der Schweizer Biscuit-Markt ist tendenziell eher rückläufig und dementsprechend steigt der Konkurrenzdruck», weiss Wüthrich. So sei der Gesamtmarkt im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent geschrumpft. Wernli sei es aber gelungen, den Absatz zu halten. «Wir haben also in der Schweiz Marktanteile gewonnen.» Grösste Kunden sind die Grossverteiler sowie Denner, Volg oder Prodega-Grossmärkte.

Von Europa nach Asien

Ebenfalls kein Honigschlecken sind die Anstrengungen, die Marke Wernli im Ausland zu vermarkten. Der Exportanteil der Trimbacher liegt bei rund 20 Prozent. Der Wechselkurs erschwere das Auslandgeschäft. «Die starke Aufwertung des Frankens führt dazu, dass wir ohne Selbstverschulden 20 Prozent an Wertschöpfung einbüssen. Deshalb sind wir gefordert, die Effizienz stetig zu steigern.» Nicht zuletzt wegen der Wechselkursnachteile habe Wernli kürzlich einen grossen Fremdauftrag von Aldi zur Belieferung der Aldi-Märkte in Belgien und in Frankreich verloren.

Kein Wunder sucht Wernli neben dem umkämpften Europa neue Absatzmärkte, etwa im Mittleren und Fernen Osten. In China habe Wernli beispielsweise vor drei Jahren Fuss gefasst, sagt Wüthrich. Der Start sei vielversprechend ausgefallen, auch wenn in China die Tradition für süsse Backwaren fehle. «Der westliche Lifestyle gilt als chic, deshalb ist das Label Made in Switzerland enorm wichtig.» Der Anteil des in der Schweiz verarbeiteten Rohmaterials betrage 83 Prozent.

Eine Million für neuen «Backofen»

Die Marke «Wernli» sei sehr wertvoll. Deshalb sei sie nach der Übernahme durch die Hug-Gruppe neu positioniert worden. «Wir haben das Sortiment bereinigt, die regionalen Wurzeln der Marke gestärkt und die Effizienz gesteigert. Nun können wir die Marktanteile halten oder gar steigern», erläutert Marianne Wüthrich. Der Standort Trimbach sei nicht gefährdet. «Im vergangenen Jahr haben wir über eine Million Franken in einen neuen gasbeheizten Gitterbandofen investiert», sagt sie stolz. Deshalb blicke man nach schwierigen Jahren wieder optimistischer in die Zukunft.

Personalbestand auf 160 reduziert

Das wird auch die Mitarbeitenden freuen. Mit der Übernahme durch Hug wurde der Personalbestand nämlich sukzessive von rund 200 auf aktuell 160 Angestellte reduziert. Es sei primär im Verkauf und im administrativen Bereich zu Überschneidungen gekommen, blickt Wüthrich zurück. Ganz ohne Stellenabbau ging es aber auch dieses Jahr nicht. So kündigte die Mutterfirma Hug anlässlich der Jahresmedienkonferenz im Januar weitere Rationalisierungs-Investitionen an, was in Trimbach inzwischen zum Abbau von drei bis vier Arbeitsplätzen geführt hat.