«Mühledorf ist nicht sehr gross, der Kreis von möglichen Schuldigen noch kleiner», sinniert Hermann Sahli. Der langjährige Chef des Solothurner Hotels Ambassador und des «Wirthen»-Zunfthauses redet vom Fischsterben im Mülibach zwischen Mühledorf und Lohn-Ammannsegg vom 15. Mai (az Solothurner Zeitung berichtete). Seit 15 Jahren ist Sahli Obmann der Gruppe, die den Mülibach vom Kanton gepachtet hat.

«Es wurden tote Fische bis zur Lättmühle in Mühledorf gefunden», heisst es im Bericht des kantonalen Amtes für Wald, Jagd und Fischerei. Deshalb dürfte der Schadenverursacher im Dorfbereich Mühledorf angesiedelt sein. «Mehr kann man dazu im Moment aber nicht sagen, da das Gewässersystem in Mühledorf relativ komplex ist mit zahlreichen eingedolten Bachabschnitten», heisst es in der E-Mail von Stefan Gerber, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim kantonalen Amt für Wald, Jagd und Fischerei, die er am Auffahrtstag auch Sahli zukommen liess.

Grosses Fischsterben im Mülibach in Biberist

Fischsterben im Mülibach

Sicher keine Gülle

Ausgeschlossen sei bisher einzig eine Verschmutzung mit Gülle, ergänzt Sahli. Gülle hätte geringere Folgen gehabt, als die unaufgeklärt gebliebene Fischvergiftung vom Juni 2011 und ganz besonders als die jetzige. «Diese Taten grenzen an Mutwilligkeit oder sie wurden grobfahrlässig begangen», ist Sahli überzeugt. «Wer das Gift ins Wasser gekippt hat, musste wissen, dass es den ganzen Bach ‹reinigt›. Das ist ein Fall für den Psychiater.» Neider der Fischer schliesst der 75-jährige Sahli aus: «Wir haben ein ideales und schönes Verhältnis mit der Bevölkerung.»

In seiner Zeit als Obmann erinnert sich Sahli an eine dritte Fischvergiftung im Mülibach. Damals habe sich ein Bauer jedoch von sich ausgemeldet und sich für den Unfall mit Gülle entschuldigt, es tue ihm leid. Die Verschmutzung habe nur einen Abschnitt von etwa zweihundert Metern betroffen. «Mit der Entschuldigung war für uns die Sache erledigt», blickt Sahli zurück.

Alles Leben wurde vernichtet

Diesmal sei jedoch alles Leben im Mülibach vernichtet worden, also auch alle Bachforellen, Groppen und Krebse. Zu den von den Behörden geschätzten 1000 vergifteten fangreifen Forellen seien auch die 5000 Brütlinge zu zählen, die der Kanton letztes Jahr als Folge der damaligen Gewässerverschmutzung ausgesetzt habe. Normalerweise müssten im Mülibach keine Forellen ausgesetzt werden. «Die Einwanderung von der Emme und die natürliche Verjüngung reichen aus.» Die vergifteten dreijährigen Forellen hätten heuer zum ersten Mal gelaicht.

«Als mich die kantonale Fischereiaufsicht über das Fischsterben informierte, fuhr ich an eine Stelle, wo ich tote Fische vermutete. Der Eindruck war so verheerend, dass ich nicht mehr weiterschauen mochte.» Es gehe ihm und seinen drei Pachtkollegen Urs Lüthi (Balm bei Günsberg), Martin Schneider (Solothurn) und Marco Lisibach (Kiesen) nicht um den materiellen Schaden. «Für uns steht die Natur im Vordergrund, die vergifteten Forellen, Groppen, Krebse und die anderen Wassertiere.» Das bestätigt Urs Lüthi: Mit «Trauer und Riesenwut», beschreibt er seine derzeitigen Gefühle. Er hoffe, dass die Täterschaft diesmal rasch ermittelt werden könne. Lüthi: «Damit wird zwar kein Fisch wieder lebendig, aber die Sauerei hätte ein Ende.»

Natur und etwas Jagdinstinkt

Die Pacht koste jährlich 580 Franken. Der Mülibach werfe normalerweise einen Ertrag von ungefähr 150 Forellen pro Jahr ab. «Wir haben uns freiwillig eine Mindestfanggrösse von 25 Zentimetern auferlegt», informiert Sahli. Vorgeschrieben seien 23 Zentimeter. Mindestens einmal im Jahr würden sie den Mülibach entrümpeln. «Wir nehmen alles raus, was die lieben Mitmenschen reinwerfen.» Das seien hauptsächlich Picknick-Reste wie Plastikbesteck, Dosen und Flaschen. Zu ihren Aufgaben gehöre auch das Ausreisen von Neophyten. Sahli nennt den Japanischen Knöterich und das Springkraut.

«Keiner von uns fischt nur wegen der Forellen. Das Fischen bedeutet für uns Ruhe und Aufenthalt in der Natur. Verbunden mit etwas Jagdinstinkt», räumt Sahli ein. Er esse zwar Fisch, aber keinen selber gefangenen. Er bringe es schon kaum fertig, einen Fisch zu töten, sagt der Pachtobmann. «Ich weiss, ich bin ein Weichei, aber nicht das Einzige in unserem Quartett.»

Aus Sicht der Kantonspolizei gebe es derzeit keine neuen Erkenntnisse, sagte gestern auf Anfrage Polizeisprecher Andreas Mock.