Bellach
Wenn Träume Wirklichkeit werden: Mit 50 Jahre altem Traktor nach Island fahren

Der Bellacher Reiner Huttasch plant, mit einem 50 Jahre alten Traktor rund 10000 Kilometer bis nach Island zurückzulegen. Für die Reise hat er einen Baustellenwagen umgebaut, der nun mit einer Küche, Toilette und Strom ausgestattet ist.

Philipp Eng
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Reiner Huttaschs Traktor und sein Anhänger, welche sein Gefährt und Haus sein werden auf der Reise ZVG

Reiner Huttaschs Traktor und sein Anhänger, welche sein Gefährt und Haus sein werden auf der Reise ZVG

Reiner Huttasch (64) ist ein Mann, der an einem Traum festhält bis zu dessen Realisierung. In den letzten Jahren seines Engagements im Stadttheater Solothurn kam dem reisefreudigen Bellacher die Idee, eine ganz spezielle Unternehmung zu planen.

Er begann, sich auszumalen, wie es wohl wäre, mit einem umgebauten Traktor der Marke Bührer Model MS 12 aus dem Jahre 1961 nach Island zu fahren.

Wie kam es zu dieser doch ziemlich unkonventionellen Reisevariante?

Reiner Huttasch: Durch meine langjährige Tätigkeit in der Baumaschinenbranche und meine grosse Liebe für Traktoren war es für mich selbstverständlich, wie ich diese Reise bestreiten würde. Ich habe dann eines Tages in Grenchen einen alten Baustellenwagen gefunden, ihn erworben und umgebaut. Nun ist er mit Küche, Toilette und Strom ausgestattet und wird von meiner Lieblingsmaschine, dem Traktor, gezogen.

Wieso nach Island?

Der hohe Norden hat mich schon immer fasziniert mit seiner wilden und rauen Natur. Ich verbringe die Sommerferien lieber im dicken Pullover, als in den Badehosen in Spanien am Strand zu liegen. Was mich am Norden reizt, sind endlos weite Landschaften und menschenleere Gegenden, wie es sie hier in der Schweiz kaum gibt.

Wie wird die Fahrt verlaufen? Das wird doch eine unglaublich lange und beschwerliche Reise.

Ich starte meine fünfmonatige Reise Anfang Mai. Sie wird rund 9000 Kilometer umfassen und mehr als 500 Fahrstunden in Anspruch nehmen. Ich habe stets mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Kilometern in der Stunde gerechnet, was auf einen Tag heruntergebrochen täglich nur drei bis vier Stunden Fahrt bedeutet. Dies ist durchaus machbar. Da ich mich sehr für historische Bauten und Städte interessiere, gibt es somit genügend Zeit, diese zu besichtigen. Dies ist genau der Grund dafür, dass ich mit einem Traktor zu reisen gedenke: Man ist gezwungen langsam zu fahren, verpflichtet, von der Autobahn fernzubleiben, und es bleibt genügend Zeit, die Landschaft zu geniessen. Mit dem Auto ist immer die Versuchung da, ein paar hundert Kilometer auf der Autobahn hinter sich zu bringen. Auf dem Traktor habe ich hingegen das Gefühl, auf einem hohen Pferd zu sitzen, den freien Überblick zu haben und mir die Welt anzuschauen. Die Reise soll langsam verlaufen. Der Weg ist mein Ziel und nicht eines der Länder.

Was meint Ihre Familie dazu?

Sie hat überhaupt nichts dagegen. Im Gegenteil, sie fragt mich inzwischen dauernd, wann ich dann endlich losgehe. Durch meine Pensionierung und die Spielpause im Stadttheater während des Sommers bleibt mir genügend Zeit, diese Reise anzutreten.

Wieso reisen Sie alleine?

Ich liebe es, alleine zu reisen und viele Menschen unterwegs kennen zu lernen. Dies ist eine einmalige Erfahrung und man lernt nie so viele Leute kennen, wie wenn man mit einem Traktor herumreist. Ob es mir in dieser Zeit langweilig wird, weiss ich noch nicht, aber ich werde es herausfinden. Ich bin vollkommen fokussiert auf diese Reise. Ich kann kaum warten, bis es nun nach fast zwölf Jahren Vorbereitung endlich losgeht.

Wie läuft die Reise im Detail ab?

Durch meinen umgebauten Anhänger bin ich nicht auf ein Hotel angewiesen und kochen kann ich auch selber. Der über 50 Jahre alte Traktor wurde komplett restauriert und es sollten keine grösseren Probleme auftreten. Ansonsten habe ich beim gesamten Zusammenbau zugesehen und könnte einen Teil der möglicherweise anfallenden Reparaturen selber vornehmen. Ich reise durch Deutschland bis nach Dänemark. Vom Festland setze ich dann mit der Fähre nach Island über. Auf der Ringstrasse umrunde ich die Insel und fahre denselben Weg zurück, mit einem mehrwöchigen Abstecher nach England und Schottland. Mit der Fähre überquere ich den Kanal und kehre via Belgien und Frankreich nach Bellach zurück.