Zuchwil

Wenn Schüler erfolgreich über sich selbst wachen

Die Schule Unterfeld in Zuchwil erhält den Jan Amos Comenius-Preis für innovative Projekte, genauer gesagt für ihre Schulhausregeln und das Projekt Pausenmithilfe.

Wie Schiedsrichter stehen sie am Rand des roten Platzes und beobachten das Fussballspiel: Die beiden Unterfeld-Schulkinder in den gelben Leuchtwesten sorgen für Fairness während der grossen Pause. Sie beobachten, schlichten Streit und mahnen Kinder, die Regeln des Zuchwiler Primarschulhauses zu respektieren. Keinen Müll auf den Boden zu werfen etwa, oder friedlich miteinander zu sein.

Die Pausenmithilfe läuft im Schulhaus Unterfeld seit über zehn Jahren. Schulleiter Stefan Hug und Stellvertreterin Rita Marti haben das Projekt Schulhausregeln 1999 entwickelt: als Diplomarbeit, im Rahmen ihrer gemeinsamen Schulleiterausbildung. Die Idee, auf der auch die Pausenmithilfe basiert, ist somit 14 Jahre alt.

10‘000 Franken für Innovation

Am Mittwoch hat die Schule Unterfeld nun den Jan Amos Comenius-Preis für innovative Projekte erhalten, der alljährlich von der Pädagogischen Hochschule FHNW verliehen wird. Er ist mit 10‘000 Franken dotiert. «Der Preis wird nicht uns, sondern dem Schulhaus verliehen», betont Hug. Das Preisgeld werde in die Entwicklung von «Lebenskompetenz verankern» investiert, ein Projekt der FHNW, bei dem mehrere Schulhäuser, auch das Unterfeld, mitmachen.

In Zweierteams auf Patrouille

Im Schulhaus Unterfeld stehen vier Stimmungsbarometer, die von den Pausenhelfern immer wieder neu eingestellt werden. Sie zeigen an, wie gut es um die Einhaltung der vier Grundregeln bestellt ist: «Respektieren und die anderen tolerieren; friedlich sein - erpressen vergessen; fremde Sachen in Ruhe lassen; Müll in den Eimer.»
Jeweils zwei Tandems, bestehend aus entweder einem Dritt- und einem Sechstklässler oder einem Viert- und einem Fünftklässler, patrouillieren auf den beiden Pausenplätzen des Schulhausareals. Jeder kommt mal an die Reihe. Nach der Pause folgt eine Besprechung mit den erwachsenen Pausenaufsichten, den Lehrern.

Kinder können Verwarnung beantragen

Bei der Pausenmithilfe gehe es um Verantwortung, erklärt Rahel von der Klasse 5e. «Wenn etwas passiert, müssen die Lehrer nicht ‹umeseckle›», sagt sie. Ihre Botschaft ist klar: Die Schüler haben das im Griff. Die Funktion der erwachsenen Pausenaufseher ist aber trotzdem eine wichtige. Ihnen können die Pausenhelfer beantragen, uneinsichtige Kinder zu verwarnen. In diesem Fall, so Stefan Hug, komme es um elf Uhr zu einer «kleinen Gerichtsverhandlung», in der die Beschuldigten ihre Sicht der Dinge darlegen können. Dann sei es an der Lehrperson, dem Kind eine Verwarnung auszusprechen. Nach drei solchen gibt es eine Strafe.

Keine Schule ohne Konflikte

Die Pausenmithilfe sei kein Selbstläufer, hält Stefan Hug fest. Wichtig sei das Konzept als Ganzes, die gesamten Schulhausregeln. «Die Pausenmithilfe ist nur ein Mosaikteilchen, wenn auch ein ziemlich wirksames und augenfälliges.»
Hug zieht eine überaus positive Bilanz: «Man fühlt, dass die Stimmung besser ist. Das Projekt hat konkrete Auswirkungen, das zeigen auch Umfragen.» Dennoch räumt er ein: «Es wäre blauäugig anzunehmen, dass es eine Schule ohne Konflikte geben kann.»

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