Urs Müller
«Wenn ich nicht Bauer geworden wäre, wäre aus mir wohl nichts geworden»

16 Jahre lang stand der CVP-Mann Urs Müller an der Spitze der Wasserämter Gemeinde Aeschi. Nun ist der Landwirt von seinem Amt zurückgetreten. Er ist stolz auf den Schuldenabbau und die damit mögliche Senkung des Steuerfusses.

Rahel Meier
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Nach dem Gemeindepräsidium wird sich Urs Müller in einem Jahr auch als Landwirt zurückziehen.

Nach dem Gemeindepräsidium wird sich Urs Müller in einem Jahr auch als Landwirt zurückziehen.

Hanspeter Bärtschi

Wer kennt den Ausdruck «bauernschlau» nicht? Er könnte erfunden worden sein, um Urs Müller zu beschreiben. Erst gerade wurde an der HESO ein Film des Solothurnischen Bauernverbands publiziert. Er heisst «So bure mir – so läbe mir» und gibt Einblick in die Arbeit und das Leben auf sieben Solothurner Bauernbetrieben. In diesem Film erklärt Urs Müller, dass ihm das blosse Hin- und Herfahren mit dem Traktor nicht so sehr gefiel, und er sich unter Viehhändlern nicht allzu wohlfühlte.

Schon bald habe er neben seiner Arbeit als Landwirt diverse andere Aufgaben übernommen. Von der Baukommission bis zur Schulkommission war da alles dabei. «Wenn ich nicht Bauer geworden wäre, wäre aus mir wohl nichts geworden», sagt Müller mit einem Augenzwinkern im Film. Und fügt an: «Ich bin im Verlauf der Jahre gut geworden in Sachen, die ich eigentlich gar nicht konnte.»

Zeichen der Zeit erkannt

Urs Müller hat die Zeichen der Zeit immer schnell erkannt. Schon bald war ihm klar, dass der 16 Hektaren grosse Landwirtschaftsbetrieb nicht reicht, um die Familie zu ernähren. Ferien auf dem Bauernhof und Partyservice wurden zu einem fixen weiteren Standbein, bevor Ehefrau Monika in der Klinik Wysshölzli in Herzogenbuchsee eine Anstellung als Köchin fand.

Auch als Gemeindepräsident spielte Urs Müller seine Stärken aus. Er ging Konfrontationen nie aus dem Weg und suchte immer wieder das Gespräch «von Mann zu Mann». So konnten viele Problemchen gelöst werden, bevor sie zu Problemen wurden.

Urs Müller ist stolz darauf, dass in den letzten 16 Jahren die Schulden in Aeschi von 5,5 auf 2 Mio. Franken abgebaut werden konnten. Gleichzeitig wurde der Anteil ans oz13 (Oberstufenzentrum) komplett abbezahlt und der Steuersatz von 135 auf 115 gesenkt. «Wir konnten davon profitieren, dass unsere Vorgänger Land gekauft haben, dass wir verkaufen konnten», gibt er zu.

Aeschi wuchs aber nicht nur, weil gebaut wurde. Aeschi wuchs vor allem dank Fusionen. So kam 1993 Burgäschi zu Aeschi. Zu dieser Zeit war Urs Müller Einwohnergemeinderat und Bürgergemeindepräsident. Am 1. Januar 2012 wurde dann mit der Exklave Steinhof fusioniert.

Harmonischer Gemeinderat

In 16 Jahren gab es im Aescher Gemeinderat vier Mal einen Entscheid, der mit 3 zu 2 Stimmen gefällt wurde. «Und das waren immer eher unwichtige Traktanden. Einmal ging es dabei beispielsweise um den Beitrag für das Frauenhaus Olten», so Müller. Lange Jahre sassen die gleichen Personen im Gemeinderat. «Es gab auch nie irgendwelche Animositäten zwischen Bürgern und Zugezogenen.» Vor fünf Jahren wurde eine hauptamtliche Gemeindeverwaltung eingerichtet. «Damit ist vieles einfacher geworden», so Müller.

Müller wirkt gemütlich und lässt sich selten aus der Ruhe bringen. Die komplizierten Verhältnisse in Aeschi, wenn es um Wasser, Abwasser, die Gemeinschaftsantenne oder die Versorgung mit Elektrizität geht, nimmt er als gegeben hin. Jeder Dorfteil hat nämlich einen eigenen Anbieter, was vor allem auch die Buchhaltung erschwert.

Noch komplizierter ist es, wenn Müller ein Inventar aufnehmen muss, in dem es um den Burgäschisee geht. Dieser ist nämlich als einziger See in der Schweiz in Privatbesitz. Waren es vor hundert Jahren noch fünf Besitzer, sind es heute infolge Erbteilung gegen 300 Personen die Anteile am See besitzen. «Die Grundbucheinträge füllen einen Bundesordner. Und kein Mensch beim Kanton kann mir sagen, mit was für einem Betrag ich in einem Erbschaftsfall den Anteil am See eintragen soll. Also habe ich ein eigenes System dafür entwickelt.»

So ging es Urs Müller immer wieder in seiner Amtszeit. Er sagt von sich selber: «Ich war immer einer, der etwas begonnen hat und erst später habe ich mich um Details gekümmert.»

Müller und die Handtaschen

Was bleibt einem nach so langer Zeit in Erinnerung? Urs Müller lacht und erzählt eine ganz spezielle Anekdote. Obwohl er selber nicht der Sportlichste ist, war Aeschi Pilotgemeinde in Sachen «schweiz.bewegt» und finanzierte zwei Jahre lang eine 15-Prozent-Stelle für eine Sportkoordinatorin. Mit dieser war Müller einmal unterwegs in Zuchwil. Beim Sportzentrum sollte er mit Walking-Stöcken laufen. «Da habe ich mich geweigert. Und weil neben mir nur Frauen anwesend waren, haben mir diese alle ihre Handtaschen angehängt und mich damit stehen lassen.» Geschmückt wie ein Christbaum, wie er es selber beschreibt, wartete er bei der Bushaltestelle, als ein Bus kam und ausgerechnet seine Tochter ausstieg, die sich natürlich fragte, was da genau passiert.

In einem Jahr will Müller auch als Landwirt in Pension gehen. Angst, dass es ihm langweilig wird, hat er nicht. Obwohl er zugibt, dass er in den letzten Jahren wenig Zeit für Hobbys hatte. Noch hat er das Verbandspräsidium der Oberstufe Wasseramt Ost inne. Und er bleibt vorderhand in der Finanzkommission der Gemeinde Aeschi.

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