Der Gemeinderat von Bellach hatte an einer seiner letzten Sitzungen über eine Exhumierung zu entscheiden. Diese wurde einstimmig gutgeheissen. Den Auftrag führte das lokale Bestattungsunternehmen aus. Die Leiche, das heisst der Sarg mit der Leiche, ist ausgegraben und der Verstorbene kremiert worden. In diesem Fall gehen die Urne und die Hinterbliebenen für immer ins Ausland, was auch der Grund für den Wunsch der Exhumierung war.

Der Gedanke an eine Exhumierung ruft Ekel und Faszination hervor. Der Ekel führt dazu, dass man sich nicht mit diesem Thema beschäftigen will. Oder wie es Bellachs Gemeindepräsident Anton Probst am Telefon sagt: «Das Thema brennt mich nicht unter den Nägeln.» Dabei wird heutzutage fast jeden Abend im Fernsehen eine Leiche exhumiert. Eigentlich widersinnig. Denn aktuell wird fast nur kremiert.

Urne ist praktischer

Die Anordnung der Staatsanwaltschaft sei eine der drei häufigsten Gründe für eine Exhumierung, erklärt Roland Meyer, Bestatter in der Firma Messer Begleitung und Bestattung. «Meistens sind aber ein Umzug der Hinterbliebenen oder eine Umbettung Ursache des Begehrens.» In letzterem Fall wird etwa das Grab eines Elternteiles aufgehoben und die Nachfahren wünschen, dass der Elternteil zusammengelegt wird mit dem später verstorbenen Elternteil.

«Exhumierungen sind selten», sagt Meyers Namensvetter Daniel, Bestatter beim Bestattungsinstitut Timon Wälchli in Gerlafingen. Bei allen, mit denen er beauftragt war, ging es um einen Umzug der Hinterbliebenen. «Bei Urnen weiss ich von 50, 60 Fällen, dass jemand diese mitnehmen wollte. Da stört sich niemand deswegen.» Oft bestehe dieses Bedürfnis bei der Aufhebung eines Grabfeldes. «In der Regel nehmen die Leute die Urne dann nach Hause, denn von Gesetzes wegen ist nicht vorgesehen, ein neues Grab anzulegen», so Daniel Meyer.

Friedhofspersonal erledigt Arbeit

Mit der Exhumierung wird ein Bestattungsunternehmen beauftragt. Der Grabstein, Umrandung und Pflanzen werden geräumt und der Sarg freigelegt. Diese Arbeit erledigt normalerweise das Friedhofpersonal, während der Bestatter mit den Hinterbliebenen das Prozedere koordiniert und begleitet. Je nach Zustand des Sarges werde weiterverfahren. «Meistens ist der ganze Sarg, vielleicht mit leichten Schäden, aufgefunden worden», berichtet Roland Meyer aus seiner Erfahrung. Er wisse inzwischen, was ihn bei einer Exhumierung erwartet.

Der Einsatz bei einem aussergewöhnlichen Todesfall sei schwieriger, sagt er, weil er den Zustand der Leiche, die vielleicht längere Zeit irgendwo lag, nicht abschätzen könne. «Bei einer Exhumierung im Vordergrund steht für mich aber, den Hinterbliebenen einen Dienst zu erweisen», sagt er. «Für sie bedeutet es einen Schritt vorwärts in ihrer
Trauerarbeit.»

Was ist die Totenruhe?

Die einzige Vorabklärung, die getroffen werden muss, ist die Einholung der Bewilligung. «Früher war noch der Kanton zuständig. Da musste ein Amtsvorsteher oder gar der Regierungsrat sein Okay geben.» Heute liege die Hoheit über den Friedhof meistens bei der Gemeinde, oder seltener bei der Kirchgemeinde.

Und die Totenruhe? «Was ist die Totenruhe?» fragt Daniel Meyer zurück. «Für mich gibt es diese nicht. Ich sage immer, wenn jemand vergessen ist, wenn niemand mehr an ihn denkt, ist er tot, dann ist die Ewigkeit vorhanden. Wenn noch jemand an die verstorbene Person denkt, ist diese ja noch präsent.» Daniel Meyer weist aber auch auf die Verwendung der Urne hin. Diese werde häufig transportiert. «Daran stört sich kein Mensch, dabei ist die Situation eine ähnliche.» Komme hinzu, dass 20 oder 25 Jahre oft nicht reichen, bis eine Person vollständig verwest ist. «Da würde sich bei den Grabaufhebungen jedes Mal die Frage einer Störung der sogenannten Totenruhe stellen.»

Grundlegendes Bedürfnis

Niemand wolle aus Spass eine Leiche exhumieren, sagt Daniel Meyer. Da stecke immer eine Geschichte dahinter. Diese sei massgebend. «Deshalb muss man ein solches Begehren auch immer individuell betrachten. Die Schwierigkeit für die hinterbliebene Person ist, dass sie etwas ändern muss, wozu der oder die Verstorbene seinerzeit Ja gesagt hatte.»

Der Bestatter versuche die beste Lösung zu finden und anzubieten. «Diese ist auch abhängig vom Gesetz, das in der ganzen Schweiz sehr unterschiedlich ist.» Und billig ist eine Exhumierung auch nicht. Beerdigungen werden in der Regel von der Gemeinde subventioniert. «Bei einer Exhumierung müssen alle Kosten von den Privaten übernommen werden», so Daniel Meyer.