Bürgergemeinde Solothurn
Wenn der «Bürgerwein» einigen sauer aufstösst

Auf der Traktandenliste der fünften Bürgerratssitzung 2012 unter Sergio Wyniger standen das Rebgut und der Finanzplan. Zum Auftakt präsentierte Peter Wagner als Präsident der Rebkommission die Situation des Rebgutes Erfreuliches.

Mark A. Herzig
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Aus «Hôpital-Soleure» – hier vor dem Truelhaus in Le Landeron – ist inzwischen die «Domaine de Soleure» geworden. Doch die Probleme mit der Vermarktung des «Bürgerweins» haben damit nicht abgenommen.

Aus «Hôpital-Soleure» – hier vor dem Truelhaus in Le Landeron – ist inzwischen die «Domaine de Soleure» geworden. Doch die Probleme mit der Vermarktung des «Bürgerweins» haben damit nicht abgenommen.

OM

«Wir haben mit unserem Wein ein gutes Produkt. Wieder durften wir eine goldene und eine silberne Auszeichnung entgegennehmen.» Allerdings folgten weniger positive Nachrichten auf dem Fuss; das gute Produkt sei schlecht positioniert und werde zumindest suboptimal vermarktet.

Neue Kunden gewinnen

In der anschliessenden Diskussion wurde offenbar, dass im Betrieb Rebgut eine eher gespannte Stimmung herrscht, was auf Kommunikationsmängel zurückzuführen ist. Diese wiederum stammen aus einer unsicheren Aufgaben- beziehungsweise Kompetenzverteilung. Der Bürgerrat erteilte der Rebkommission den Auftrag, bis zum Herbst Vorschläge für ein Organigramm zu unterbreiten, die diese missliche Situation beheben sollen. Mit neuen Abläufen und klarer Zuteilung der Aufgaben will man zum Beispiel die Kapazitäten freilegen, um neue Kunden zu gewinnen und den Betrieb innert nützlicher Frist wieder in die schwarzen Zahlen zu führen.
Finanzplan unter Dach und Fach
Sowohl Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger wie auch der referierende Finanzverwalter Claude Tschanz wiesen mit Nachdruck darauf hin, dass ein Finanzplan nicht mit einem Budget gleichzusetzen sei. Allerdings, betonte Tschanz, sei wie beim Budget auch im Finanzplan 2013/16 vorsichtig, fast im Sinne eines Worst-Case-Szenario, also des ungünstigsten anzunehmenden Falls, gerechnet worden. Es bestehe also einiges Verbesserungspotenzial. «Es geht darum zu umschreiben, was sich die Bürgergemeinde leisten kann oder allenfalls will.»

So ist zum Beispiel auch ein Posten «Aussensanierung Riedholzturm» mit 265 000 Franken im Finanzplan enthalten - doch weiss man nicht, ob die Sanierung überhaupt, und wenn ja, wann notwendig wird. Der Finanzplan, der aufsummiert über die nächsten vier Jahre 612 000 Franken an Nettoinvestitionen vorsieht, warf auch in der sehr kurzen Detailberatung keine Wellen und wurde vom Bürgerrat zuletzt einstimmig verabschiedet.

Drei Wochen früher als 2010 konnte am 21. September der Jahrgang 2011 im Rebgut der Bürgergemeinde geerntet werden. Mit dem Merlot war am 4. Oktober von den 18 Erntehelfern schon das letzte der 96 870 Kilo Trauben «am Schärme», wie dem Mitteilungsblatt der Bürgergemeinde zu entnehmen ist. Die Erntemenge war um 23 Prozent höher als im Vorjahr. «Die Zuckerwerte lagen weit über dem langjährigen Mittel, und qualitativ ist der Jahrgang als hervorragend einzustufen.

Besonders hervorzuheben ist der Pinot noir, der sich durch sehr homogenes, hochstehendes Traubengut auszeichnete», schreibt Produktionsleiter Christoph Kaser. Verschont blieb die Bielerseeregion und damit die Bürgergemeinde Solothurn letztes Jahr von Hagelschäden, doch wurden Klagen über Wespenschäden laut. Dem konnte sich von den unter dem Label Domaine de Soleure angebauten Rebsorten der Malbec nicht entziehen. Christoph Kaser: «Die Schäden waren enorm.» Die durch Wespen verursachten Essigbeeren mussten in mühsamer Handarbeit entfernt werden, sodass für die Ernte von nur 2300 kg Malbec zwei Tage benötigt wurden.