Die Grundstücke in Küttigkofen und Aetingen liegen bereit: Hier soll Wein angebaut werden, am Besten schon ab diesem März. Doch die Setzlinge sind noch nicht einmal bestellt. Die Mitglieder der im Herbst 2011 gegründeten Schiller-Weinbaugenossenschaft Bucheggberg warten. Sie warten auf den Kanton. Das Baugesuch für ihre drei geplanten Rebberge haben sie eingereicht, vor einem halben Jahr schon, wie Stefan Ryser sagt. Der Finanzplaner hat die Genossenschaft zusammen mit Arzt und Hobby-Weinbauer Ueli Abbühl, Kantonsrat und Weinkenner Manfred Küng, Wirtepaar Annemarie und Andreas Graber sowie Landwirt Walter Stuber gegründet.

Inzwischen haben 16 Leute einen Anteilschein, 17 weitere haben sich für eine Patenschaft entschieden. «Das Ziel wäre schon, auf etwa hundert Anteilscheine und wenn möglich tausend Patenschaften zu kommen», sagt Ryser. Doch bis zum ersten Wein dauert es ja noch eine Weile.

Sind die Weinreben einmal gesetzt, kann nach vier bis fünf Jahren mit dem ersten Ertrag gerechnet werden. Nach Anpflanzen (oder Spalieraufstellen) sieht es derzeit aber nicht aus. Die drei Grundstücke der Weinbaugenossen gehören grossmehrheitlich zur Landwirtschaftszone, ein Landstück liegt teilweise in der Wohnzone – dort gingen von Anwohnern zwei Einsprachen ein. Die eigentliche Hürde für das Projekt besteht jedoch nicht in dieser Wohnzone, sondern im Landwirtschaftsgebiet. «Weil wir keine Bauern sind, dürfen wir gewisse Dinge gar nicht machen», erklärt Stefan Ryser. «Eventuell brauchen wir einen Landwirt, der für uns die Rebberge betreut, um eine Genehmigung zu erhalten.» Es bestehe auch die Möglichkeit eines Pachtvertrags mit einem Bauern, aber wenn dieser dann plötzlich aus dem Weingeschäft aussteigen wolle, habe man ein Problem. Zu riskant, findet daher Ryser.

Kirschblütler als Präzedenzfall

Das sind freilich alles nur Mutmassungen, denn beschlossen hat der Kanton noch nichts. Das Bau- und Justizdepartement (BJD) wartet nämlich den Bundesgerichtsentscheid über ein anderes Baugesuch aus dem Bucheggberg ab: jenes der Genossenschaft Kirschblüte, die auf ihrem Acker in Lüsslingen-Nennigkofen fünf Folientunnel aufstellen will (wir berichteten).

Was haben die Gemüsetunnel der Kirschblütler mit den Spalieren der Weinbaugenossenschaft zu tun? In beiden Fällen geht es um bauliche Massnahmen, die grundsätzlich nur in der dafür vorgesehenen Bauzone realisiert werden dürfen. Ausserhalb der Bauzonen werden laut Christoph Schlaefli, Leiter Rechtsdienst des BJD, nur bauliche Tätigkeiten zugelassen, wenn sie mit Land- oder Forstwirtschaft zu tun haben oder Emissionen verursachen, die andere Standorte verunmöglichen.

«Direkt vergleichbar sind die beiden Fälle trotzdem nicht», relativiert Schlaefli. Bei den Weinbauern sei tatsächlich ausschlaggebend, dass sie keine Landwirte sind. Die Folientunnel der Kirschblütengemeinschaft dürfte wohl selbst ein Bauer nicht in der Landwirtschaftszone aufstellen. Das BJD erhofft sich vom Bundesgericht aber, dass es über den spezifischen Fall hinaus etwas über die Nutzung von Landwirtschaftsgebieten durch Nicht-Landwirte sagt. Dann könnte der Fall der Schiller-Weinbaugenossenschaft besser beurteilt werden.

Ein verlorenes Jahr

Den Bucheggberger Weinliebhabern wird damit das Leben nicht gerade leichter gemacht. «Wir müssten unsere Setzlinge allmählich bestellen und die Bepflanzung im März organisieren, aber wir haben keine Ahnung, wann wir vom Kanton Bescheid erhalten», sagt Stefan Ryser. Wenn die Weinbaugenossenschaft noch lange warten müsse, verliere sie ein ganzes Jahr, weil die Pflanzen erst wieder im nächsten Frühjahr gesetzt werden können.

Insgesamt 197 Aren Land (auf zwei Grundstücken in Küttigkofen und einem in Aetingen) warten auf ihren Wein. 130 Aren könnten nochmals dazukommen; das Projekt auf dem dritten Küttigkofer Grundstück ist aber vorläufig zurückgestellt, weil erst Bodenarbeiten verrichtet werden müssten, um die Bewirtschaftung zu ermöglichen, wie Ryser erklärt. «Aber das nehmen wir erst in Angriff, wenn wir wissen, ob wir überhaupt Wein anbauen dürfen oder nicht.»