Albanisch, Türkisch, Chinesisch, Spanisch, Italienisch. Auf den Votivtafeln an der Wand auf dem Weg in die Gnadenkapelle danken Gläubige in allen Sprachen Maria für ihre Hilfe. Sie zeugen davon, dass noch immer viele Menschen nach Mariastein kommen. Allerdings sind es nicht mehr katholische Gruppenwallfahrten aus der Schweiz und dem nahen Ausland, welche die meisten Besucherinnen und Besucher nach Mariastein bringen. Diese finden nur noch selten statt.

Wallfahrt im Wandel

Viel stärker haben die Individualbesucher und die Wallfahrten katholischer Migrantengemeinden zugenommen. Das macht die Betreuung der Besucher für die Benediktiner komplexer. Ein Beispiel dafür ist die Sprachenvielfalt, die auf dem Platz vor der Basilika herrscht. «Mittlerweile ist es so, dass Englisch eine Voraussetzung ist, wenn ein Mönch an der Pforte arbeitet», erklärt Abt Peter von Sury.

Die Migrantengruppen bringen zudem eigene Traditionen mit. Früher war es unüblich, in der Gnadenkapelle Blumen hinzustellen. Heute gehören die bunten Sträusse vor der Madonnenfigur einfach dazu.

Um das Leitbild der Wallfahrt an die neuen Ansprüche der Besucher anzupassen, hat die Klostergemeinschaft eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um die verschiedenen Besuchergruppen und ihre jeweilige Wallfahrtspraxis zu untersuchen. Das schweizerische pastoralsoziologische Institut führte in diesem Rahmen eine längere Feldstudie durch. Diese zeichnet ein buntes Bild der Wallfahrt in Mariastein: Zum einen zeigt die Studie einen Wandel der Generationen in der religiösen Landschaft der Schweiz.

Unter den Besucherinnen und Besuchern aus der Schweiz finden sich wenig junge Leute. Bei den jungen Besuchern zeigt sich ausserdem eine Tendenz zur Individualisierung. Sie kommen allein nach Mariastein, um ihrem persönlichen Glauben Ausdruck zu verleihen.

Die Katholiken mit Migrationshintergrund sind dagegen deutlich jünger. Sie kommen aus Ländern, wo die Kirche und die Religion in der Familie eine wichtige Rolle spielen. Ihre religiöse Identität ist eng mit dem Familienleben verknüpft.

Die Marienwallfahrt ist der ersten Migrantengeneration schon seit der Kindheit ein Begriff, und sie schafft in der Schweiz eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, dem Herkunftsland und der heutigen Heimat. Auch die zweite Migrantengeneration hält an der Tradition der Marienfahrt fest. Allerdings zeichnet sich auch hier eine Individualisierung ab.

Neben Katholiken pilgern auch Hindus, Muslime oder Aleviten nach Mariastein. Auch sie kennen Marienpilgerstätten aus ihren jeweiligen Heimatländern und finden darin eine Anknüpfungsmöglichkeit zwischen ihrem Herkunftsland und der Schweiz. Die Bedeutung von Maria variiert dabei zwischen den Religionen.

Kein Bedeutungsverlust

Laut der Studie können die katholischen Migrantenwallfahrten den Verlust der Besucher aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich mittelfristig ausgleichen.
Aber auch wenn ihre Zahl abnimmt, wird Mariastein, so die Studie, langfristig nicht an Bedeutung verlieren. Denn auch nicht-religiös orientierte Personen besuchen den Wallfahrtsort, um einen Ort der Stille zu finden. Dies deshalb, weil auch individualisierte Formen von Spiritualität oder Religiosität sich an bereits religiös besetzten Räumen orientieren.