Hochwasserschutz

Wegen Schadstoffen: Emme-Sanierung wird doppelt so teuer

Bereits bei der Sanierung des oberen Teils der Emme musste in diesem Sommer eine alte Kehrichtdeponie («Geissschachen» in Biberist) ausgehoben und entsorgt werden. (Archiv)

Aufwändige Arbeiten:

Bereits bei der Sanierung des oberen Teils der Emme musste in diesem Sommer eine alte Kehrichtdeponie («Geissschachen» in Biberist) ausgehoben und entsorgt werden. (Archiv)

Das Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt Emme vom Wehr Biberist bis in die Aare wird doppelt so teuer als angenommen, also rund 60 Millionen Franken teuer. Grund: Die ehemaligen Deponien in Biberist, Derendingen und Zuchwil werden beseitigt.

«Wir müssen drei Deponien entlang der Emme total sanieren; das haben die im Sommer und Herbst gemachten Bodenuntersuchungen ergeben», erklärt Roger Dürrenmatt, Projektleiter beim Amt für Umwelt (AfU).

Die geschätzten Gesamtkosten würden deshalb von 30 auf 60 Mio. Franken steigen.

«Bei einem Hochwasser könnten Teile der Deponien erodieren und in den Fluss gelangen.» Bereits jetzt gelangen Spuren von schädlichen Stoffen aus den drei ehemaligen Deponien in Biberist (Bioschlammdeponie Schachen), Derendingen (Kehrichtdeponie am Schwarzweg) und Zuchwil (Kehrichtdeponie Rüti) ins Fluss- und Grundwasser (siehe Kontext rechts).

Der alte Müll muss ausgehoben und entsorgt werden. Die Gruben werden danach als Überflutungsflächen für die Emme offen gelassen. Die übrigen Deponien entlang der unteren Emme enthalten nur Bauschutt und müssen nicht angetastet werden.

Zu wenig genaues Konzept

Im Hochwasserschutz- und Revitalisierungskonzept ging der Kanton bisher von Kosten von 30 Mio. Franken aus. Jetzt kommen neu die Auslagen für die Sanierung der drei Deponien hinzu, die auf 20 Mio. Franken geschätzt werden. Das AfU rechnet darüber hinaus mit weiteren zusätzlichen Kosten von 10 Mio. Franken: Bei den drei Deponien muss auch sauberes Erdmaterial abgetragen werden, damit die Überflutungsflächen mit emmetypischen Weichholz-Auen geschaffen werden können. «Auch müssen wir drei von sieben Brücken im unteren Emme-Lauf verschalen, damit nicht Schwemmholz an den Brücken hängen bleiben kann», erklärt Projektleiter Dürrenmatt. Zudem verweist er auf die weit grössere Kostengenauigkeit der Vorstudie gegenüber dem Konzept. Insgesamt rechnet das AfU jetzt mit Kosten von 60 Mio. Franken (Kostengenauigkeit +/- 25 Prozent). «Wir gehen davon aus, dass wir die Kosten im weiteren Projektverlauf senken können», sagt Dürrenmatt.

Das AfU rechnet damit, dass der Bund bis zu 60 Prozent der Gesamtkosten übernehmen wird. Dem Kanton verblieben rund 30 Prozent und den Gemeinden 10 Prozent, also rund 6 Mio. Franken. Dieser Betrag muss auf die betroffenen vier Gemeinden Luterbach, Zuchwil, Derendingen und Biberist aufgeteilt werden. «Dank höherer Bundesbeiträge werden die Gemeinden nicht mehr bezahlen müssen als bisher angenommen», betont Dürrenmatt.

Das Bauprojekt mit einer Kostengenauigkeit von +/- 10 Prozent wird 2015 vorliegen. Im selben Jahr soll auch die obligatorische Volksabstimmung durchgeführt werden. Bei einem Volks-Ja sind die Bauarbeiten für die Gerinneaufweitungen, die Schutzdämme sowie die Deponiesanierungen für die Jahre 2016 bis 2019 vorgesehen.

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