Heute kennen Kinder Krebse hauptsächlich noch vom Fernsehen her. So spielt Mister Krebs (engl. Mr Krabs) in der Serie «SpongeBob» eine grosse Rolle, während die Krebse der heimischen Gewässer für Kinder und Erwachsene meist unsichtbar bleiben. Kein Wunder, auch in den heimischen Bächen und Weihern sind sie selten geworden.

Noch bis in den Oktober hinein wird aber nun ein Dutzend Freiwilliger, mit Taschenlampen ausgerüstet, die Fliessgewässer im Smaragd-Gebiet Oberaargau absuchen. Im Fokus dieser nächtlichen Ausflüge steht der Dohlen-Krebs. Dabei werden auch Gewässer im Siedlungsgebiet abgeschritten. Die Freiwilligen dürfen gerne angesprochen werden und stehen für Auskünfte zur Verfügung. Eine zweite einheimische Krebsart, der Edelkrebs, lebt übrigens in erster Linie in Weihern. Um sie zu entdecken, werden als Fallen sogenannte «Reusen» ausgelegt, die auch unter dem Tag kontrolliert werden können.

Einheimische Krebse gefährdet

Die einheimischen Krebse sind leider auch im Smaragd-Gebiet stark gefährdet. In den oberaargauischen Gewässern von Rot, Murg, Langeten und Önz einerseits und von Lotzwil bis Bannwil andererseits kommen sie nur noch vereinzelt vor. Vorkommen gibt es auch in Wolfwil, Murgenthal, St. Urban und Altbüron, die ebenfalls zum Smaragd-Gebiet gehören. Bachverbauungen, Trockenphasen, Gülleunfälle und andere Verunreinigungen setzen ihnen zu. Die Krebsspezialisten bitten auch Privathaushalte, in Gewässernähe keine Pflanzenschutz- und Düngemittel zu verwenden sowie kein Schnittgut und dergleichen zu deponieren.

Den Krebsarten setzen nicht nur Verunreinigungen zu, sondern sie werden auch durch nichteinheimische Arten wie Signalkrebs und Kamberkrebs (beide aus Nordamerika) bedroht. Trotz allgemein negativen Vorzeichen gibt es Möglichkeiten, den einheimischen Krebsarten zu helfen. Voraussetzung dafür sind bessere Kenntnisse über deren Verbreitung. Die aktuelle Suchaktion bringt hier auch zur nächtlichen Stunde Licht ins Dunkel.

«Falsche» Krebse

In der Schweiz kommen ursprünglich drei Flusskrebsarten vor, der Edelkrebs (Astacus astacus), der Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium). In den letzten Dekaden ging das Wissen über die Krustentiere kontinuierlich zurück, denn die Tiere leben zurückgezogen unter Steinen und Wurzeln und sind vor allem in der Nacht aktiv.

Dabei waren die Flusskrebse früher durchaus beliebt, zum Beispiel als Fastenmahlzeit in Klöstern. Neben dem Verlust ihrer natürlichen Lebensräume sind auch die nichteinheimischen Krebsarten, die sich rasant in der Schweiz ausbreiten, ein Grund für ihr Verschwinden.

Amerikanische Arten sind Gefahr

Vor allem die aus Amerika stammenden Arten, der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus), der Kamberkrebs (Orcenectes limosus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (Procambarus clarkii), sind sehr konkurrenzstark und tragen zudem die Gefahr der «Krebspest» auf sich. Sie selbst können mit dieser Krankheit leben, die einheimischen Arten jedoch nicht.

Der Verein Smaragd-Gebiet nimmt gerne Hinweise auf Krebsbestände in Fliessgewässern und Weihern innerhalb des Smaragd-Gebiets entgegen. Auch Kenntnisse früherer Vorkommen sind von Interesse. Meldungen an das Smaragd-Sekretariat: kontakt@biodiversia.ch, 062 923 50 83. (mgt)