Jan Beckmann

«Weg von den Psychologen hin zum HipHop»

Für Jan Beckmann ist Rap mehr als nur ein Hobby

Für Jan Beckmann ist Rap mehr als nur ein Hobby

Jan Beckmann rappt mit Leidenschaft. Er verarbeitet in seinen Texten die bewegte Geschichte eines Jungen, der an ADHS erkrankt ist und insgesamt zehn Jahre in verschiedenen Internaten verbringt. Bald soll sein Tape über Solothurn erscheinen.

Breite Jeanshosen, Baseball-Cap und Felljacke. Jan Beckmann aus Biberist sieht man schon von weitem an: seine Leidenschaft ist der Hiphop und insbesondere der Rap. Schnell wird klar, er ist von dieser Art der Musik überzeugt und möchte sie auch anderen zugänglich machen. Er arbeitet zurzeit an einem neuen Mixtape, auf diesem möchte er in seinen Texten «die Liebe zur Stadt» zum Ausdruck bringen.

«Das Fundament der Solothurner Rapszene»

«Es ist schade, kennen nur wenige «Manilio» oder «Bensch», sie bilden das Fundament der Solothurner Rapszene.» Die Worte von JMBLIVE, wie sich Jan Beckmann als Rapper nennt, sind wohlüberlegt. «In Solothurn herrscht nicht einfach tote Hose, was die Musikszene betrifft», stellt er klar. Die Stadt habe «musikalisch vieles zu bieten», Paradebeispiel dafür sei die «Rockband Krokus» oder eben «Manillio» und «Bensch».» Auch er selbst, möchte der Rapszene zu einem grösseren Bekanntheitsgrad verhelfen. So hat er alleine in seinem Zimmer ein Mixtape mit dem Titel «Vo Härze» produziert. 

(Quelle: JMBlive)

«Erinnerig» - JMBLIVE

«Solothurn Rhymes»

Von Herzen ist auch seine Liebe zur Stadt Solothurn. Seit seiner Kindheit «fasziniere und verzaubere» ihn diese Stadt immer wieder aufs Neue. Darum will er Solothurn und seinen Bewohnern auch ein Mixtape widmen, welches den Titel «Solothurn Rhymes» tragen wird. Das Tape soll in seinen Augen ein Beitrag an die Rapszene in der Stadt Solothurn sein und für Zuhörer aller Alters- und Gesellschaftsschichten zugänglich sein. «Mitreissen» möchte er schliesslich mit seiner Musik und damit auch für die «lebendige» HipHop- und Rapszene in der Region sensibilisieren.

Ritalin oder Internat

Jan Beckmann wurde 1994 in Olten geboren. Aufgewachsen in Boningen ging er wie jedes andere Kind in den Kindergarten. Als dort Jan jedoch immer wieder «aus der Reihe« zu «tanzen» begann,  stellten die Ärzte fest, dass er am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom litt (kurz: ADHS). Man schlug der alleinerziehenden Mutter, als einzige Behandlungsmethode, ein Aufenthalt in einem Heim vor. Mehrere Schulen standen dabei zur Debatte, solche welche mit Ritalin arbeiteten und solche welche es ohne das Medikament versuchten. Ihre Ansicht war, dass Ritalin zwar eine Lösung sei, jedoch nicht die Beste. So entschied sie sich für die Steiner - Pädagogik, denn die Mutter sah Jan bereits im Kindesalter mit «überdurchschnittlichen Fähigkeiten» ausgestattet und sie wollte «seine Talente nicht vergraben.» «Er hatte ein ganz sensibles «Gspüri» für andere Lebewesen, ein gutes Gefühl für Räume und hatte eine unheimliche Fantasie in jeder Beziehung», erzählt sie über «ihren» Jan. Schlussendlich entschied man, dass Jan ein Internat in den Bündner Bergen besuchen soll und so landete er in der Rudolf-Steiner Schule in Scoul. Fünf Jahre verbrachte er dort und sah seine Mutter lediglich ein Wochenende im Monat.

Nach fünf Jahren in Scoul ging es für den nun 13 -Jährigen nach Ins in ein anderes Internat. Dort litt er bereits nicht mehr an ADHS, wie er selbst betont, dennoch versuchte er in der Klasse immer wieder den «Clown zu spielen» und fiel durch «Störungen im Unterricht» und «Schlägereien» auf. Er erklärt sich diese Zeit mit: «Ich wollte halt einfach cool sein.»

Nach zwei Jahren auf dem «falschen Weg» fand er wieder in die «richtige Spur». Nach gesamthaft drei Jahren in Ins wird er nach Hause zu seiner Mutter gelassen. Diese führte eine eigene Hundepension und arbeitete nebenbei. Konflikte waren durch die verlorene Mutter-Sohn Bindung «vorprogrammiert», so dass Jan Beckmann bereits wenig später in einem Heim in Derendingen einzog. Er spricht Klartext: «Die guten Erinnerungen an meine Mutter waren wie ausgelöscht nach all den Jahren in verschiedenen Internaten. So gesehen war es damals schwierig, wieder eine Bindung zu ihr aufzubauen.»  

Jan Beckmann liess sich jedoch nicht unterkriegen und meisterte mit Hilfe der damaligen Freundin und deren Familie diese schwierige Zeit. So kam es, dass er im Sommer 2012 eine Lehre als Gerüstebauer begann. Im November 2012 bezog er seine erste Wohnung in Biberist. Die Beziehung zu seiner Mutter ist heute wieder auf einer «guten» Basis.

Rap als «Psychotherapie»

Jan Beckmann, oder JMBLIVE, kam zum Rap, nachdem die Schule in Scoul einen Ausflug an ein Gratiskonzert der Bünder Rapgruppe «Breitbild» unternahm. Die Band «begeisterte» ihn und er war sofort «Feuer und Flamme» für den HipHop. Nach diesem prägenden Ereignis beginnt er damit, eigene Texte und Reime zu schreiben. Gleichzeitig versucht er, durch den Rap seine eigene Pubertät zu bewältigen, nach dem Motto: «Weg von den Psychologen hin zum HipHop». Noch heute stellt für Jan Beckmann der Rap eine «Art Psychotherapie» dar. Seine «Probleme und Sorgen» versucht er im Rap zu verarbeiten, gleichzeitig möchte er auch seine musikalische Begeisterung damit zum Ausdruck bringen. Unterstützt wurde er in seinem Vorhaben unter anderem von «Young Sam» ein Sarganser «Oldschool Rapper», als dessen Backup er auftreten darf. Was die Produktionen seiner Tracks angeht da griff ihm der Rapper «Moe'zart» unter die Arme.

So rappt er nicht um «Publicity» zu ergattern, sondern für sich selbst. Für ihn ist es «umso schöner, desto mehr Leute ihren Gefallen an dieser Musik finden» und Solothurn nicht als «tote Hose» in Bezug auf Musik bezeichnen.

«Alle Rapper in Solothurn sollten sich mal etwas trauen und Selbstbewusstsein zeigen, schliesslich haben wir einiges zu bieten», energische Worte von einem Mann, welcher sich seinen Platz in der Gesellschaft zuerst erkämpfen musste.  

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