Eigentlich haben die Selzacher gar nicht viel zu bemängeln. Es gefällt ihnen gut in ihrem landschaftlich so ansprechend zwischen Jura und Aare eingebetteten Dorf mit den Weilern Altreu und Haag. Dienstleistungen und Geschäfte für den alltäglichen Bedarf der 3183-köpfigen Einwohnerschaft sind vorhanden.

Es gibt drei Bäckereien und eine Metzgerei, bei der man sogar weiss, woher das Fleisch kommt. „Unser Dorf lebt. Man kann hier viel unternehmen“, hielt eine der Beteiligten an den drei moderierten Gesprächskreisen mit Blick auf 44 Vereine, auf neben der Sommeroper vielerlei Anlässe und eine im kirchlichen Bereich funktionierende Oekumene fest.

Zur „Zukunftswerkstatt“ selbst bedauerte die Diskussionsgruppe, dass die Einladung zu früh und nicht nochmals als Erinnerung kurz vorher publiziert worden sei.

Deshalb hatte sich am Abend im Pfarreizentrum vor allem ein „harter Kern“ Gemeinde-naher Mitbürgerinnen und – bürger versammelt. „Wir schätzen unsere hohe Wohnqualität, und dass wir noch erkennbar mit Grüngürtel und Landwirtschaftsbetrieben ein eigenständiges Dorf sind, das nicht mit der kommunalen Nachbarschaft agglomerationsmässig zusammengewachsen ist“, wurde hervorgehoben. Neben den Schulen im Dorf verfüge Selzach über Post und Bahnhof .. „und ein gesundes Selbstbewusstsein“, fügte ein Diskutant lächelnd an erwähnte Vorteile an.

Allerlei Probleme

Temperamentvoll wurde die Aussprache bei der Aufzählung der wenigen negativen Punkte. “Ich betrachte es als Blödsinn, dass die Zufahrt auf die Kantonsstrasse Biel-Solothurn mit Linksabbieger direkt möglich ist, ohne die Unterführung und dann die Einfädelung in den Verkehr auf der anderen Strassenseite zu benutzen“, ärgerte sich ein Anwesender über den täglichen Rückstau im Dorf – vor allem morgens.

Ganz schlechte Noten erhielt zudem das Verkehrskonzept, das sich als Entwurf in der örtlichen Vernehmlassung befindet. „Nicht jeder in Selzach hat Zugriff aufs Netz, wo diese Unterlagen abrufbar sind“, lautete die Kritik. Rein materiell fand die Runde kaum einen guten Aspekt an diesem Konzept, das nicht zu Selzach passe. Erschreckende Kosten, Hindernisse auf Strassen und vor allem die beabsichtigte Schliessung der Querverbindungen beispielsweise nach Grenchen erzürnte die Diskutierenden.

Ob man es nicht erst einmal mit signalisiertem Rechtsvortritt versuchen wolle? Angesprochen wurde auch die Sorge vor allzu schnellem Bevölkerungswachstum. Denn an vielen Stellen werde gebaut, und allein der neue Lindenpark bringe auf einen Schlag 56 Wohneinheiten und damit Konsequenzen für die gesamte Infrastruktur. „Wir wollen kein Schlafdorf werden sondern unseren Charakter bewahren“, war man sich einig.  Noch ein Problem kam zur Sprache: Selzachs Waldränder werden von zahllosen auswärtigen Hundebesitzern heimgesucht, die immer vergessen, den Kot ihrer Vierbeiner einzusammeln.

Wünsche und Visionen

Ziel für Selzach bleibe ein qualitatives Wachstum, erinnerte der frühere Gemeindepräsident Viktor Stüdeli. Darunter sei neben optimierter Infrastruktur, der Ansiedlung und Diversifizierung von Gewerbe und wertschöpfender Industrie zugunsten von Arbeitsplätzen eben auch ein solides Steuervolumen zu verstehen. Die gesellschaftlichen Aenderungen würden vermutlich eine Tagesschule bedingen, betonte er. Dazu gehöre auch, dass die jetzt schon vorhandenen, überall auf das Gemeindegebiet verteilten Betreuungsangebote für Kinder möglichst räumlich konzentriert würden, regte Einwohnerin Anna Schreiber an. „Und die baldige Realisierung eines Spielplatzes wäre ebenso schön für unseren Nachwuchs“, meinte ein älterer Herr.

Am Herzen lagen den Diskutierenden auch „bezahlbare Alterswohnungen“, wofür die Gemeinde einfache Lösungen suchen sollte. Auch das Thema „nach innen verdichten“ wurde behandelt. Die Gruppe bedauerte, dass der Einbau von Wohnungen in überwiegend leerstehende Bauernhäuser immer noch erschwert werde, und dass die Ausnutzungsziffern für Gebäude nicht besser wahrgenommen würden. Denn jeder der Gesprächsteilnehmenden weiss ja inzwischen, dass das neue Raumplanungsgesetz keinerlei neue Einzonungen  erlaubt.