Zuchwil
Was sind Betagte der Gemeinde Zuchwil wert?

Es sind hehre Absichten, die der Bericht zum Zuchwiler Altersleitbild formuliert: «Alle Zuchwiler sollen unter würdigen Bedingungen in der Wohn- und Lebensform ihrer Wahl leben und sterben.» Um dieses Ziel zu erreichen, sind Anstrengungen nötig.

Christof Ramser
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Das Altersleitbild will allen Zuchwilern einen Ruhestand in Würde ermöglichen. Impression aus dem Betagtenheim Blumenfeld.

Das Altersleitbild will allen Zuchwilern einen Ruhestand in Würde ermöglichen. Impression aus dem Betagtenheim Blumenfeld.

Damit den Senioren ein schöner Lebensabend ermöglicht werden kann, will die Arbeitsgruppe Altersleitbild unter Präsidentin Sigrun Kuhn bis im November Massnahmen vorlegen. Bereits jetzt wird klar: Die Kosten werden bei der Umsetzung die entscheidende Rolle spielen.

Weil die Gemeinde finanziell am Krückstock geht, könnte das Leitbild bei der Debatte im Gemeinderat, je nach Massnahmenplan, noch arg zerzaust werden. «Die Stunde der Wahrheit kommt, wenn die Kosten bekannt werden», glaubt auch Gemeindepräsident Gilbert Ambühl. Allenfalls müsse man bei der Umsetzung eine Etappierung ins Auge fassen.

Erstaunlich ist, dass die Bevölkerung die Möglichkeit zur Mitwirkung kaum wahrgenommen hat. Immerhin sind neben dem Betagtenheim Blumenfeld und der Einwohnergemeinde auch die Bürgergemeinde sowie die Kirchgemeinden involviert. Entsprechend gross war der Aufmarsch an der Einwohnergemeinderatssitzung Mitte Juni.

Damals wurde der Bericht zum Leitbild vorgestellt. Tatsächlich gingen nun aber bloss vereinzelte Vorschläge ein, weiss Gilbert Ambühl. «Entweder wurde die Möglichkeit zu wenig wahrgenommen, weil es nicht genügend interessiert, oder man ist zufrieden mit dem Angebot.»

Zu wenig Wohnraum für EL-Bezüger

«Tatsächlich gibt es bereits viele Angebote im Bereich des Alters», sagt Sigrun Kuhn. Als Präsidentin des kantonalen Spitexverbandes hat sie einen vertieften Einblick in die Gesundheits- und Krankenpflege bei den Leuten zu Hause. «Allerdings müssten die Angebote bekannter gemacht und die Kosten klar ausgewiesen werden», sagt die Leiterin der Arbeitsgruppe.

Beim Ausbau der Spitex-Leistungen, etwa mit präventiven Hausbesuchen oder einem 24-Stunden-Dienst, sei der Spielraum auf kommunaler Ebene gering. Die Gemeinde kann zwar den Anschub geben. «Die Stossrichtung wird auf kantonaler Ebene definiert.»

Ein Mangel herrscht in Zuchwil an günstigen und Wohnungen für Betagte. Für alleinstehende Bezüger von Ergänzungsleistungen dürften die Mietkosten 1100 Franken respektive 1250 Franken für Ehepaare nicht übersteigen. Zwar gibt es gemäss Bericht in Zuchwil ein «ansehnliches Angebot» an Wohnungen in dieser Preisklasse – doch nur ein geringer Teil davon ist altersgerecht gebaut. Für Sigrun Kuhn stellt sich die Frage, ob die öffentliche Hand allenfalls mit Mietzinszuschüssen Einfluss nehmen soll. «Das muss der Gemeinderat entscheiden», sagt Kuhn, und verweist im nächsten Satz auf die missliche Finanzlage der Gemeinde.

Öffentlicher Verkehr als Knacknuss

Eine Knacknuss im Leitbild ist auch der öffentliche Verkehr. Vorgesehen ist, alle Quartiere mit dem Bus zu erschliessen. Besonders im Blumenfeld mit dem Altersheim und den Seniorenwohnungen der Bürgergemeinde besteht Nachholbedarf.

Zwar ist die Haltestelle Kornfeld nicht allzu weit entfernt, doch die Treppe von der Nord-Süd-Unterführung ist steil und für viele Senioren kaum zu meistern. Eine zusätzliche Schlaufe der Bus-Linie 6 könnte das Problem entschärfen. Ob das Blumenfeld mit dem öV erschlossen wird, wird jedoch nicht der Gemeinderat, sondern ebenfalls der BSU entscheiden.

Eine Hürde dürfte auch der Ausbau an stationären Betten für die Zuchwiler Senioren darstellen. Bis 2030 soll für mindestens 15 Prozent der Zuchwiler ab 80 Jahren ein Pflegeheimbett zur Verfügung stehen. Dies trotz des kantonalen Konsenses, dass die Bettendichte sinken soll. Entlastung bietet immerhin der Ausbau der Kurzzeitaufenthalte, der im Betagtenheim Blumenfeld forciert wird.