In den Jahren 2000 und 2001 wurde in Rodersdorf ein frühmittelalterliches Gräberfeld entdeckt, das interessanten Aufschluss über das Leben in der Dorf-Gemeinschaft des 6. und 7. Jahrhunderts gibt. Die Funde wurden ausgewertet und nun hat die Solothurner Kantonsarchäologie dazu ein Sonderheft, verfasst von Manuela Weber, herausgegeben. Am Montag ist in Rodersdorf Vernissage der Publikation.

Dass das Leimentaler Dorf Rodersdorf schon lange besiedelt ist, weiss man. Steinbeilfunde aus dem Neolithikum, Keramik aus der Bronzezeit und ein Brandgrab aus der Eisenzeit wurden schon entdeckt. Auch verschiedene römische Funde sind nachgewiesen. Doch in den Jahren 2000 und 2001 wurden aufgrund einer Überbauungsabsicht im Gebiet Kleinbüel die Kantonsarchäologie gebeten, sich in dem Gebiet umzusehen, immer wieder kämen dort menschliche Knochen und bei Bauarbeiten gar ein Sax, ein einschneidiges, kurzes Schwert, zum Vorschein.

57 intakte Gräber wurden gefunden

Schliesslich stiessen die Archäologen auf Reste eines römischen Heiligtums und auf 57 relativ intakte Gräber in einem Feld und einem weiteren Feld Überreste von vermutlich 80 weiteren Verstorbenen. Diese waren jedoch durch neuzeitliche «Störungen» nicht mehr gut erkennbar.

So intensivierten die Archäologen die Auswertung der 57 gefundenen Gräber. Es war nachzuvollziehen, dass die Verstorbenen mehrheitlich in vor Ort gezimmerten Holzkisten beigesetzt wurden. In vier Gräbern wurden zwei Personen, nacheinander bestattet, in einem Fall war es eine Doppelbestattung. Die Verstorbenen wurden in ihrer Tracht mit bescheidenen Beigaben beigesetzt. Die Frauen erhielten Gürtel und teilweise Schmuck ins Grab, die Männer wurden mit ihrem Sax begraben. An diesen Beigaben lassen sich der Stand der Verstorbenen, aber auch der Wandel in der Mode sehr gut ablesen. Die meisten der Verstorbenen waren zwischen 40 und 60 Jahre alt, erstaunlicherweise fehlen Kleinkinder und Säuglinge. Grossmehrheitlich waren die Menschen gesund und gut ernährt.

Solche und noch viele weitere Details zu diesen Funden sind im soeben erschienenen Sonderband der Kantonsarchäologie nachzulesen. Viele Bilder, Skizzen und Zusatzinformation zum Leben in der damaligen Zeit bereichern die Publikation und machen sie für den interessierten Laien lesenswert. Verfasst hat das Buch Manuela Weber, die damit ihre Lizenziatsarbeit vorlegt. Unterstützt wurde sie von Pierre Harb, heute Kantonsarchäologe und bei den Rodersdorfer Ausgrabungen der Grabungsleiter.

«Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Rodersdorf», Beiträge zur Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn, Band 3. Autorin: Manuela Weber.
Bezugsadresse: Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Werkhofstrasse 55, 4500 Solothurn oder archaeologie@bd.so.ch
Preis: 30 Franken.