Biberist
Was für eine Hochstimmung im Gotteshaus

Der «Soledurner Obe» im Rahmen von «Kultur und Kirche» in Biberist war glanzvoll - und schreit nach Fortbestehen.

Agnes Portmann-Leupi
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Die Ländlergiele Hubustei im Element (v.l.): Stefan Hueter, Bernhard Wyss,Roland Wiedmer und Matthias Zimmermann.

Die Ländlergiele Hubustei im Element (v.l.): Stefan Hueter, Bernhard Wyss,Roland Wiedmer und Matthias Zimmermann.

Agnes Portmann-Leupi

Die Thomaskirche gleicht einem grossräumigen, einladenden Kulturkeller. Altar und Orgel sind hinter den schwarzen Vorhängen versteckt, davor posieren Saxofon, Gitarren, Schlagzeug, Akkordeon, Bassgeige. Ein Prickeln liegt in der Luft in Vorfreude auf die Auftritte der fünf Solothurner Künstlerformationen.

«Es ist ein spezieller Abend, wir sind innerlich am Grännen», verkündet Dülü Dubach. Die Band «Supersiech» mit Tobi Knuchel und Michael Leuenberger müsse nämlich vom vierten Bandmitglied, Lee Bohnenblust, Abschied nehmen. Dafür ist das Eröffnungsstück «Grännisiech» wie gemacht, der klönt und stöhnt: «S Läbe isch schwär und s Glas isch haubläär.» Das zahlreiche Publikum macht vergnügt mit, wenn es von Dülü in seine «Rumpelmusik» einbezogen wird, sei es im erotisch kulinarischen Liebeslied «Isabella», beim «Schutte» und beim «Wätter». Es amüsiert sich über den Veganer an der Metzgete oder den abstinenten Winzer im «S git nüt wo’s nit git».

Simu, Mitorganisator und Sänger

Dass Musizieren beflügelt, ist aus den fröhlichen Gesichtern der «Ländlergiele Hubustei» zu lesen. Ihre flitzenden Finger zaubern auf Schwyzerörgeli und Bassgitarre bluesige und fetzige sowie herzbrechende Musik hervor. Das Publikum gerät ausser sich beim Schlussstück «So en Tag», eigentlich der Erfolgstitel der Geschwister Biberstein, der aber hörbar ebenso bei den «Hubusteigiele» fruchtet.

Auch Simu Frankhauser, der «Ex-Bagatello», sonnt sich mit seinem Gitarristen Thomas Roggli im Applaus. Nicht nur Simus Stimme überzeugt, sondern auch seine humorvollen, textlichen Wucherungen von gängigen Mundartliedern wie etwa in «Hemmige», «Rosalie» sowie im «Burebüebli». Reinhard Meys Version dazu würde laut Simu etwa so tönen: «Einen Bauernbub, den mag ich nicht, mehr sag ich nicht» oder Kuno Laueners Version: «I schänke dir e Buur, meh hani nid.»

Der Sänger darf sich zugleich mit Su Sturzenegger auf die Schulter klopfen, haben die beiden doch die Idee des «Soledurner Obe» im Rahmen von «Kultur in der Kirche» umgesetzt und glanzvoll organisiert.

Von Bienchen und Blümchen

Dauerlacher produziert Komiker Christian Mark. Einfalls- und anekdotenreich entrollt er Bilder seines Aufklärungsunterrichts in der Schule mithilfe von Bienchen und Blümchen. Sein Experiment des Zusammenführens einer Biene und einer Blume im Konfitürenglas jedenfalls zeigte sich wenig aufschlussreich – die Blume verwelkte und die Biene starb. Sein Schauspieltalent mit der verschluckten Mundharmonika ist grenzenlos. Den Ausklang macht der Mundartrapper Bensch mit seinem unglaublichen Sprechtalent. In seinen Raps, die Sabrina Sentina und DJ Rafoo musikalisch untermalen, vertieft er sich in alltägliche Geschichten, die zum Überdenken anregen.

Die Anwesenden sind vom vielfältigen Abend hingerissen und applaudieren entsprechend. Dass es im nächsten Jahr erneut einen «Soledurner Obe» geben muss, ist für diese sonnenklar.

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