Subingen
Was darf Bildung heute kosten?

Am diesjährigen Behördenseminar in Subingen befassten sich verschiedene Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und Forschung mit dem Leistungsauftrag der Schule und den Bildungskosten.

Beatrice Kaufmann
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Bildungsfragen diskutierten (von links): Stefan Vannoni, Roland Reichenbach, Ulrich Bucher, Andreas Walter, Podiumsleiter Albert Arnold, Karolina Bozicevic und Daniel Aebli. bk

Bildungsfragen diskutierten (von links): Stefan Vannoni, Roland Reichenbach, Ulrich Bucher, Andreas Walter, Podiumsleiter Albert Arnold, Karolina Bozicevic und Daniel Aebli. bk

«Bildung hat schon immer zu viel gekostet», sagt Matthias Pfeiffer, Schulleiter am Schulzentrum OZ13. Daher stellten er und Albert Arnold, Schulleiter der regionalen Schule äusseres Wasseramt am diesjährigen Behördenseminar die Frage: «Was darf Bildung kosten?»

Der Frage nahmen sich am Podium Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und Forschung an. Einigkeit herrschte darüber, dass vor der Kostenfrage die Frage nach den Kernaufgaben der Volksschule beantwortet werden muss. «Wir können nicht den Inhalt des Unterrichts über Geld definieren», betonte etwa Andreas Walter, Vorsteher des Volksschulamtes. Und Roland Reichenbach, Pädagogik-Professor der Universität Basel, gab zu bedenken, dass die Schule nur deshalb so teuer sei, weil man etwas Gutes tun wolle, womit er den Förderunterricht ansprach. Er äusserte aber auch Bedenken gegenüber zu starker Betreuung und unterstrich seine Gedanken mit dem Beispiel eines Erstklässlers in Basel Land, «der insgesamt elf Betreuungspersonen hat».

In eine ähnliche Richtung deutete eine Umfrage von Economiesuisse aus dem Jahr 2010, die deren Vertreter am Podium, Stefan Vannoni, vorstellte. Diese zeigt, dass die Leistungen der Schulabgänger durch die Lehrbetriebe mehrheitlich als mangelhaft bewertet werden. Daniel Aebli, Leiter Personal & Kommunikation der Stahl Gerlafingen AG, bestätigte dies. «Wir stellen Mängel in Mathematik und Erstsprache fest.» Ausserdem brauche man Leute mit Englischkenntnissen.

Hier liege für ihn die Priorität im Unterricht. Weiter sei das Interesse an technischen Berufen wieder zu wecken, was einerseits an der Schule, andererseits an der Branche selbst liege. «Wir müssen unser Verlierer-Image loswerden.» Jemand mit einer Polymechaniker-Ausbildung habe eine Karriere auf sicher, der Beruf sei derzeit aber zu wenig attraktiv.

Mangel «nicht so drastisch»

Karolina Bozicevic, verantwortlich für die Betreuung der Lernenden der Raiffeisenbank Wasseramt Mitte widersprach jedoch der Annahme Aeblis, es sei für Banken einfach, gute Lernende zu finden. «Wir haben genau gleich Schwierigkeiten.» Allerdings beurteile sie die Mängel nicht als so drastisch, wie sie aus der vorgestellten Umfrage hervorgingen. Einig waren sich Bozicevic und Aebli hingegen über die fehlende Selbstkompetenz und Disziplin bei Schulabgängern. «Diese Tugenden werden als langweilig bewertet, sind aber sehr wichtig», betonte Aebli.

Bringt der ganze Zusatzunterricht am Ende gar nichts? Sind Investitionen in Förderung und Nachhilfe zum Fenster hinausgeworfenes Geld? In eine solche Richtung tendierte Ulrich Bucher, Geschäftsführer des Verbandes Solothurner Einwohnergemeinden (VSEG). «Die Schule muss wieder einfacher werden», so Bucher, der dafür plädierte, langsam zurückzuschrauben, Prioritäten zu setzen und auch mal Nein zu sagen. «Wir müssen den Eltern beibringen, dass wir nicht auf jede Individualität der Kinder eingehen können. Letztlich muss ein Grundwissen vorhanden sein, auf das in der Wirtschaft aufgebaut werden kann.»

Bezüglich der Finanzierung und der Kantonspolitik nahm Bucher kein Blatt vor den Mund: «Wir haben ein dummes System. Entscheidungen des Kantons schmerzen diesen weniger als die Gemeinden, die zwei Drittel der Kosten bezahlen.» Und es werde nicht besser. «Macht euch keine Illusionen. Die Kosten steigen weiter, wir müssen sparen.»

«Jammern auf hohem Niveau»

Roland Reichenbach sprach von einem Jammern auf hohem Niveau und sagte, die Schweiz stehe in Mathematik und Naturwissenschaften laut PISA an der Spitze. Die Frage, wie sinnvoll in die Bildung investiert werden könne, beantwortete er pragmatisch: «Man sollte nicht versuchen, unlösbare Probleme zu lösen.» Ein lösbares Problem sollte die Zusammenarbeit zwischen Lehrbetrieb und Schule sein, für die sich Karolina Bozicevic starkmachte. Oder mehr unternehmerische Freiheiten für die Schulen, was Stefan Vannoni wichtig erschien. Daniel Aeblis Schlusswort vereinte schliesslich Anspruch und Hoffnung in der Bildung: «Wir investieren richtig, wenn es uns gelingt, dass jeder junge Mensch einen Platz in der Arbeitswelt und im Leben findet und glücklich leben kann.»