Balmberg

Warum das Kurhaus nicht zur Asylunterkunft geworden ist

Der Besitzer hätte das leerstehende Haus gerne an den Kanton vermietet.

Der Besitzer hätte das leerstehende Haus gerne an den Kanton vermietet.

Der Besitzer hätte das Kurhaus auf dem Balmberg gerne als Asylunterkunft vermietet – doch der Kanton Solothurn lehnte trotz Überbelegung in den bestehenden Asylunterkünften ab.

Für einmal ist es umgekehrt: Während üblicherweise Asylunterkünfte bekämpft und nicht akzeptiert werden, hat sich diese Woche der Besitzer des Kurhauses Balmberg bei dieser Zeitung gemeldet. Er ist verärgert über den Kanton Solothurn.

Denn dieser hat das Angebot des Besitzers abgelehnt, das Kurhaus Balmberg als Asylunterkunft zu nutzen – trotz akutem Platzmangel bei der Unterbringung der Asylsuchenden. «Wir haben dem Kanton das Kurhaus als Asylunterkunft vorgeschlagen», sagt Fabienne Frey von der Firma DWT Treuhand in Mellingen, der Inhaber Daniel Wagen das Kurhaus gehört. «Das Haus wäre voll ausgestattet, 100 Leute hätten Platz und es liegt nicht mitten in einer Wohnzone wie andere Unterkünfte», preist sie den früheren Restaurationsbetrieb an.

Doch der Kanton wollte nicht, was dem Besitzer nicht einleuchtet. «Es wird doch immer von Platznot gesprochen.»

Unterkünfte sind überbelegt

«Solche Angebote kommen immer wieder vor», sagt Claudia Hänzi, Chefin des zuständigen Amtes für soziale Sicherheit. Oft gehe es um Liegenschaften, die leer stünden oder teuer renoviert werden müssten.

Tatsächlich würde der Kanton zusätzliche Plätze für Asylsuchende benötigen: Die bestehenden Unterkünfte sind teilweise überbelegt, in Biberist musste gar eine Zivilschutzanlage ohne Tageslicht in Betrieb genommen werden. «Es gibt Nächte, in denen die Auslastung der Unterkünfte nahezu bei 120 Prozent liegt», gibt Hänzi zu.

Und die Lage dürfte sich laut der Amtschefin in den nächsten Monaten nicht massiv entspannen – auch nicht, wenn Ende November die Ersten von bis zu 80 Asylsuchenden in die frühere Klinik Fridau ob Egerkingen einziehen. Denn mit der Klinik als Asylunterkunft gibt es im Kanton gerade so viele Plätze, wie nötig sind – nicht mehr.

Zwei Zentren ist eines zu viel

Warum kommt dann das Kurhaus Balmberg nicht infrage? Das hat Claudia Hänzi relativ rasch erklärt: Gleich neben dem Kurhaus gibt es auf dem Balmberg bereits ein Durchgangszentrum mit 50 Plätzen. «Wir sind von Gesetzes wegen verpflichtet, die Asylsuchenden möglichst gleichmässig über den Kanton zu verteilen», begründet Hänzi den abschlägigen Bescheid an den Kurhaus-Besitzer. «Zwei grosse Liegenschaften, die wenige Meter auseinanderliegen, gleichzeitig zu betreiben, wird diesem Anspruch nicht gerecht.»

Zudem handle es sich bei der bereits heute in Betrieb stehenden Anlage um ein Nothilfezentrum. Ein solches sei anspruchsvoller zu führen und das Konfliktpotenzial sei grösser. Dies zeige sich etwa bei der Zusammenarbeit mit der Postautounternehmung. «Wir können uns momentan anders behelfen und vermeiden derart schwierige Geschichten», hält Hänzi knapp fest.

Kein weiteres Grosszentrum

Offenbar gehören weitere grosse Zentren derzeit auch nicht mehr zur Strategie des Kantons. «Wir möchten keine weiteren grossen Anlagen», sagt Hänzi, «sondern vermehrt kleinere Unterkünfte mit 16 bis 20 Plätzen.» Diese seien in der Regel besser akzeptiert als grosse Zentren, und in Zusammenarbeit mit den Gemeinden offenbar auch einfacher zu finden.

Dass keine Grosszentren mehr geplant sind, hängt nicht zuletzt auch mit der Neustrukturierung des Asylwesens auf Bundesebene zusammen. Wird diese umgesetzt, werden wesentlich weniger Asylsuchende auf die Kantone verteilt. Grundsätzlich hofft Hänzi, dass die Zeit bis zum Inkrafttreten der Reform mit den bestehenden Grosszentren überbrückt werden kann.

Auf der Homepage des Kurhauses Balmberg wird jetzt – wie schon vor dem Angebot an den Kanton – ein Mieter gesucht. Nach eineinhalb Jahren Dornröschenschlaf war das Haus diesen Frühling wiederbelebt worden. Es war nur eine kurze Episode in der ereignisreichen Geschichte des Kurhauses Balmberg. Derzeit steht das Haus leer und wartet auf die Wiederbelebung.

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