Supermarkt
«Waro war für das Gäu eine grosse Sache»

Vor 40 Jahren wurde in Egerkingen das erste grosse Einkaufszentrum in der Region eröffnet. Das Ende für den Waro-Super-Discount-Markt kam 2003.

Erwin von Arb
Drucken
Teilen
Die Waro zog viel Publikum an. Das Bild aus dem Jahr 1991 dokumentiert auch den technischen Wandel in der Automobilbranche.hr. Aeschbacher

Die Waro zog viel Publikum an. Das Bild aus dem Jahr 1991 dokumentiert auch den technischen Wandel in der Automobilbranche.hr. Aeschbacher

Ein geschichtsträchtiger Akt wurde am 25. Oktober 1972 in Egerkingen vollzogen. An diesem Tag wurde an der Hausimollstrasse auf Einladung der Bauherrin, der damaligen Usego-Gruppe, die Eröffnung des Waro-Super-Discount-Marktes gefeiert. Das erste grosse Einkaufszentrum im Gäu mit 140-plätzigem Restaurant und Tankstelle war der schweizweit vierte Super-Discount-Markt der Waro, wie Usego-Verwaltungsratspräsident Paul Bürgi den rund 300 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft erklärt hatte. Die starke Verbreitung von Motorfahrzeugen verleihe dem Konsumenten eine völlig neue Mobilität, meinte er zum Hintergrund der Usego-Strategie. Eine Überlegung, die in allen Belangen aufging, wie sich zeigen sollte.

Beeindruckend und heute nicht mehr denkbar war die damals kurze Bauzeit von nur sechs Monaten für die 110 Meter lange und 66 Meter breite Halle. Für eine kurze Planungsphase hatte auch der Egerkinger Gemeinderat gesorgt, der sich bereits ein Jahr vor der Eröffnung mit dem Projekt auseinandergesetzt hatte. Weil sich der Rat nicht so recht vorstellen konnte, wie es in einem solch grossen Einkaufszentrum real zu- und hergeht, reiste er auf Einladung der Usego nach Bachenbülach, um den dortigen Waro-Markt zu besuchen.

Die Delegation aus Egerkingen war über 20 Personen gross, wie der damalige Gemeinderat und spätere Gemeindepräsident (1989– 2009) Kurt Rütti zu berichten weiss. Gemeindepräsident Erhard Bloch habe den ganzen Rat mit damals noch zehn Sitzen samt Ersatzleuten aufgefordert, bei dieser Besichtigung dabei zu sein. Mit von der Partie war auch die Baukommission.

Etwas völlig Neues

Am 1. Oktober 1971 machte sich die Delegation mit einem Reisecar auf den Weg ins zürcherische Bachenbülach. Die Besichtigung des Waro-Marktes hinterliess bei den Besuchern aus dem Gäu einen nachhaltigen Eindruck. Die vielen Aktionen und die Verkaufsstände im Aussenbereich waren für viele etwas völlig Neues. «Der Rundgang ging auch an einem riesigen Spiess vorbei, auf dem ein Ochse gegrillt worden sei», so Rütti. Die abgegebene Kostprobe habe bestens gemundet.

Die Begeisterung hielt auch nach der Rückreise ins Gäu an. «Wir konnten uns sehr gut vorstellen, dass so etwas auch in Egerkingen Anklang finden würde», meint Rütti zur Haltung des Gemeinderates. Dem Projekt erwuchs in der Folge denn auch kein Widerstand, wie Ortschronist Guido von Arx erklärt. «Für das Gäu war das natürlich eine grosse Sache, alle waren beeindruckt von der Vielfalt der Waren, die dort angeboten wurden.»

Vom Verkehr überrollt

Die Kehrseite der Medaille liess allerdings nicht lange auf sich warten: «Die Waro lief bald so gut, dass die Gemeinde vom Verkehr förmlich überrollt wurde», bemerkt Oliv von Arx, der 1973 die Nachfolge von Gemeindepräsident Erhard Bloch angetreten hatte. «Vom Ausmass waren wir schon ein wenig überrascht», sagt der heute 88-Jährige. Widerstand habe sich damals aber dennoch nicht geregt, denn mit dem Einzug der Waro seien auch neue Arbeitsplätze entstanden.

Dass damit im Gegenzug das «Lädeli-sterben» angefacht wurde, stimmt für den damals 35-jährigen Gemeinderat Kurt Rütti nur bedingt. «Bei uns im Dorf sind schon vor der Eröffnung der Waro drei von vier Bäckereien eingegangen, die letzte schloss ein Jahr nach der Waro-Eröffnung.» Als kluge Taktik habe sich der Entscheid des einheimischen Drogisten Willi Maurer erwiesen, der sein Geschäft kurzerhand in die Waro verlegt hatte.

Einen Namen über die Region hinaus machte sich die Waro, weil sie damals als einziges Einkaufszentrum am Stephanstag, am Oster- und am Pfingstmontag geöffnet hatte. Die Kundschaft kam in Scharen, inklusive Staus bei der Einfahrt. Daran hat sich auch seit dem Ende der Waro im Jahr 2003, dem zwei Besitzerwechsel vorausgingen (s. Kontext), nichts geändert. Im Gegenteil: Beim inzwischen zum Einkaufszentrum Gäupark mutierten Shoppingcenter stauen sich die Autos neu auch an den Sonntagsverkäufen vor Weihnachten.