Balsthal
Wann wird die Standortfrage endlich entschieden?

Schulverantwortliche und Eltern beziehen klar Stellung für eine neu zu bauende Heilpädagogische Sonderschule. Noch unklar ist jedoch ob Mümliswil oder Balsthal den Zuschlag erhält.

Peter Wetzel
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Der aktuelle Standort der Heilpädagogische Sonderschule Thal-Gäu in Balsthal – mit Container. Alois Winiger

Der aktuelle Standort der Heilpädagogische Sonderschule Thal-Gäu in Balsthal – mit Container. Alois Winiger

In der Erstausgabe der Balsthaler «Schulnachrichten» wird die Standortfrage der neuen Heilpädagogischen Sonderschule (HPS) thematisiert. Sie wird darin als «unendliche Geschichte» bezeichnet. Dabei kommen der Gemeindepräsident Willy Hafner, der Ressortleiter Bildung Georg Rütti, der Präsident der Fachkommission Bildung Lorenz Bader, der Gesamtschulleiter Kuno Flury, einige Lehrkräfte der HPS und betroffene Eltern zu Worte. Man habe bis jetzt nur in den Zeitungen kontrovers über die Standortfrage berichtet.

In Absprache mit dem Kanton habe man bis heute auf eine öffentliche Stellungnahme verzichtet. In den neuen «Schulnachrichten» wolle man nun jedoch den Einwohnern von Balsthal die Gründe darlegen, weshalb ein Neubau die «beste Lösung für die Zukunft der HPS» sei.

Mümliswil oder Balsthal?

Bei der Standortfrage um die HPS geht es darum, ob Mümliswil oder Balsthal den Zuschlag erhält. In Mümliswil soll das Schulhaus Brühl in eine HPS umgenutzt werden, in Balsthal ist ein Neubau südlich des Kindergartens Rainfeld geplant. Seit über zehn Jahren arbeite man an einer Lösung, obwohl sich eine bereits im Jahre 2006 durchgeführte Standortevaluation klar für Balsthal ausgesprochen habe.

In Absprache mit dem Kanton setzte der Gemeinderat Anfang 2010 die «Spezialkommission Neubau HPS» ein, in der auch der Bereichsleiter Sonderpädagogik vom Amt für Volksschule und Kindergarten Einsitz hatte. Ein von der Spezialkommission eingesetztes Planungsbüro kam in einer erneuten Studie zum gleichen Schluss wie 2006: Ein Neubau in Balsthal weise gegenüber einer Umnutzung des Mümliswiler Schulhauses klare Vorteile auf. In den «Schulnachrichten» wird eindeutig der Standort Balsthal favorisiert. Kuno Flury drückt sich klar aus: «Das Führen einer HPS beinhaltet mehr, als ein leerstehendes Schulhaus mit Schülern zu füllen.»

Die Strukturen der HPS, die Einbindung der Schule ins Dorf sowie das Know-how der Behörden seien in der rund 44-jährigen Geschichte der HPS gewachsen und liessen sich nicht ohne weiteres auf einen andern Schulort übertragen.

Was für Balsthal spricht

Im Bericht steht weiter, dass das leer werdende Schulhaus in Mümliswil einer neuen Nutzung zugeführt werden müsse und man das Interesse der Gemeinde Mümliswil an der HPS verstehe. Die überdimensionierte Anlage in Mümliswil sei aber für die HPS schlecht geeignet und stelle in vielen Bereichen keine echte Verbesserung zum aktuellen Gebäude in Balsthal dar. «Eine Schulanlage, so gross wie das Rainfeldschulhaus in Balsthal, ist einfach zu gross für die 25 Schüler der HPS, die auf ein überschaubares Umfeld angewiesen sind», zeigt sich Lorenz Bader überzeugt. Unter anderem sei die Schulanlage in Mümliswil kaum in den Regelschulbetrieb eingebunden und liege am Rand des Dorfes und des Einzugsgebietes der HPS. Die Schulzimmer und Werkräume seien für Gehbehinderte nur mit einem Lift oder einem Treppenlift erreichbar. Zudem sei die Aula zu gross und nicht rollstuhlgängig.

Die Situation heute

Die HPS unterrichtet heute in einer Villa und in zwei Containern an der Falkensteinerstrasse 20 in Balsthal. Nebst den 25 Schülern werden 18 Kinder integrativ begleitet.

Die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten der HPS genügen den heutigen Anforderungen einer modernen Schule nicht mehr. Sowohl Lehrkräfte der HPS wie auch betroffene Eltern äussern sich in den «Schulnachrichten» positiv zum Standort Balsthal. Barbara Schauwecker, Schulleiterin der HPS, bestätigt: «Die Zusammenarbeit mit der Schule ist gerade im Bereich Integration sehr wichtig. Kantonal sind zukünftig Zentren gewünscht, die verschiedene Kompetenzen wir Logopädie, Ergo- und Physiotherapie anbieten. Balsthal ist deshalb als Zentrum sehr geeignet.»

Warten auf Solothurn

Die Kosten für den grössten Teil der Sonderschulung trägt der Kanton. Für das laufende Jahr rechnet das Budget für die HPS, welches von der Einwohnergemeinde Balsthal als Spezialfinanzierung geführt wird, mit einem Gesamtaufwand von 2,6 Mio. Franken. Dieser Betrag wird gedeckt durch Schulgelder der Wohngemeinden der Schüler (0,8 Mio. Franken) und Beiträgen des Kantons (1,8 Mio. Franken).

Für das Neubauprojekt in Balsthal wird mit Baukosten von rund 4Mio. Franken gerechnet. In den «Schulnachrichten» wird im Weiteren vorgerechnet, dass die Kosten für Miete und Unterhalt nach einer Umnutzung des Schulhauses in Mümliswil höher sein würden als diejenigen eines optimierten Neubaus. Willy Hafner, Georg Rütti und Lorenz Bader hoffen, dass die Regierung über die Standortfrage rasch entscheidet. Und: «Dass wir aus unserer Traumstarre erwachen und mit Unterstützung der Balsthaler Einwohner den Neubau einer HPS in Angriff nehmen können.»