Oberdorf
Waldgang zwischen Bäumen und Masten

«Seilbahn Weissenstein im Bau» – unter diesem Motto fand der diesjährige Waldgang der Bürgergemeinde statt. Die Teilnehmer sind begeistert: «Das Bauvorhaben direkt am Schauplatz erklärt zu bekommen, bietet einen tieferen Einblick.»

Rahel Nicolet
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Heinz Obi, stellvertretender Technischer Leiter der Seilbahn Weissenstein, gibt Einblicke in die Baustelle der Zwischenstation auf dem Nesselboden.

Heinz Obi, stellvertretender Technischer Leiter der Seilbahn Weissenstein, gibt Einblicke in die Baustelle der Zwischenstation auf dem Nesselboden.

Rahel Nicolet

«Das wird man in Oberdorf sobald nicht mehr sehen», erklärt Rudolf Schluep, Präsident der Bürgergemeinde Oberdorf, den Themenschwerpunkt des diesjährigen Waldganges. Dessen Fokus liegt nämlich auf der eben entstehenden Seilbahn auf den Weissenstein. Etwa 75 Einwohner kamen, um sich die Seilbahn-Baustellen aus der Nähe anzuschauen.

«Wir haben die Helikopter bei der Mastensetzung für die neue Gondelbahn gehört und erleben auch die übrigen Bauarbeiten mit», so ein Anwohner. «Das Bauvorhaben direkt am Schauplatz erklärt zu bekommen, bietet jedoch einen tieferen Einblick.» Unter den Gästen befanden sich auch die Kantonsrätin Rosmarie Heiniger und Kantonsrat Peter Brügger sowie die Bürgerräte anderer Gemeinden.

Geräumige Talstation

Konrad Stuber, Betriebsleiter der Seilbahn Weissenstein, führte durch die Talstation der Bahn. «Im unteren Stock werden dereinst Büros, ein Konferenzraum, Garderoben für die Mitarbeiter, Gästetoiletten und der Technikraum Platz finden», erklärt Stuber den Aufbau des noch kahlen Betonkonstrukts. Auch an einen Waschplatz für Bikes sei gedacht worden sowie an gedeckte Mitarbeiterparkplätze.

«Im zweiten Stock wird ausserdem eine Werkstatt eingerichtet für die Wartung und Reparatur der 49 Gondeln», so Stuber. Im oberen Stockwerk begutachteten die Waldgänger die zukünftige Ankunfts- und Wartehalle für die Seilbahnfahrer und erfuhren, wo der Ein- und Ausstieg stattfinden wird. «Dank Liften und bodenebenem Einstieg sind die Gondeln auch für Besucher mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen bequem erreichbar.»

Als Nächstes erfahren die Waldgänger, wie die vergrösserte Schneise am Hang des Weissensteins entstand. «Etwa 1000 Bäume mussten wir fällen», erklärt Thomas Studer, Revierförster und Betriebsleiter des Forstbetriebs Leberberg. Mit Forstunternehmer Peter Scheidegger demonstrierte er, wie die gefällten Bäume mittels einer Seilbahn in einem Stück aus der Schneise herausgezogen wurden. Anschliessend seien die Bäume in Stücke zersägt und ins Tal transportiert worden. «70 Prozent des generierten Holzes werden zu Schnitzeln verarbeitet. Der Rest kann als Sägeholz verwendet werden», so Studer.

Dank dieses Seilbahn-Verfahrens habe man das Anlegen von Baupisten und dadurch das Fällen weiterer Bäume verhindern können. «Für diese Arbeit braucht es aber Fachpersonen, die ‹durchbeissen› können, gerne arbeiten und die es auch nicht stört, bei jedem Wetter draussen zu sein», gibt Studer zu bedenken. In der Försterei gebe es zwar genug Nachwuchs, allerdings bleibe dieser nicht lange im Beruf tätig.

Sicherheit, Beton und Geld

Mit dem Postauto gelangten die Seilbahn-Interessierten schliesslich zum Herzstück der Bahn: der Mittelstation Nesselboden. «Hier befinden sich der Antrieb, die Bremsanlage und der Notantrieb», erklärt Heinz Obi, stellvertretender Technischer Leiter der Seilbahn Weissenstein. «Wie lange hält das Seil?», spricht ein Besucher die Sicherheit der Seilbahn an.

Ein anderer Anwohner fragt sich, wie viel das gesamte Bauprojekt kostet, und ein dritter will wissen, wie viel Beton insgesamt verwendet wird für den Neubau der Seilbahn. Die Antworten: Mindestens 30 Jahre, 25 Millionen Franken und sehr viel Beton. «Wie viel Beton genau verbraucht wird, kann ich nicht sagen», so Obi. «Allein das Fundament eines Mastes fasst jedoch bereits etwa 70 Kubikmeter.»

«Die Tradition der Waldgänge reicht in die Urzeiten der Bürgergemeinde zurück», so Rudolf Schluep, Bürgergemeindepräsident. Etwa alle drei Jahre findet ein solcher Anlass statt. Während der Fokus des diesjährigen Waldganges auf dem Bau der Seilbahn lag, gehe es normalerweise vor allem um «Waldthemen». Ein Anliegen der Organisatoren sei zudem das Knüpfen und Pflegen von Kontakten. Dem wurde nach dem Rundgang beim gemütlichen Zusammensitzen bei Speis und Trank Rechnung getragen.