Derendingen

Vormundschaftsbehörde überlastet den Sozialdienst mit Aufträgen

Das Sozialdienst-Team an der Hauptstrasse 44 erhält Sukkurs.

Das Sozialdienst-Team an der Hauptstrasse 44 erhält Sukkurs.

Die Neuordnung im Vormundschaftswesen kostet die Gemeinden nun doch zusätzliches Geld. Der Sozialdienst Wasseramt Ost beantragt eine 60-Prozent-Stelle, um die aufgelaufenen Arbeiten bewältigen zu können.

Neu ist das Vormundschaftswesen in der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde im Departement des Innern organisiert. Vor dem Gemeinderat berichtete Olaf Wirtz, Leiter Sozialdienst Wasseramt Ost, von den Auswirkungen auf seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. «In diesem Jahr haben wir bereits 98 Abklärungs-Aufträge erhalten, jeder dauert im Schnitt 15 bis 20 Stunden. Das entspricht einer Vollzeitstelle.»

Wirz spricht von Überzeit, Stress und Überlastung und bestätigt, was Gemeindepräsident Kuno Tschumi als Präsident des Verbands Solothurner Einwohnergemeinden bereits öffentlich monierte. «Die KESB kann nicht unterscheiden zwischen Routinefällen und wichtigen Fällen und überlastet mit ihren Abklärungsaufträgen die Sozialdienste.»

Die Krux sei, dass die KESB die Aufträge an Private weitergeben dürfe, wenn der Sozialdienst den Auftrag nicht in der gesetzten Frist erledigen kann. «Die Kosten werden aber dem Sozialdienst verrechnet», so Wirtz.

«Es brennt»

Hinzu komme, dass die formaljuristische Mehrarbeit auch die Laien-Beistände verärgere. «Die laufen uns davon. Em Ende bleibt alles am Sozialdienst hängen. Wir bereiten die Suppe zu, wir schmecken sie ab und müssen sie am Ende auch auslöffeln», übte sich Olaf Wirtz in Sarkasmus. «Es brennt.» Als Folge der Mehrarbeit beantragt der Sozialdienst Wasseramt Ost eine Aufstockung um 60 Stellenprozente.

«In Grenchen mussten sie deswegen gar drei neue Stellen schaffen», weiss Tschumi. Olaf Wirtz will aber auch mit anderen Sozialdiensten in Kontakt treten. Ihm schwebe eine gemeinsame Abklärungsstelle vor. Beim Kanton indessen sind die Probleme erkannt. Kuno Tschumi hofft, dass sich die Lage mit der Einsetzung einer Task-Force verbessert. Er beantragte eine Befristung der zusätzlichen Stellenprozente auf zwei Jahre. Der Gemeinderat unterstützte ihn einstimmig.

«Nice to have» oder Service public

Ist das Geschäft mit den SBB-Tageskarten für eine Gemeinde «nice to have» oder gehört es zum Service public? Diese Frage scheidet die politischen Kräfte in Derendingen. FDP-Ersatzgemeinderat Michael Käsermann möchte alle Kosten von den Nutzern bezahlt wissen, auch die Verwaltungskosten, und fordert einen Franken zusätzlich zum Antrag der Administration, die aufgrund des höheren SBB-Inkassos eine Anpassung des Preises von 38 auf 40 Franken beantragte.

CVP-Ersatzmitglied Patrick Zwygart möchte neu auch Auswärtigen den Zugang zu den Derendinger SBB-Tageskarten ermöglichen. Dies aber zu einem teureren Preis von 42 Franken und einer Sperrfrist. CVP-Gemeinderat Urban Cueni will keine Vollkostenrechnung. «Hier können wir der Bevölkerung für einmal etwas geben.» Er beantragte deshalb, die alten Preise beizubehalten. Sein Antrag setzte sich durch.

Schulhaus Oberdorf weiter nutzen?

Uneins war man sich im Gemeinderat in Sachen Schliessung Schulhaus Oberdorf. Diese hatte der Gemeinderat früher auf Ende Schuljahr beschlossen. Nun beantragte Schulleiter Matthias Pfeiffer eine Sistierung des Schliessungsentscheides. Mit dem weiteren Betrieb dieses Schulstandortes erübrigten sich diverse strukturelle Anpassungen. Grundsätzlich habe es genug Schulräume. Aber die Organisation aller schulischen Angebote sei einfacher, wenn das Schulhaus Oberdorf weiter genutzt werden kann.

Insbesondere wäre kein Provisorium für den Kindergarten 5 erforderlich. FDP-Ersatzgemeinderat Robert Baranyai plädierte klar für eine Schliessung des Schulhauses Oberdorf. «Wir haben die gleiche Situation schon im Jahr 2005 lösen können. Es hat genug Schulräume, wir sollten das Oberdorf endlich aufgeben.» Der Gemeinderat will sich nun zuerst nochmals ein Bild von der Variante Baranyai machen und wies deshalb das Geschäft einstimmig zurück.

Der Antrag um Weiterführung des regionalen ICT-Projekts und des regionalen pädagogischen ICT-Supports (Kosten von 48 000 Franken) wurde zugestimmt.

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