Beim sensationellen Dolmengrabfund von Oberbipp (s. Kasten) in diesem Frühjahr sind die archäologischen Grabungen, nachdem sie um einige Wochen verlängert wurden, abgeschlossen. «Bis 20. Dezember werden wir die Steine geborgen haben und das Feld wieder auffüllen», sagt Grabungsleiter Marco Amstutz vor Ort. Er freut sich noch heute über den sensationellen Fund. «Was wir hier gefunden haben, ist wie ein Sechser im Lotto». Ein Dolmengrab aus der Jungsteinzeit, allerdings etwas eingedrückt, aber in der ursprünglichen Konstruktion noch völlig intakt. Eine Seltenheit. Zu Beginn der Grabung fürchtete man, das Grab sei bereits einmal geplündert worden, denn die Archäologen fanden römische und mittelalterliche Spuren im Umfeld. Doch nach der Hebung der tonnenschweren Deckplatte mit einem Kran, kam ein Gemeinschaftsgrab mit menschlichen Knochen, Zähnen und einigen wenigen Grabbeigaben zum Vorschein. «Die DNA dieser Knochen und Zähne wird nun untersucht. Das kann allerdings noch zwei Jahre dauern», sagt Amstutz dazu. Wertvolle Grabbeigaben wurden keine gefunden, so Amstutz weiter. «Das wäre dann ein Euro-Million-Sechser gewesen», schmunzelt er, um beim Bild zu bleiben.

Armand Baeriswyl, Leiter des Ressorts Archäologische Untersuchungen des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern, bestätigt diese Aussagen und ordnet ein. «In der Schweiz sind zehn Dolmengräber bekannt. Drei davon wurden in der Vergangenheit einigermassen vernünftig ausgegraben. Unter diesen Umständen hat der Fund von Oberbipp eine enorme Bedeutung für die Schweizer Archäologie. Auch darum, weil hier die gesamten modernen Techniken der heutigen Archäologie zur Anwendung gebracht werden können und die Grabung nach allen Regeln der Kunst ablief.» Das Grab sei «vollgestopft» mit Knochen gewesen, sagt Baeriswyl weiter. Man habe diese etwa 30 Personen zuordnen können, die dort vor rund 4000 Jahren bestattet wurden. «Bis zu den kompletten DNA-Auswertungen wird es allerdings noch einige Zeit dauern», bestätigt er. Auch zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die aus diesem Fund abzuleiten sind, könne er derzeit noch keine genauen Angaben machen. «Sicher ist, dass wir zumindest über die Konstruktion der Gräber mehr erfahren werden.»

Inzwischen herrscht in der Gemeinde Oberbipp Einigkeit darüber, wie man mit dem Grabfund weiter verfahren will. Gemeindepräsident Kurt Zobrist sagt: «Wir haben eine entsprechende Arbeitsgruppe eingesetzt.» Und Gemeindeschreiberin Heidi Minder ergänzt: «Klar ist, dass wir das Grab zugänglich machen wollen, allerdings an einem anderen Ort, als es gefunden wurde. Momentan ist es aber noch zu früh, einzelne Fakten bekannt zu geben», führt sie vorsichtig aus. Man trage jetzt erstmals die Fakten zusammen. Vieles sei noch unklar, insbesondere auch die Finanzierung einer neuen Anlage, so die Gemeindeschreiberin weiter. «Sicher ist, dass die Steine besonders geschützt werden müssen, da sie sehr brüchig sind.»

Momentan gehe es darum, für die Steine einen geeigneten Aufbewahrungsort im Dorf während der kalten Jahreszeit zu finden. Armand Baeriswyl sagt zu diesem Thema, dass man der Gemeinde Oberbipp bezüglich Fachwissen und bei Finanzierungsfragen sicher mit Rat und Tat beistehen werde, damit das Dolmengrab mit den ältesten Oberbippern an einem anderen Ort wieder «auferstehen» kann.