Subingen
Von Mobbing, Ignoranz und Liebe: Jugendliche entwickeln eigenes Theater

Mit einem Theater geben Schülerinnen und Schüler des zehnten Schuljahres in Subingen einen Einblick in ihre Welt und zeigen, was sie bewegt. Die Freude am selbst entwickelten und einstudierten Stück ist ihnen dabei deutlich anzumerken.

Lea Reimann
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Subinger Schüler üben ihr eigens kreiertes Theater ein
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Die Freude am Stück ist den Schülerinnen und Schülern deutlich anzumerken.
In zwei Projektwochen haben die Schülerinnen und Schüler das eigene Theaterstück erarbeitet und einstudiert.
Die Aufführung des Stücks findet im Juni statt.
In diesem Theater gibt es keine Haupt- und Nebenrollen. Jeder hat seine eigene Geschichte.

Subinger Schüler üben ihr eigens kreiertes Theater ein

Eve-Marie Lagger

«What difference does it make?» Unter diesem Titel haben die Schülerinnen und Schüler des zehnten Schuljahres in Subingen während zweier Projektwochen ein Theater entwickelt und einstudiert. Am Dienstag haben sie dieses im Schulzentrum oz13 aufgeführt. Nochmals aufgeführt wird die Produktion an der Schultheaterwoche.

Auf eine eindrückliche und berührende Art und Weise geben die Jugendlichen einen Einblick in ihre Welt und zeigen, was sie bewegt. In originellen und überzeugenden Szenen entwickeln sie ihre Geschichten - teils eigene, teils erfundene.

Vom Mobbing in der Schule über die Folgen des Balkankonflikts, von gespaltenen Verhältnissen zu den Eltern über vergangene und verbotene Liebesbeziehungen bis zur Ignoranz der Gesellschaft. Eine Szene etwa stellt den Anschlag auf den Boston-Marathon dar. «Das ist doch nur Fernseher», winkt ein Jugendlicher ab.

«Das hätte auch uns passieren können», sagt ein anderer. Fernseher oder echtes Leben? «Was macht es für einen Unterschied», fragen die Jugendlichen im Chor und antworten selbst: «Es macht keinen!»

Das Spielen bereitet den Jugendlichen sichtlich grosse Freude. Das Stück haben sie selber entwickelt und erarbeitet. Um Material und Themen zu sammeln, hat Regisseurin Murielle Jenni beispielsweise öfters alle schreiben etwas lassen - einen Brief an die Eltern oder an die erste grosse Liebe.

«Unter Theater habe ich mir vorgestellt, dass jeder eine Rolle übernimmt, dass es Haupt- und Nebenrollen gibt, wie bei Romeo und Julia. So ist es aber nicht. Alle haben hier ihre eigenen Szenen und Geschichten, alle haben eine Hauptrolle», berichtet Cheyenne begeistert.

Schlüsselkompetenzen einüben

Rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler hat in ihrer ganzen Schulkarriere noch nie Theater gespielt - für Theaterpädagogin und Regisseurin Murielle Jenni ein unvorstellbarer Gedanke.

«Gerade beim Theaterspielen kommen Schlüsselkompetenzen, die beim Einstieg ins Berufsleben und ganz generell im weiteren Leben wichtig sind, besonders zum Tragen», betont Lehrerin Verena Bucher und verweist auf Einsatzfreude, Teamfähigkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Ihr Kollege Daniel Gerber ergänzt: «Die Schülerinnen und Schüler lernen eine Rolle anzunehmen und übernehmen für diese Verantwortung.»

Dass das Theaterprojekt einige Herausforderungen an sie stellt, das unterstreichen auch die Jugendlichen. Nicht zu schwatzen bei den Proben, beispielsweise. Man müsse konzentriert sein und dürfe nichts vergessen, sagt Jonathan. Marigona fügt an: «Nicht grinsen zu müssen.» «Laut zu sprechen», findet Esma. Auf die Bühne zu stehen koste Überwindung. «Wir sind durch dieses Theater selbstbewusster geworden», so Ermira.

Das Engagement der Theaterpädagogin Murielle Jenni wird vor allem vom Kulturfonds Einweihungsfest des oz13 grosszügig unterstützt. Dieser Fonds steht für Schulprojekte zur Verfügung, welche der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und wurde bisher vom zehnten Schuljahr traditionellerweise für eine Theaterproduktion
verwendet.

Weitere Infos zur Aufführung im Juni: www.schultheaterwoche.ch