Das Restaurant Sternen an der Schulhausstrasse in Lohn ist verkauft. Der neue Besitzer des Hauses, der in Lohn-Ammannsegg eine Präzisionsmechanik-Firma führt, plant kein Revival für den altehrwürdigen «Sternen» im Dorfzentrum.

Die Restaurant-Räumlichkeiten werden zu einer Wohnung umgebaut. Nach dem Umbau verfügt das Gebäude über zwei Wohnungen. Laut neuem Besitzer des geschützten Kulturobjektes erfolge der Umbau in Absprache mit der Gemeinde und dem Denkmalschutz.

Somit verliert Lohn nach dem Restaurant zur frohen Aussicht und dem Restaurant Post nun das letzte Restaurant in der Dorfmitte – und Lohn-Ammannsegg einen «Sternen». Der andere «Sternen», an der Bernstrasse 1, wird seit diesem August als Restaurant Pizzeria Sternen geführt.

Geschichten rund um den «Sternen»

Im Jahre 1731 errichtete Hans Strausack anstelle einer alten Taverne in Lohn ein neues Wirtshaus, den heutigen «Sternen». 31 Jahre später – 1762 – fiel der Gasthof einem Vollbrand zum Opfer. Der Sohn von Hans Strausack, Urs Joseph Strausack, baute das Wirtshaus im selben Jahr wieder auf. Ab diesem Zeitpunkt erhielt das Gasthaus den Namen «Sternen».

Die Wirtschaft wurde mit kleinen Unterbrüchen bis 1819 von Johannes Strausack (Sohn) geführt. Dies jedoch nicht immer zum Wohlgefallen der Obrigkeit. Die Regierung musste den Wirt mehrmals zur Rechenschaft ziehen unter anderem 1803, als der Gasthof über die mitternächtliche Zeit hinaus geöffnet blieb und einer der Gäste – Mordtat Stuber – auf den nächtlichen Heimweg ermordet wurde.

Wirte-Dynastien

Als der Verkehr der beiden Städte Bern und Solothurn noch über die alte Landstrasse durch das Dorf Lohn, Richtung Buechwald, führte, erlebte das Restaurant Sternen dank seiner Lage direkt neben diesem belebten Verkehrsweg seine Blütezeit. Von 1828 bis 1833 erstellte der Kanton Solothurn zwischen Biberist und dem «Neuhüsli» in Lohn die neue Bernstrasse. Dadurch ging die besondere Verkehrslage des Restaurant Sternen in Lohn verloren.

Von 1842 an wurde der «Sternen» von Johann Furters Schwiegersohn übernommen. Es handelte sich dabei um Johann Joseph Strausack, den Sohn von Johannes Strausack sen., der seiner Familie so die Rechte am «Sternen» wieder sichern konnte. Somit ging das Wirtshaus nach 23 Jahren fremder Herrschaft wieder in das Eigentum der Familie Strausack über. Diese Familie gehört zu den bekanntesten Wirte-Dynastien im «Sternen». Der letzte Spross dieser Wirtefamilie war Johann Joseph Strausack («der Reiche»).

Er starb im Jahre 1900 kinderlos und ging als Grossgrundbesitzer mit dem Übernamen «rych Strausack» oder «Bankier der Bauern» in die Geschichte Lohns ein. Seine Güter hatten bei seinem Tode einen Wert von 350 000 Franken, was beim damaligen Geldwert viel war. Ihm gehörten sieben Hauptgebäude und mehrere Nebengebäude, 156 Jucharten (1 Ju sind 36 Aren) Land in Lohn und zusätzlich 26 Jucharten in den benachbarten Gemeinden Ammannsegg, Biberist, Zuchwil, Lüterkofen, Nennigkofen und sogar Bätterkinden.

Heute geschütztes Kulturobjekt

1904 erwarb Johann Wyss den «Sternen». Nach seinem Tod im Jahre 1946 wurde die Liegenschaft Sternen zweigeteilt. Die Tochter Elsa Beyeler-Wyss übernahm den Hausteil mit Wirtschaft. Der Scheunenteil mit der angegliederten Brennerei ging an den Sohn Hans Wyss über. Seit 1975 ist Georg Beyeler Eigentümer des Gasthofs Sternen.

Er renovierte das Restaurant innen und aussen total und liess dieses markante Gebäude im Dorfkern von Lohn in neuem Glanz erstrahlen. Heute ist der «Sternen» ein geschütztes Kulturobjekt. Der Ökonomie Teil mit der Brennerei ist seit 1989 Eigentum des Brennermeisters Robert Wyss. (sll/uby)