Eisenplastik
Vom Alteisen übers Donnerwetter zur Kunst

Zum Geburtstag des in Niederönz wohnenden Eisenplastikers Heiko Schütz ist ein Buch über sein langjähriges Schaffen erschienen.

alois winiger (Text und bild)
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ALOIS WINIGER

Eigentlich war gar kein Buch vorgesehen. Aber da waren so viele Fotografien, die das Schaffen von Heiko Schütz über eine lange Zeit dokumentieren. Es sei zu schade, diese nur in einem Ringheft zusammenzufassen, heisst es im Vorwort des nun erschienenen Buches. Es wäre tatsächlich schade gewesen. Denn mit dem Buch «Heiko Schütz Eisenwerker» liegt eine ansprechend gestaltete und aufschlussreiche Publikation vor, die dem Wirken und der Person des 62-jährigen Künstlers gerecht wird. Darüber hinaus vermittelt es Eindrücke aus jener Zeit, in der es jungen Menschen noch möglich war, sich künstlerisch so zu entfalten, wie es Heiko Schütz getan hat.

Ab 1972 bis heute

Im besagten Ringheft entdeckte Valentin Binggeli, Geograf, Autor aus Bleienbach und Verfasser des Vorworts, eine «Folge von Fotografien, die eine Künstlerhand verrieten. Kongeniale Arbeit von Hansruedi Riesen (Solothurn).» Binggeli schlug Schütz vor, ein Buch daraus zu machen, und konnte nicht nur den Künstler davon überzeugen, sondern auch den Autor Peter Killer, Kunstkritiker, ehemaliger Leiter des Kunstmuseums Olten und Mitbegründer des Kunsthauses im Langenthaler Choufhüsi, sowie den Verleger Daniel Gaberell, Inhaber des Kulturbuchverlags Herausgeber.ch (Riedtwil). Und schliesslich konnte noch der Fotograf Willy Jost aus Busswil dazugewonnen werden, galt es doch, Riesens Schwarzweissbilder mit Farbaufnahmen der aktuellen Werke zu ergänzen. So ist ein repräsentativer Überblick entstanden, zusammen mit Aufnahmen der ersten Werke ab dem Jahre 1972 bis zum Blick in den heutigen Skulpturengarten am Schlyffiweg im oberaargauischen Niederönz, wo Schütz mit seiner Partnerin Beatrix Hofer seit 1993 lebt und arbeitet.

Die Kunst zum Lebensinhalt zu machen, sei dem 1954 in Kirchberg geborenen Heiko Schütz «nicht im Traum in den Sinn gekommen», schreibt Peter Killer. Hingegen habe er gespürt, dass er ein freieres Leben führen wollte als sein Vater und die Nachbarn. Doch zuerst lernte Heiko Maschinenmechaniker in der traditionsreichen Firma Aebi in Burgdorf. Diese stellt Kommunal- und Landwirtschaftsmaschinen her und naturgemäss fällt da Ausschussmaterial bzw. Alteisen an, das rezykliert wird. Vieles davon gefiel Heiko Schütz, die Formen regten seine Fantasie an, und er baute daraus skurrile Gebilde, die ihm dann allerdings ein Donnerwetter des Firmenpatrons bescherten, wonach das Haus Aebi eine Fabrik und kein Hobbyraum sei. Genau genommen sei der Patron sein erster Förderer gewesen, meint Schütz heute, denn das Verbotene habe ihn erst recht animiert, weiterzumachen.

Mit Luginbühl und Tinguely

Nach der Lehre nahm Schütz denn auch keine feste Stelle an, sondern zeitlich begrenzte Jobs, die es damals in Hülle und Fülle gab, und begann daneben in einer Dorfschmiede künstlerisch zu arbeiten. Basil Luginbühl bemerkte dies und sagte zu Schütz, dass sein Vater, Bernhard Luginbühl, gelegentlich Mitarbeiter brauche. Schütz ergriff die Gelegenheit und kam so auch in Kontakt mit Jean Tinguely. Ermuntert durch Luginbühl und Tinguely machte sich Schütz selbstständig respektive auf den Weg in die Eigenständigkeit. Er fand dafür ein kleines Haus in Burgäschi. Dort entstanden die ersten Eisenbücher. Peter Killer beschreibt nun, wie daraufhin weitere künstlerische Etappen folgten in Form von Knoten und Schlaufen, dem Pfeil für eine Sendung des Schweizer Fernsehens, der Kombination von Eisen und Glas, den Raumzeichen oder den Skulpturen, die er aus dem ausrangierten Dampfkessel des Brienzersee-Dampfschiffes «Lötschberg» gestaltete.

Interessant ist zu erfahren, wie Schütz mit Auftragsarbeiten umgeht. «Was andere als Einschränkung in ihrer künstlerischen Freiheit sehen, vermag ihn zu beflügeln», schreibt Killer. Illustriert wird dies mit zahlreichen Skulpturen im öffentlichen Raum wie dem Rad beim Werkhof des Kantons Solothurn in Zuchwil, dem Brunnen bei der Rivella AG in Rothrist oder dem Wasserspiel bei der Berufsschule Langenthal sowie mit Silhouetten in Kreiseln und vor Gebäuden.

Buchstaben aus Eisen

Augenfällig wird beim Blättern im Buch, dass Heiko Schütz in den letzten Jahren praktisch nicht mehr mit Schrott arbeitet. Ein Grund dafür ist, dass das Stahlwerk Gerlafingen seit Ende 2015 keinen Zugang mehr zu den Schrotthalden gewährt. Schütz hatte aber schon zuvor neue Ideen im Kopf, wie er mit Eisen arbeiten könnte, und schaffte geometrisch geformte Silhouetten, herausgeschnitten aus Stahlplatten, oder baute Skulpturen aus eisernen Balken auf, die trotz des grossen Gewichts schwebend leicht erscheinen. Ausgangsmaterial für seine neusten Arbeiten sind Buchstaben aus Eisen.