Das Bild ist faszinierend – man fühlt sich ein halbes Jahrhundert zurückversetzt. Auf dem Vorplatz des Wallierhofs hobeln freiwillige Helfer mit alten Drehhobeln Kabisköpfe. Mit eigentlichen Storzenstechern entfernen sie vorgängig die Storzen.

Muskelkraft ist dabei ein Muss, denn sagenhafte 4 bis 4,5 Tonnen Kabis werden verarbeitet. «Solothurner Kabis, von Winznau angeliefert», betont Martin Kündig vom Wallierhofteam. Früher seien die Chabishobler mit diesen Handgeräten von Haus zu Haus gezogen. «Entstanden ist die Idee der Chabishoblete vor 13 Jahren an einem Gartenkurs», erzählt er.

Ganz klein, mit 300 Kilogramm Kabis, sei der erste Event gestartet. «Heute ist er zur Tradition geworden», sagt Martin Kündig freudig. Viele freiwillige Helfer sehen am Anlass zum Rechten. Dazu gehört auch Marie Müller aus Hüniken, die von Anfang an mit dabei ist und liebevoll «Chabis-Mutter» genannt wird. Richard Schmutz, einer der Hobler, kommt für diese Arbeit seit sechs Jahren sogar extra aus seinem neuen Wohnort im Burgund angereist.

Ein Familienereignis

Offensichtlich ist, dass das Schöne am Anlass die Gemeinsamkeit ausmacht. Grosseltern mit ihren Grosskindern, Schwiegermütter mit ihren Schwiegersöhnen, junge Familien, bestandene Ehepaare: Sie kneten, reiben und stampfen in grossen Becken den gehobelten und gewürzten Kabis bis Saft austritt, füllen ihn in Gläser oder in die mitgebrachten «Standeli» aus Steingut.

Mitten auf dem Tisch sitzt die dreijährige Sara und stopft genüsslich die Masse ins Glas. «Es gibt Weihnachtsgeschenke», verrät ihre Mutter. Eine Grossmutter aus Selzach verarbeitet mit ihren fünf Grosskindern elf Kilogramm Kabis. Ein Ehepaar aus Derendingen schwärmt von der sinnlichen Arbeit, Sauerkraut zu machen.

«Für unsere Grosskinder ist die Hoblete das Höchste, lange Zeit im Voraus fragen sie danach», erzählt eine Grossmutter aus Gerlafingen. Begeistert betont eine Horriwilerin, dass ihr Bub und ihr Mädchen dieses selbst gemachte Sauerkraut schliesslich auch essen.

Genuss pünktlich zu Weihnachten

Dass dieses Sauerkraut im Vergleich zum gekauften viel besser mundet, wird allseits spontan kundgetan. Was aber verhilft der Wallierhof-Herstellung zu diesem guten Ruf? «Die Leute erfahren, wie Nahrungsmittel selber haltbar gemacht werden können. Normalerweise geschieht dies versteckt in sterilen Fabriken», nennt Regula Gygax, Leiterin Hauswirtschaftliche Bildung, einen Grund. Viele freuten sich, diesen Brauch ihren Kindern und Grosskindern zu vermitteln.

«Gewürzt wird mit Salz, Wacholderbeeren, Koriander und Senfkörnern», sagt sie. Durch das Salz wird das Wasser ausgelöst und durch das Kneten die Poren geöffnet. In den bis zu 4/5 gefüllten Gläsern setze in den folgenden Tagen bei Zimmertemperatur die Milchsäuregärung ein. Nach dieser Phase reife das Sauerkraut im Keller weiter. Ungefähr ab Weihnachten sei es zum Genuss bereit. «Obendrein enthält das Sauerkraut viel Vitamin C», hebt die Fachfrau den gesundheitlichen Aspekt hervor.