Zwar ist im Pauschalreisegesetz klar festgehalten, dass «Reiseveranstalter und Reisebüros für den Fall der Zahlungsunfähigkeit oder des Konkurses die Erstattung bezahlter Beträge und die Rückreise des Konsumenten sicherstellen müssen». Trotzdem kann jedermann ein Reisebüro eröffnen, ohne über eine solche Garantie oder eben eine Kundengeldabsicherung zu verfügen. Denn die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmung wird nicht kontrolliert, wie David Rüetschi, Leiter Fachbereich Zivilrecht und Zivilprozessrecht im Bundesamt für Justiz, erklärt.

Fehlender politischer Druck

Dies stehe im Zusammenhang mit dem 1992 abgelehnten EWR-Beitritt der Schweiz. Im Rahmen des Swisslex-Programmes habe die Schweiz in den Folgejahren zahlreiche europäische Gesetzeserlasse übernommen, darunter auch das Pauschalreisegesetz. Dabei sei es verpasst worden, im Gesetz einen Kontroll- und Durchsetzungsmechanismus einzubauen. Zudem habe auch keine Gruppierung das Referendum ergriffen, was im Gegensatz zur EWR-Abstimmung möglich gewesen wäre. Man sei sich damals zwar der Problematik bewusst gewesen. «Aber der politische Druck für eine umfassende Regulierung der Reisebranche war wohl zu schwach und der administrative Aufwand für eine Aufsicht wurde als zu hoch eingeschätzt», vermutet Rüetschi. Deshalb liege es in der Eigenverantwortung des Reisekunden bei Vorauszahlungen abzuklären, ob der Anbieter über eine Kundengeldabsicherung verfüge oder nicht.

Schaden in Millionenhöhe

Dass sich die Wahrnehmung der Eigenverantwortung aufdrängt, zeigt nicht nur das Beispiel Biber Travel, sondern auch Zahlen der Kundengeldabsicherungsfirmen. So hat die Grösste, der Garantiefonds der Schweizer Reisebranche, seit der Gründung 1984 Entschädigungen an insgesamt 5187 Reisebürokunden geleistet. «Die Höhe der Zahlungen beläuft sich auf über 8,4 Millionen Franken», sagt Geschäftsführer Urs Herzog. Die Swiss Travel Security hat in zehn Jahren zwölf Schadenfälle behandelt.

Die Schätzung von Reiseombudsman Beat Dannenberger im Interview (siehe oben), dass jedes dritte Reisebüro über keine Garantie verfügt, bestätigt Daniel Montani von der Flühmann AG in Merenschwand. Die Logistikfirma verschickt Reisekataloge und verfügt daher über eine präzise Reisebürokartei. Demnach verfügen von den aktuell 1736 Reisebüros (ohne Veranstalter) deren 498 über keine Kundengeldabsicherung. Montani: «Meist handelt es sich um kleinere Büros, oft mit ethnischem Hintergrund und Spezialisierung in die entsprechenden Destinationen.»