Wer sich im Derendinger Elsässli ein Haus gekauft hat, der hat das vor allem wegen des grossen Gartens getan. Um eben diese Gärten sind grosse Diskussionen (wir berichteten) ausgebrochen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Böden im Elsässli mit PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen zahlreiche nachweislich krebserregend sind) und mit Schwermetallen belastet sind. Die Werte sind so hoch, dass Nutzungseinschränkungen ausgesprochen wurden. Die Bewohner im Elsässli sind verunsichert. Die Solothurner Zeitung hat einige von ihnen getroffen.

Haufen von Teerplatten

Maria Candio hat im August 2009 ein Haus an der Blumensteinstrasse gekauft. Nach diversen Sanierungsarbeiten ist sie im Frühling 2010 in das Haus eingezogen und wollte im Herbst damit beginnen, den Garten umzugestalten. «Meine Idee war es Beeren anzupflanzen, ein wenig Gemüse zu ziehen und Hühner zu halten.» Sehr schnell fand Maria Candio im westlichen Teil ihres Gartens ganze Teerplatten im Boden. Und zwar schichtweise, in grossen Mengen. «Die Erde ist ebenfalls vollkommen durchmischt mit Teerresten. Die Platten sind teilweise zerfallen», erzählt sie. Daraufhin habe sie Bodenproben entnehmen und analysieren lassen. Das Resultat ist bekannt. «Ich habe fürs Erste einen Halt eingelegt und seither nichts mehr an meinem Garten gemacht», so Candio weiter.

Nicole Monard wohnt an der Webergasse. Sie hat ihr Haus im Sommer 2010 gekauft. «Es war für mich finanzierbar und der Umschwung ist wunderschön.» Ihre Tochter wollte Kleintiere halten, Hühner sollten den Garten bevölkern. Auch sie hat ihre Pläne bisher nicht umgesetzt. «Ich war ziemlich entsetzt, als ich von der Belastung der Böden erfuhr», erklärt sie. «Ich bin froh, dass ich keine kleinen Kinder habe.»

Garten voller Kleinlebewesen

Als kleines Naturparadies schildert Willi Ingold seinen Garten an der Krempelgasse. Er wohnt seit dem Jahr 2003 dort. «Ich bin kein studierter Naturwissenschaftler, aber Feldornithologe und ein genauer und scharfer Beobachter der Natur.» Sein Garten ist naturnah angelegt und er beobachtet eine hohe Biodiversität im Boden. In seinem Garten würden viele Wurmarten vorkommen und diverse Schneckenarten. Er könne eine ungewöhnliche Vielfalt von Schmetterlingsarten (24 verschiedene) und Raupen von Trägspinner, Eulen und Schwärmer beobachten und seltene Spinnenarten. «Ich mache darum ein grosses Fragezeichen hinter die Untersuchungen und die Ergebnisse.»

Auch Bruno Meier lebt an der Krempelgasse. «Ich habe keine Teerplatten im Garten gefunden.» Er habe den 110-seitigen Bericht des Kantons sehr genau gelesen und die Höhe des Quecksilbergehaltes mache ihm weitaus mehr Sorgen, meint er. «Ich esse das Gemüse, das ich anbaue, weiterhin.»

Seit rund 12 Jahren wohnt Hansruedi Meyer an der Industriegasse. «Für mich sind die Massnahmen, die vom Kanton verfügt werden komplett übertrieben», erklärt er klar. «Auch die Art und Weise der Information durch die kantonalen Behörden ist mir schräg eingefahren.» Als Präsident der IG Elsässli spricht Meyer viel mit den Bewohnern des Quartiers. «Familien mit kleinen Kindern sind extrem verunsichert», weiss er darum.

Eintrag ist übertrieben

Die Bewohner des Elsässli bleiben zwar ruhig, aber die meisten wissen nicht so recht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Ueli Schindler wohnt seit 1997 an der Textilgasse in einem ehemaligen Meisterhaus. Er ist Geologe und seit 1994 im Altlastenbereich tätig. Aus diesem Grund unterstützt er die Bewohner und die IG Elsässli fachlich. Er hat sich den Untersuchungsbericht des Kantons genau angesehen. Für ihn ist völlig klar, dass aus den entnommenen Proben nicht auf alle Gärten im Elsässli geschlossen werden kann. «Die Resultate variieren um drei Grössenordnungen», erklärt er. Da der Boden keine homogene Masse sei, würden sich oft auch die Messwerte aus dem gleichen Garten unterscheiden. «Die PAK sind sicher erhöht, der Wert der Schwermetalle liegt aber im schweizerischen Durchschnitt», meint er weiter. Auch was die Risikoeinschätzung angeht, ist Schindler nicht der gleichen Meinung wie der Kanton. Je nach Methode komme man gerade bei PAK auf völlig unterschiedliche Ergebnisse. Tatsächlich geht der Kanton vom «worst case» aus, wie in der Verfügung vom 10. Januar nachgelesen werden kann.

Unterschiedliche Informationen

Als ungenügend empfinden die Bewohner des Elsässli die Information durch den Kanton. «Den Untersuchungsbericht haben wir erst auf konkretes Nachfragen erhalten», meint Hansruedi Meyer. Ein Flugblatt und Verhaltensmassnahmen, wie sie der Bund empfiehlt, war alles, das die kantonalen Behörden den Bewohnern abgaben. Konkret heisst dies vor allem, dass Kleinkindern das Spielen in den Gärten verboten wird, weil das Verschlucken der Erde und der direkte Bodenkontakt gesundheitsgefährdend seien.

Der drohende Grundbucheintrag und die Nutzungseinschränkung verunsichert weiter. «Ich weiss gar nicht, was ich in meinem Garten machen darf und was nicht», sagt Maria Candio. So wie der Garten jetzt aussehe, könne sie ihn nicht nutzen. «Aber wenn ich darin etwas verändere, dann verliere ich jegliches Anrecht auf allfällige spätere Zahlungen, durch den Altlastenfonds.»

Am meisten ärgert die Bewohner die Tatsache, dass alle Gärten mit dem Grundbucheintrag und der Nutzungseinschränkung belegt werden sollen. «Es gibt Gärten, in denen es keine Teerplatten hat und die nicht belastet sind.»

Sauer stösst zudem auf, dass Sanierungskosten – Schätzungen sprechen von 50 000 Franken pro Garten – getragen werden sollen, für Handlungen, für die die heutigen Bewohner nicht verantwortlich sind. Teuer wird nicht nur der Austausch der Erde, sondern auch die Entsorgung, da die Böden belastet sind und damit als Sondermüll gelten. «Der juristische Streit darüber, ob die Altlastenverordnung oder die Verordnung über belastete Böden für uns angewandt werden soll, wird auf unserem Buckel ausgetragen», sagt Hansruedi Meyer. Der Kanton ziehe sich mit juristischen Formulierungen aus der Verantwortung, so die Meinung der meisten Elsässli-Bewohner.

Ein Kränzchen winden die Bewohner des Elsässli andererseits der Gemeinde, die sich sehr für das Quartier und seine Bewohner einsetze.