Biezwil
Verschiebung um wenige Meter kostet die Gemeinde 400 000 Franken

Die Quellfassung für die Wasserversorgung in Biezwil muss um einige Meter verschoben werden. Denn die Wasserschutzzone liegt über dem Areal der Turnhalle. Die Gemeinde kommt dies teuer zu stehen.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Das Loch für die neue Quellfassung wird gegraben. Die alte Quellfassung liegt wenige Meter daneben unter der Turnhalle (links).

Das Loch für die neue Quellfassung wird gegraben. Die alte Quellfassung liegt wenige Meter daneben unter der Turnhalle (links).

Urs Byland

Unermüdlich gräbt der Bagger in den Sandstein neben der Turnhalle in Biezwil. Das riesige Loch dient dem Bau einer neuen Quellfassung für die Wasserversorgung. «Eine Bagatelle, die uns teuer zu stehen kommt», sagt Karl Mosimann.

Er ist der Gatte der Gemeindepräsidentin Rita Mosimann, Wirt im «Rössli», dem einzigen Restaurant in Biezwil, und mächtig verärgert. «Das hat uns der Kanton aufgebrummt.» Der Ärger ist schnell erklärt. Biezwil hat bis anhin schon immer Wasser von dieser Quelle bezogen. Nur liegt die Quellfassung genau unter der Turnhalle. Was aber vom Gesetz nicht mehr toleriert wird.

Er sei eben einer, der den Mund aufmache und Missstände anprangere. «Die Gemeindepräsidentin kann ja nicht immer über den Schatten springen. Sie muss für die Mehrheiten sorgen und deren Entscheide vertreten, auch wenn sie mal nicht der gleichen Meinung sein sollte.»

Er sei aber nicht das Sprachrohr seiner Frau. «Ich engagiere mich sowieso in Gemeindeangelegenheiten. Ich besuche alle Gemeindeversammlungen und sage meine Meinung», stellt der gebürtige Stadtberner klar.

Viel Geld für die kleine Gemeinde

Die Wasserschutzzone liegt über dem Areal der Turnhalle. In der Turnhalle hat es Toiletten und in einem Magazin ein Feuerwehrauto. Die Sorge sei, dass bei irgendwelchen Störungen beispielsweise Fäkalien oder Öl das Wasser der Quelle verunreinigen, berichtet Mosimann.

Dies bestätigt Thomas Ritz, im Gemeinderat verantwortlich für Wasser und Abwasser. «Bis jetzt ist glücklicherweise nie etwas passiert», sagt Ritz. «Das ist nicht verhältnismässig.

Wir hatten nie ein Problem mit dieser Quellfassung», erklärt Karl Mosimann. Die Verhältnismässigkeit bezieht sich auf die Kosten, welche die Gemeinde Biezwil übernehmen müsse. «Alles in allem kostet uns die Verlegung der Quellfassung um wenige Meter 400 000 Franken.

Ich habe mich schon an der entsprechenden Gemeindeversammlung zu Wort gemeldet und eine Beteiligung von Bund oder Kanton gefordert.» Mosimann zitiert aus einem Musterreglement zum neuen Gesetz, wonach Beiträge bei einem Härtefall geleistet werden könnten. «Das wäre für mich Anlass genug, dass der Gemeinderat dafür hätte kämpfen sollen. Aber es passierte nichts.»

Damit liegt aber Karl Mosimann falsch. Thomas Ritz hat sich um Beiträge von Kanton und Gebäudeversicherung gekümmert. «Eine erste Anfrage beim Kanton war negativ, aber das Ingenieurbüro hat eine weitere Anfrage gestartet.

Nun werden Kanton und auch die Gebäudeversicherung je zirka 20 Prozent an die Kosten beitragen», weiss Thomas Ritz. Die restlichen Kosten von rund 240 000 Franken berappen die Wasserbezüger von Biezwil. «Wir haben die Wassergebühr von 1 Franken auf Fr. 2.20 erhöht», erklärt Ritz.

Ritz wehrt sich auch gegen den Vorwurf von Karl Mosimann, dass die Bauarbeiten bereits gestartet wurden. «Der Gemeinderat sollte zuerst herausfinden, bis wann das neue Gesetz umgesetzt werden muss», moniert Mosimann. Thomas Ritz bleibt ruhig: «Man hätte schon warten können, aber die Quellfassung müssen wir so oder so verschieben. Letzten Endes ist es eine Haftungsfrage», begründet Ritz den Baustart.

Aktuell bezieht Biezwil das Wasser aus Schnottwil, dies dank einem Wasserverbund mit der Nachbargemeinde. Weil deren Löschwasserreserve zu gering war, wurde seinerzeit eine Verbindungsleitung gezogen.

Aktuelle Nachrichten