Landwirtschaft
Vernetzungsprojekte für Landwirtschaftsland sind immer einfacher realisierbar

Durch zahlreiche Projekte soll im Kanton Landwirtschaftsland, sowie Lebensräume optimal vernetzt und Tierwanderung ermöglicht werden. Mittlerweile stösst die Vernetzung bei vielen, doch noch lange nicht bei allen, Landwirten auf offene Ohren.

Rahel meier
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Vernetzungsprojekte zu erklären und einzuführen wird immer einfacher. Trotzdem stösst die Vernetzung noch nicht überall auf offene Ohren. (Symbolbild)

Vernetzungsprojekte zu erklären und einzuführen wird immer einfacher. Trotzdem stösst die Vernetzung noch nicht überall auf offene Ohren. (Symbolbild)

Solothurner Zeitung

Im letzten Jahr wurde das Vernetzungsprojekt im Unteren Leberberg gestartet. Es war das letzte in einer ganzen Reihe. Damit sind nun 9310 Hektaren Landwirtschaftsland oder die gesamte solothurnische Fläche der Gemeinden, die zu den Regionalplanungsgruppen Espace Solothurn und Grenchen-Büren gehören und als Trägerschaften fungieren, in die Projekte einbezogen.

Das Ziel der Projekte ist es, Lebensräume optimal zu vernetzen und Tierwanderungen zu ermöglichen. Dies wiederum hilft, die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.

Der Stand der insgesamt neun Projekte ist allerdings unterschiedlich. Gestartet wurde vor sechs Jahren ganz im Westen. Rund um Grenchen, Bettlach und Selzach gibt es deshalb bereits die ersten Wirkungskontrollen. Auch im Wasseramt und Bucheggberg können erste Aussagen zur Wirkung der Massnahmen gemacht werden.

Flächenziele erreicht

«Heute sind die Vernetzungsprojekte einfacher zu erklären und einzuführen», erklärt Martin Huber (BSB Biberist). Er betreut viele dieser Projekte im Kanton und im angrenzenden Bernbiet.

Drei Programme: Andere ansätze

Im Kanton Solothurn gibt es mehrere Programme, die die Landschaftsqualität fördern. Seit vielen Jahren gibt es das Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft, mit dem grossflächige und naturnahe Lebensräume und charakteristische Landschaftsbilder erhalten und aufgewertet werden. Die Vielfalt an regionstypischen Pflanzen und wild lebenden Tieren wird gefördert und erhalten.
Um die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern, unterstützt der Bund auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologische Ausgleichsflächen von besonderer biologischer Qualität und die Vernetzung von ökologischen Ausgleichsflächen. Beiträge gibt es für: Extensiv genutzte Wiesen; wenig intensiv genutzte Wiesen; Streuflächen; Hecken, Feld- und Ufergehölze; Hochstamm-Feldobstbäume; extensiv genutzte Weiden.
Neu gibt es das Projekt Landschaftsqualität im Rahmen der neuen Agrarpolitik 2014-17. Damit soll die landwirtschaftliche Bewirtschaftung in Richtung einer erhöhten Landschaftsqualität beeinflusst werden. Voraussetzung für das Ausrichten von Bundesbeiträgen ist ein in der Region verankertes Landschaftsqualitätsprojekt. Die Repla Espace Solothurn hat ein Projekt erarbeitet, das bereits beim Bund liegt. Für die Region wird mit zusätzlichen Beiträgen von rund einer Million Franken gerechnet, die jedoch auch an konkrete Leistungen seitens der Landwirtschaft gebunden sind. (rm)

Waren die Landwirte vor Jahren skeptisch, hätten sie jetzt die Vorteile erkannt. In aller Regel sind die Vernetzungsprojekte in den Berggebieten einfacher umsetzbar. «In Hügel- und Berglagen gibt es naturgemäss viele Ökoflächen, während in Tallagen die Produktion einen wichtigen Stellenwert hat.»

Bevor ein Vernetzungsprojekt startet, werden Flächenziele definiert. «Diese haben wir überall erreicht und an den meisten Orten gar übertroffen», so Huber. Im genannten Gebiet sind es 978 Hektaren, die in der Vernetzung angemeldet sind, und damit insgesamt etwas mehr als 10 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

«Die Vernetzungsbeiträge können fix budgetiert werden», so Huber. Tatsächlich wurden im Jahr 2013 im Gebiet der Repla Espace Solothurn 863 000 Franken als Vernetzungsbeiträge und Abgeltung für die ökologischen Leistungen der Landwirte generiert.

Nicht überall möglich

Huber gibt aber auch zu, dass die Vernetzung nicht überall auf offene Ohren stösst. «In Tallagen gibt es intensiv genutzte Flächen mit sehr guten Böden und sehr gutem Ertrag. Dort kann der Vernetzungsbeitrag verdoppelt werden.

Trotzdem meldet niemand eine Fläche an.» Dann sei die ökologische Vernetzung in der Region Gerlafingen, Biberist, Zuchwil und Derendingen nicht einfach zu realisieren. Hier sei der raumplanerische Druck durch Industrie und Wohnbauten sehr gross.

Je länger die Vernetzungsprojekte laufen, desto konkreter ist die Wirkung sichtbar. «Dazu wird mit den lokalen Naturkennern zusammengearbeitet, aber auch die Landwirte geben zum Teil erstaunliche Rückmeldungen.»

Wildtierkorridore

Wildtierkorridore sind nicht explizit Teil der Vernetzungsprogramme, aber die wandernden Tiere können von der Vernetzung profitieren. Auf dem Gebiet der Repla Espace Solothurn gibt es vier Wildtierkorridore von überregionaler Bedeutung. Einer ist im Bereich Nennigkofen/Riemberg-Lommiswi; einer im Bereich Biberist-Utzenstorf; der dritte in der Region Heinrichswil-Winistorf-Obergerlafingen und der vierte rund um Hüniken. Alle sind mehr oder weniger beeinträchtigt und werden durch Strassen und Bahnlinien zerschnitten: Verbessert wird die Situation durch Vernetzungs- und Deckungselemente sowie durch Trittsteine in den Landwirtschaftsgebieten. Diese müssen jedoch mit baulichen Massnahmen im Bereich der Verkehrsträger ergänzt werden, um die Funktionsfähigkeit herzustellen. (rm)

Nach drei und nach sechs Jahren wird eine Erfolgskontrolle mit Zwischen- oder Schlussbericht durchgeführt. Die Wirkungskontrolle wird anhand der im jeweiligen Projekt definierten Leitarten ermittelt.

Haben diese Arten – beispielsweise Feldlerchen, Feldhasen, Grauammern, Spierstaude oder Madesüss – zugenommen, dann ist dies positiv. Oft sei es aber schwierig abzuschätzen, ob es die Vernetzungsmassnahmen seien, die Flora und Fauna beeinflussen.

«Ebenso haben das Wetter oder Krankheiten, wie beispielsweise die Fuchsräude, auf den Hasenbestand einen Einfluss.» Während in den Tallagen die räumliche Verteilung der Ökoflächen zentral ist, geht es im Berggebiet primär um die Weiterführung der landwirtschaftlichen Nutzung. «Wenn Landwirte die Weiden und Wiesen dort nicht mehr bewirtschaften, droht Verwaldung und Verbuschung.»

Jedes Vernetzungsprojekt wird von einer Arbeitsgruppe begleitet. «In diese werden nicht nur die Landwirte und Behörden, sondern auch Vogelschützer, Naturschützer und Jäger eingebunden, eine wichtige Plattform für den Informationsaustausch», so Huber.