Die Grossverteiler haben die Region definitiv entdeckt. Die direkte Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern von Lebensmitteln wurde deutlich verstärkt. Bereits 1999 lancierte Migros das Label «Aus der Region. Für die Region.» Inzwischen ist die Marke landesweit eingeführt, in den Verkaufsregalen werden über 8000 Produkte angeboten. Die Nachfrage und das Potenzial sind gross, wie die Migros-Chefs kürzlich an der Bilanzmedienkonferenz betonten.

Die Entwicklung zeige, dass für den Kunden nicht alleine der Preis, sondern auch die Qualität, das Wissen um die Herkunft und, dass die Wertschöpfung in der Region anfalle, zähle. Ebenso Konkurrent Coop setzt stark auf die Produktion Schweiz. Nach eigenen Angaben stammen 70 Prozent der Lebensmittel unter der Coop-Eigenmarke aus Schweizer Produktion. Jetzt zielt der Basler Grossverteiler noch vermehrt auf Regionalität. Aktuelles Beispiel ist die Zusammenarbeit mit den Naturparks.

Positive Bilanz

Und da spielt der Naturpark Thal eine Vorreiterrolle. Anfang 2010 startete der Grossverteiler in rund 70 Verkaufsstellen der Nordwestschweiz mit dem Verkauf von Fleisch- und Käsespezialitäten, die mit dem Label «Naturpark Thal» zertifiziert sind (siehe Kasten). Sowohl Produzenten und Verkäufer ziehen eine positive Bilanz: «Der Absatz unserer drei Spezialitäten über Coop entwickelt sich zu unserer vollen Zufriedenheit», erklärt etwa Robert Stübi von der gleichnamigen Metzgerei in Matzendorf. Stübi liefert die Wurstspezialitäten «Matzendörferli», «Thalerwurst» und «Jurakette».

Coop sei ein wichtiger Absatzkanal zur optimalen Auslastung der Wurstproduktion geworden. Umsatzzahlen nennt Stübi keine. Nur so viel: «Dank einer optimale Kalkulation kann ein akzeptabler Bruttogewinn erzielt werden.» Auch der zweite Coop-Lieferant der ersten Stunde, die Käserei Reckenkien oberhalb Mümliswil, zeigt sich zufrieden. «Die Lieferungen an Coop sorgen für eine gute Auslastung. Zuvor hatten wir zeitweise einen Milchüberschuss zur Käseverwertung», erklärt Käsermeister Jürg Stoll. Jährlich könne er Coop etwa 6000 bis 7000 Kilogramm Käse der Sorten «Passwang Mutschli» und «Hosenlupf» liefern. Seit kurzem kann die Käserei auch vier Grossverbrauchermärkte der Prodega/Growa-Kette beliefern. Insgesamt produziert die Käserei rund 100 Tonnen verschiedenster Käsesorten.

Rapsöl und Brot

Inzwischen führt Coop acht Produkte mit dem Label «Naturpark Thal» im Sortiment. Neben den erwähnten fünf Käse- und Wurstspezialitäten finden sich auch Rapsöl der Familie Gasser in Laupersdorf und das «Thaler Brot» der Kluser Bäckerei Flückiger in den Verkaufsregalen. Jüngster Spross ist das «Buuremehl» der Schnyder Mühle in Laupersdorf, welches seit Dezember beim Grossverteiler verkauft wird. «Die Zusammenarbeit mit den regionalen Produzenten ist sehr erfolgreich», sagt Noemi Wannenmacher, Sprecherin von Coop Region Nordwestschweiz. Und der Zuspruch seitens der Kundschaft sei gross. Man sei auch offen für zusätzliche Produkte. «Der regionale Aspekt wird bei den Kunden immer wichtiger.» Von den positiven Erfahrungen mit dem Thal profitiert auch der Naturpark Aargau. Seit Anfang Jahr hat Coop drei Wurstspezialitäten mit dem Label «Naturpark Aargau» ins Sortiment aufgenommen.

Doch die Zusammenarbeit mit einem Grossverteiler ist für die Produzenten auch eine grosse Herausforderung. Es brauche eine gewisse Grösse, um die Vorgaben punkto Lieferbereitschaft einhalten zu können, erläutert Käsermeister Stoll. «Im Moment ist die liefermässige Situation für uns stimmig.» Aber bei einer Anfrage nach mehr Produkten würde man nicht einfach Nein sagen, meint er lachend. Ab und zu könne es zu Lieferengpässen kommen, in der Regel seien jedoch alle Produkte in genügender Menge verfügbar, sagt seinerseits Metzgermeister Stübi. Er gesteht aber ein, dass eine zusätzliche Belieferung von Prodega/Growa bezüglich Betriebskapazität und Sicherstellung des Rohmaterials eine zu grosse Herausforderung wäre. Trotzdem. Stübi würde gerne auch seinen «Knoblauchring» an Coop liefern.