Insgesamt 115 Quadratkilometer, 4 Kantone, 92 Landwirtschaftsbetriebe, 328 Massnahmen, 1,5 Millionen Franken, 17 direkt geförderte Tier- und Pflanzenarten – das sind die eindrücklichen Kennzahlen für das Smaragdgebiet Oberaargau. Doch worum geht es überhaupt? «Das Ressourcenprojekt Smaragd ist ein Pilotprojekt der Landwirtschaft zur Förderung der Biodiversität, welches über die allgemeine Förderung des Lebensraums für Tier- und Pflanzenarten mittels Biodiversitätsförderflächen hinaus geht», fasst Ivo Strahm, vom Fachbereich Agrarumweltsystem und Nährstoffe im Bundesamt für Landwirtschaft zusammen. «Im Oberaargau wurden während sechs Jahren erfolgreich Massnahmen umgesetzt, die zum Erhalt von europaweit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten beitragen.»

Das Smaragdgebiet im Oberaargau

Das Smaragdgebiet im Oberaargau

Um welche Massnahmen es sich unter anderem handelt, zeigen drei Beispiele von beteiligten Landwirten. «Das von mir bewirtschaftete Land eignet sich dafür, der gefährdeten Helm Azurjungfer Lebensraum zu bieten», erzählt André Kissling. Aus diesem Grund wurde er vom Förderverein Smaragdgebiet Oberaargau zum Mitmachen eingeladen. «Beim ersten Schnitt der Ökowiese muss ich am Bach entlang drei Meter Gras stehen lassen, damit die Libellen nicht gestört werden», erläutert er eine Bewirtschaftungsauflage. «Und beim zweiten Schnitt muss ich zehn Prozent des Altgrases belassen.» Der 43-Jährige betreibt in Wolfwil, der einzigen am Projekt beteiligten Gemeinde aus dem Kanton Solothurn, einen mittleren Familienbetrieb mit Milchwirtschaft und engagiert sich seit rund vier Jahren im Vorstand des Vereins Smaragdgebiet Oberaargau.

Landwirt Hans-Rudolf Hegi aus Roggwil bietet Schleiereulen und Turmfalken im Dachstuhl seines Ökonomiegebäudes Nistmöglichkeiten. Dank Asthaufen auf seinem Feld finden Mäuse Unterschlupf. Diese wiederum dienen den Vögeln als Nahrung. Als «drittes Standbein» neben der Milchwirtschaft und dem Ackerbau bezeichnet Adrian Glur die Bewirtschaftung der Ökoflächen. Der SVP-Gemeinderat und Landwirt aus Roggwil sorgt unter anderem mit einem schonenden Gewässerunterhalt für den Erhalt von Libellen, pflegt spezifische Strukturelemente für Gartenrotschwänze und bietet Lerchenfenster im Getreideacker. «Ich mache am liebsten ganzheitlich etwas für Natur und Umwelt», begründet er sein Engagement, mit dem er den Spagat zwischen ökologischem Denken und wirtschaftlichem Nutzen schafft.

Das Smaragdgebiet Oberaargau ist einzigartig, was auch vom Bund hervorgehoben wird. Einerseits, weil es das grösste der aktuell 37 Smaragdgebiete in der Schweiz ist. Andererseits, weil der Trägerverein breit abgestützt ist. «Aber auch, weil es von der Basis vorgeschlagen worden ist», wie Sarah Pearson Perret, Sektionschefin der Strategie Biodiversität Schweiz beim Bundesamt für Umwelt, sagt. Initiator war nämlich nicht wie üblich ein Bundesamt, sondern der WWF Kanton Bern. Dessen Co-Präsidentin, SP-Nationalrätin Nadine Masshardt (Bern), teilt sich denn auch das Co-Präsidium des Vereins Smaragdgebiet Oberaargau mit der Berner FDP-Grossrätin Katrin Zumstein (Bützberg). Die ehemalige Langenthalerin Nadine Masshardt ist überzeugt: «Wird die Landschaft aufgewertet, werden Arten gefördert und damit die Biodiversität gestärkt. Dies nützt am Ende allen: der Landwirtschaft, der lokalen Bevölkerung und dem Naturschutz.»

Pearson nennt noch eine weitere Besonderheit: «Das Gebiet befindet sich in einer Talzone und nicht wie die meisten anderen Smaragdgebiete in Berg- oder Randregionen.» Dies hebt auch Werner Stirnimann, Vorstandsmitglied des Vereins Region Oberaargau (Ressort Umwelt und Energie) sowie Kassier und Begleiter Kommunikation des Trägervereins hervor. Er ist überzeugt: «So wie die Bevölkerung der Region auf spezielle Kulturgüter und innovative Arbeitgeber stolz sein kann, kann sie auch zunehmend stolz auf ihre Biodiversität und Erholungsräume sein.»