Amtsgericht Dorneck-Thierstein

Vater niedergestochen: 27-Jähriger muss 6 Jahre hinter Gitter

Der Verteidiger plädierte noch für für vorsätzliche Tötung. Der Richter folgte der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Mann wegen Totschlags.

Der Verteidiger plädierte noch für für vorsätzliche Tötung. Der Richter folgte der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Mann wegen Totschlags.

Das Amtsgericht Dorneck-Thierstein hat den 27-Jährigen schuldig gesprochen, der 2014 in Nuglar seinen Vater umgebracht hat. Er wird wegen Totschlags verurteilt und muss für sechs Jahre hinter Gitter.

Deutlich über dem Antrag des Verteidigers – aber auch unter jenem des Staatsanwaltes liegt die Gefängnisstrafe, die ein 27-jähriger antreten muss: Sechs Jahre Gefängnis lautet das Urteil, welches das Amtsgericht Dorneck-Thierstein fällte.

Der Mann, C.S.*, hatte vor anderthalb Jahren nach einem heftigen Streit mit einem Brotmesser auf seinen Vater eingestochen. Dieser erlag zwei Tage später seinen schweren Verletzungen. Die Gerichtsverhandlung fand am Mittwoch statt.

Vatermörder vor Gericht

Vatermörder vor Gericht

Vor eineinhalb Jahren ermordete Reto B. in Nuglar SO seinen eigenen Vater. Am Mittwoch musste sich der 27-Jährige vor Gericht verantworten.

Der leicht behinderte Mann hatte sich über Jahre hinweg von seinem Vater herabgesetzt gefühlt. Auch an jenem verhängnisvollen Abend des 20. August 2014 war dies der Fall, sodass die lange aufgestaute Wut ausbrach. Der Sohn ergriff ein Brotmesser, stürmte auf den Gartensitzplatz und stach im Bereich der Schulter und des Halses mehrfach auf seinen Vater ein.

Familiendrama Nuglar

So klang es in Nuglar und bei der Polizei unmittelbar nach der Tat.

Stationäre Therapie statt Strafe

An der Gerichtsverhandlung hatte der Staatsanwalt auf eine Haftstrafe von acht Jahren und zwei Monaten plädiert und die Tat als vorsätzliche Tötung qualifiziert. Dies vor allem deshalb, weil der Sohn unmittelbar vor der Tat in seiner Wut gesagt hatte: «I bring di um.» Ob er diesen Satz wirklich gesagt hatte, dazu wollte sich C.S. vor Gericht nicht mehr äussern. Er erinnere sich nur daran, dass er gesagt habe: «Jetz längt’s!»

Für Verteidiger Viktor Müller hat C.S. in einer «entschuldbaren, heftigen Gemütsbewegung» gehandelt. Er wertete die Tat als Totschlag und beantragte eine Haftstrafe von 45 Monaten. Nach Abzug der Untersuchungshaft und des bereits angetretenen Massnahmenvollzugs solle die Strafe auf 30 Monate lauten.

Das Amtsgericht unter Vorsitz von Amtsgerichtspräsident Markus Christ sprach nun den Angeklagten des Totschlags schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Wegen seiner psychischen Erkrankung wird der Vollzug der Strafe zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben. Schon vor dem Prozess war C.S. von der Untersuchungshaft in das Massnahmezentrum St. Johannsen in Le Landeron überführt worden.

Markus Christ würdigte gegenüber dieser Zeitung die Fortschritte, die der Täter seit der Verhaftung gemacht hat. Er habe seine Gefühle inzwischen gut unter Kontrolle und es könne eine gute Prognose gestellt werden. Dass trotzdem eine Strafe verhängt wurde, die über dem Antrag des Verteidigers liegt, begründet der Gerichtspräsident:

«Es handelt sich bei der Tötung eines Menschen um ein schweres Delikt.» Man habe allerdings die persönlichen Umstände, etwa die Behinderung und die fehlende Konfliktbewältigungskultur in der Familie, berücksichtigt. Den umstrittenen Satz «I bring di um» wollte man nicht überbewerten.

In heftigen Streitereien werde dieser Satz schnell dahingesagt, ohne dass es zu einer Eskalation komme. Trotzdem habe C.S. mit seiner Tat «überreagiert». Zudem sei hier auch im Zweifel, ob der Satz überhaupt so geäussert worden ist, zugunsten des Angeklagten entschieden worden.

Bei guter Führung wird bei einer Haftstrafe ein Drittel erlassen, sodass der Täter nach vier Jahren wieder frei sein kann. Die stationäre therapeutische Massnahme ist auf fünf Jahre angelegt; damit liegt sie über der Dauer der Haftstrafe. Vonseiten des Staatsanwaltes habe er Signale erhalten, das Urteil nicht weiterzuziehen.

Denn der Staatsanwalt hatte schon in seinem Antrag geschrieben, dass C.S. allenfalls wegen Totschlags (statt wegen vorsätzlicher Tötung) zu verurteilen sei. Ob der Verteidiger gegen das Urteil appellieren wird, ist noch offen. «Ich muss das Urteil, das ich erst seit wenigen Stunden habe, erst mit meinem Klienten besprechen», sagt Müller auf Nachfrage.

Meistgesehen

Artboard 1